Wir schaffen es einfach nicht, sie auszublasen –

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die noch immer lodernde Fackel in der Hand Herrenvolkes.

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Die morgendliche Wanderung durch den Dschungel der Nachrichtenwelt und Medienlandschaft kann sich mitunter recht langweilig gestalten, da dem Interessierten täglich wieder vor Augen geführt wird, mit welcher Dreistigkeit Agenturnachrichten abgekupfert und in minimal veränderter Schriftform als recherchiertes Reaktionsmaterial verhökert wird. Spätestens beim dritten Erguss über den Untergang der Credit Suisse wird dem Leser klar, dass die Unterschiede lediglich in der Kommasetzung zu finden sind.

Aber dann gibt es doch, die beinahe schon skurril erscheinenden Blüten in jener Landschaft der Informationen, die geradezu zum Pflücken einladen. Ein eindrucksvolles Beispiel bot sich mir dieser Tage auf der Internet-Plattform des Medienunternehmens ATV, ansässig in Banja Luka (Regierungshauptstadt der Srbska Republika in Bosna & Hercegovina).
Bereits beim Lesen des Artikels eroberte ein Schmunzeln mein Gesicht, welches auch bis zum letzten Satz nicht mehr weichen wollte.

Außerdem erinnerte mich die Situation frappant an eine Begebenheit, sich abspielend in meinem Beisein, in den Räumen der Deutschen Botschaft in Zagreb (Kroatien).
Ich hatte mich eingefunden, um den bürokratischen Kram zur Verlängerung meines Reisepasses hinter mich zu bringen. Doch, wie es sich gehört, kommt stets vor der Bürokratie die obligatorische Wartezeit. Und die verbringt man (zumindest in Zagreb) in einem aus allen Himmelsrichtungen einsehbaren, beinahe rundum gläsernen Raum.

In dem transparenten Kasten saßen außer mir noch ein Mädchen (ich schätzte sie auf circa vierzehn Jahre) und eine Frau. Beide verweilen bei ihrem Dialog in der kroatischen Sprache. Aus dem Gespräch hörte ich heraus, dass es sich um Mutter und Tochter handelt, die sich über die juristischen Möglichkeiten informieren wollten, an die Adresse des Ex-Mannes in Deutschland zu gelangen, der die Unterhaltszahlungen wohl kurzerhand eingestellt hatte.
Kurze Zeit später erschien ein Mitarbeiter der Botschaft an der Seite des Besucherraumes, an der eine Gegensprechanlage das anstehende Frage-und-Antwort-Spiel erleichtern soll.

Die kleine Lautsprecheranlage krächzte einen deutschen Nachnamen. Mutter und Tochter fühlen sich augenblicklich angesprochen. Beide näherten sich dem eingebauten Mikrofon und das Mädchen trug auf Deutsch all jenes vor, was ich bereits vorher ungewollt mitbekommen habe. Das Erste, was mir sauer aufstieß, war der auferlegte Zwang, sich vor allen anderen Besuchern der Botschaft zu offenbaren, als verfüge die Residenz über kein Zimmer, in dem Mutter und Tochter ihr Problem mit dem Sachbearbeiter hätten erörtern können.

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Die zweite Unverschämtheit ließ nicht lange auf sich warten. Anstatt das Mädchen ausreden zu lassen, wurde sie mit der Frage unterbrochen, wieso die Mutter nicht das Anliegen vorträgt, schließlich habe sie um den Termin gebeten. Die Tochter erläuterte, dass die Mutter nicht sonderlich gut die deutsche Sprache beherrsche, sie indes alles übersetzen kann, was die Mutter vortragen möchte.

Es begann augenblicklich ein Austausch von Fragen und Antworten, der letztlich dazu führte, dass das mit meiner Passverlängerung sich um mehrere Wochen hinauszögerte.

Der Amtsstubenhengst durfte beginnen.
»Wer kann mir garantieren, dass du wirklich das übersetzt, was deine Mutter sagt?«
»Warum sollte ich lügen?«
»Darum geht es nicht. Ihr müsst euch um einen Übersetzer kümmern. Dann könnt ihr nochmals hier herkommen.«
»Wir möchten lediglich eine Auskunft.«
»Die gibt es nur mit einem Übersetzer.«

Ich bemerkte, dass einige meiner inneren Organe für einen steigenden Blutdruck sorgten. Da dies allgemein als äußerst ungesund gilt, versuchte ich es mit einem Druckabbau und mischte mich ungefragt ein.
»Sie wollen mir jetzt nicht erzählen, dass es hier im Haus niemanden gibt, der das Gesagte bestätigen kann.«
»Wer hat Sie um Ihre Meinung gebeten und wer sind Sie eigentlich?«

Ich trat näher an die Gegensprechanlage heran, nannte meinen Namen und fügte hinzu:
»Ich hoffe, Sie glauben meinen Angaben, denn beweisen kann ich sie nicht, da mir am Eingangsschalter ungefragt mein Pass eingezogen wurde.«
»Setzen Sie sich hin und warten Sie, bis Sie aufgerufen werden.«
»Ich setzte mich, wenn mich das Gefühl heimsuchen sollte, mich hinsetzen zu wollen. Wenn Sie das Anliegen dieser Familie zu einem öffentlichen Tribunal hochstilisieren möchten, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit sich einmischt.«
»Sie sind jetzt besser ruhig, schließlich erwarten Sie noch Hilfe von uns.«
»Ich kann mich langsam nicht mehr von dem Gefühl befreien, als überschreite hier gerade jemand deutlich seine Kompetenzen. Wären Sie daher so freundlich, mir Ihren Namen zu verraten, damit ich mich im Auswärtigen Amt über Ihr Auftreten beschweren kann.«

Fünf Minuten später stand ich mit meinem bald abgelaufenen Pass und unerledigter Mission auf kroatischem Grund und Boden. Zwei recht mürrisch dreinschauende Herren hatten mich an die frische Luft begleitet.

Ich habe in der Titelgebung des Beitrages nicht ganz ohne Grund das Substantiv Herrenvolk gewählt. Denn kein Begriff spiegelt besser wider, wie es zu der Situation kommen kann, dass sich plötzlich eine Person oder gar ein ganzes Volk, sich bemächtigt fühlt, sich dem Gegenüber als erhaben zu präsentieren. Das Wort ist nämlich keineswegs eine erfinderische Schöpfung der Nazis, sondern stammt aus der Zeit, als wir uns auserkoren sahen, den sogenannten Naturvölkern den Stempel der deutschen Hochkultur auf die Stirn zu drücken.
Dass dieses, beinahe schon irre Axiom dann später von den Nazis liebend gerne ins Repertoire übernommen wurde, ist wenig verwunderlich. Dort nannte man den Größenwahn dann die arische Herrenrasse.

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Ja, und leider sieht es ganz danach aus, als lodere die Flamme des Herrenvolkes noch immer in so manchem Kopf. Manchmal auch ganz unbewusst, was dann mit den Worten erklärt wird: „Ich habe es ja nur gut gemeint.“
Exakt dieser Satz könnte nämlich von dem Vermieter in Deutschland stammen, der sich nun doch entschloss, sein Eigentum an Ausländer zu vermieten.

Zu diesem Vertragsabschluss kam es aber erst, als sich der deutsche Arbeitgeber, der über eine slowenische Vermittlungsgesellschaft Arbeitskräfte auf dem Balkan suchte, sich zeitnah verpflichtete, stets für die Mietzahlungen und sonstige Kosten aufzukommen.
Okay, warum auch nicht?

Die slowenische Agentur wurde prompt in Bosnien fündig und vermittelte die Arbeitskräfte an den Auftraggeber. Besser konnte es für keine Seite laufen. Fachkräfte da, der Boss zufrieden, die Unterkunft gesichert und ein Vermieter mit Garantieschein. So unkompliziert kann die Welt funktionieren.
Wäre da nicht die deutsche Sprache, die uns mit der nebenordnenden Konjunktion aber eine solche Leckerei zur Verfügung stellt, bei der man nie nein sagen kann und daher immer wieder gerne zugreift. So auch unser glücklicher Vermieter.

Ja aber, muss er sich wohl gedacht haben, jetzt kommen da Männer aus Bosnien, die unter Garantie überhaupt keine Ahnung davon haben, wie wir hier wohnen und bei uns alles so funktioniert?

Die Beschreibung der nun folgenden Situationskomik habe ich mir aus unterhaltungstechnischen Beweggründen schlichtweg zusammengeschustert – doch bleibt das Resultat unzweifelhaft real, da in bewegten Bildern festgehalten.

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Vorab möchte ich mich bei Heinz Becker und seiner Familie dafür entschuldigen, ihnen das Deutsch als Artikulationsmittel in den Mund gelegt zu haben. Da sich jedoch bis zum heutigen Tag 15 der 16 Kultusminister in der BRD nicht dazu durchringen konnten, saarländisch als erste Fremdsprache an allen Schulen einzuführen, sah ich mich gezwungen, in diesem speziellen der heimatlichen Kultur die kalte Schulter zu zeigen.

Mitwirkende: de Heinz (als de Schäff vom Ganze), es Hilde (als sei Fraa) un de Stephan (zuschdännisch fiers Komblizierde).

Heinz sitzt am unteren Ende des Ehebetts, während Hilde die letzten Kämpfe mit einer ganz schlimmen Erkältung unter der wärmenden Bettdecke ausfechtet.
Es gibt Klärungsbedarf im Hinblick auf die Ankunft der neuen Mieter, die übermorgen erwartet werden.
Der Hausherr übernimmt den Anfang:
„Hilde, ich habe mir die Sache mit denen, die da kommen und bei uns wohnen, hin und her überlegt. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass man denen gleich zu Beginn klarmachen muss, wie die Uhren hier bei uns ticken.“

Hilde fühlt sich kurzfristig im falschen Film und pocht auf Aufklärung:
„Wie, bei uns wohnen? Ich dachte, die ziehen in die Mietwohnung?“

Der Fachmann für das Alltägliche, der diese Fragen beantworten sollte, scheint sichtlich genervt.
„Dir hat das Fieber doch ziemlich zugesetzt. Ich rede ununterbrochen von der Mietwohnung und davon, dass ich Angst davor habe, die Wohnung später nicht mehr wiederzuerkennen.“

Vollkommen egal, wie sehr böswillige Krankheitserreger die Ehefrau von Heinz auch in Mitleidenschaft gezogen haben, das Einmaleins der Wohnungsvermietung ist bei der maladen Dame noch immer abrufbar.
„Warum legst du denen nicht ganz einfach eine Gebrauchsanleitung hin? Was ist überhaupt was und wie wird das, was man vielleicht nicht kennt, überhaupt benutzt? Das wäre mein Vorschlag.“

Innerlich leicht aufgewühlt, doch in seiner Reaktion die Contenance wahrend, offenbart Heinz:
„Ganz so dumm bist du dann doch nicht. Auf die Idee hätte auch ich kommen können. Morgen hängt überall dort, wo es was zu benutzen gibt, einen Zettel mit der Gebrauchsanleitung.“

Es ist der Augenblick, als sich Hilde aus dem Bett wagt und sich metaphorisch betrachtet weit aus dem Fenster lehnt:
„Dann bin ich gespannt, wer das verstehen soll, was du dort schreibst. Außer für die Lottozahlen hast du in den vergangenen 30 Jahren kein Stift mehr in der Hand gehabt.“

Die verbalen Tiefschläge seitens seiner Angetrauten ignorierend, gestattet Heinz einem Schub Fischluft Zugang unter seine Schiebermütze (Batschkapp) und offenbart seine geplante Vorgehensweise:
„Stephan schreibt das, was ich ihm sage, in den Computer und der übersetzt das dann alles auf ausländisch. Wenn das alles gedruckt ist, wird es an Ort und Stelle geklebt.“

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So kam es, wie es kommen musste. Bosnische Facharbeiter bezogen eine Wohnung in Deutschland, die voll gespickt war mit Hinweisen in slowenischer Sprache.
Zur allgemeinen Information: Bosnisch und Slowenisch eint exakt so viel wie Niederländisch und Deutsch.
Auf jeden Fall entpuppte es sich für die Neuankömmlinge, als wahre Überraschung zu erfahren, dass nach dem Toilettengang die Wasserspülung zu tätigen sei und die rote Markierung am Wasserhahn warm bedeutet.


(Das Video stammt von einem der Neuankömmlinge, der es sich nicht nehmen ließ, das Vorgefundene zu dokumentieren und anschließend an die "Zurückgebliebenen" in der bosnischen Heimat zu senden.)

Den ursprünglichen Artikel von ATV möchte ich euch nicht vorenthalten. Der kleine Ausflug ins Schlafzimmer von Heinz und Hilde müsst ihr euch ganz einfach als Einleitung hinein schustern. https://www.atvbl.rs/magazin/zanimljivosti/otisli-da-rade-u-njemacku-i-zatekli-detaljna-uputstva-koriscenja-toaleta-peskira-i-slicno-12-3-2023

Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass uns in solch alltäglichen Situationen eine gewisse Lockerheit – beginnend bei den Füßen bis hin zum Kopf – prima stehen würde!
Verkrampfungen, Überheblichkeit und Besserwisserei erzeugen schlechte Gedanken – so zumindest meine Erfahrung.

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