Ein Blick in das heute und Befürchtungen, was das morgen angehen
Ich kann es auf Anhieb wahrhaftig nicht sagen, wie viele Jahre ich in dieser Landschaft bereits sesshaft bin, sie durchwandere, immer wieder neu erkunde oder, insbesondere in den letzten Jahren, erschrocken die Veränderungen wahrnehme. Ich habe mir vorgenommen, euch an einem dieser Spaziergänge teilhaben zu lassen und dabei das eine oder andere Internum einfließen zu lassen. Nichts wirklich schlimmes, aber trotzdem, mit dem Potenzial zum nachdenklich werden.
I can't tell you right away how many years I've been settled in this landscape, walking through it, exploring it again and again or, but especially in the last few years, being startled by the changes.
I have resolved to share with you one of these walks, and along the journey I will drop in an internum – maybe or two. Nothing awful, but still, with the potential to become reflective.
Dies ist/war das Haus von Nikola Horvat. Hier verbrachte er seine Jugend, führte seine Frau in die Familie ein, litt unter ihrem viel zu frühen Tod und stand plötzlich allein mit fünf Kindern da, verzweifelte an den Symptomen der immer weiter voranschreitenden Krankheit und ging letztlich ganz ohne Beistand.
This is/was the family home of Nikola Horvat. He spent his youth here, introduced his wife to the family, then suffered her far too early death and suddenly found himself alone with five children, despairing of the symptoms of the ever-advancing disease, and finally going without guidance at all.
Vor circa 15 Jahren verwirklichte sich das Dorf einen Traum, indem wir alle zusammen von einer weit entfernten Quelle bis in jeden Haushalt eine funktionierende Wasserleitung verlegten. Bis zu jenem Zeitpunkt waren alle Bewohner auf das gesammelte Regenwasser angewiesen. Um das ganze Leitungssystem immer unter Kontrolle halten zu können, entschloss sich die Gemeinschaft, dass jeder pro verbrauchtem qm³ 1 Kuna (0,13 Cent) entrichten soll/muss. Als ich bei Nikola erstmals an der Tür klopfte, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass ein Blick auf die Wasseruhr ansteht, bekam ich exakt folgende Antwort: "Wenn du es wagst meine Wasseruhr abzulesen, dann hast du im nächsten Moment das Beil im Kopf." Das mag im ersten Moment schlimm klingen – war es jedoch nicht. Nikola erinnerte mich lediglich daran, dass Trotzki sich garantiert auch einen anderen Tod gewünscht hätte (falls man in der Angelegenheit überhaupt Wünsche äußern darf).
About 15 years ago, the village made a dream come true by laying a functioning water pipe from a spring far away to each household. Until then, all inhabitants had to rely on the collected rainwater.
In order to be able to keep the whole pipe system under control at all times, the community decided that everyone should/must pay 1 kuna (0.13 cents) per sqm³ used. When I first knocked on Nikola's door to make him aware of the fact that a look at the water meter was due, I got exactly the following answer: "If you dare to read my water meter, the next moment you will have the axe in your head."
This may sound bad at first - but it wasn't. Nikola only reminded me that Trotsky would definitely have wished for a different death (if someone is allowed to make wishes in this matter at all).
Das alles spielt schon längst keine Hauptrolle mehr in einem nie gedrehten Film. Nikola ist tot und seine Kinder leben an beliebiger Stelle verstreut in Europa. Das Haus steht leer und ich schaue es mir Tag für Tag an. Aus einem unbekannten Grund beschleicht mich das Gefühl, als klage das Haus um zu wenig Anerkennung. Der Anfang vom Ende.
None of this has played a leading role in a film that was never made. Nikola is dead and his children live scattered around Europe. The house is empty and I look at it day after day. For some unknown reason, I feel as if the house is complaining about not being recognised enough. The start of what will be the end.