Die ReZA – was die Pflicht-Weiterbildung für Ausbilder bedeutet

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Während hier bei uns gerade der zweite Tag der Eignungsfeststellung für unsere neue BVB-Gruppe läuft, sitze ich abends selbst wieder in einer Weiterbildung – als Lernender, nicht als Ausbilder. Genau darüber will ich heute schreiben: die ReZA, ohne die ich Gartenbau-Werker gar nicht ausbilden dürfte.


Was die ReZA überhaupt ist

ReZA steht für Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation – eine berufsbegleitende Weiterbildung für Ausbilder, die Menschen mit Handicap im Rahmen der beruflichen Rehabilitation ausbilden. Der Kurs umfasst rund 320 Stunden, verteilt auf mehrere Kompetenzfelder: Pädagogik & Didaktik, Medizin & Diagnostik, Psychologie, das System der beruflichen Rehabilitation, Recht, Arbeitswissenschaft und Praxistransfer. Die Sitzungen laufen über ein internes Lernmanagementsystem, dazu kommen Aufgaben, Fallarbeit und Gruppenübungen – seit März dieses Jahres begleitet mich das nun schon.


Keine Kür, sondern Pflicht

Wer nach § 66 BBiG bzw. § 42r HwO ausbildet – bei uns also die Ausbildung zum Gartenbau-Werker – muss die ReZA-Qualifikation nachweisen oder mit einer entsprechend qualifizierten Fachkraft zusammenarbeiten. Das ist keine freiwillige Fortbildung, die man sich aussucht, weil man Lust darauf hat, sondern eine gesetzliche Voraussetzung. Wer mehr zu den rechtlichen Hintergründen der Reha-Ausbildung und den beiden Ausbildungswegen wissen möchte, findet das in meinem Artikel dazu.


Was das konkret für den Alltag bedeutet

Auf dem Papier klingt „320 Stunden Zusatzqualifikation" erstmal trocken. Im Alltag merke ich aber ständig, wo das Gelernte tatsächlich ankommt:

Krankheitsbilder richtig einschätzen. Das Modul Medizin hilft mir, Beeinträchtigungen realistisch einzuordnen, statt aus dem Bauch heraus zu urteilen. Wenn jemand aus der Reihe tanzt, frage ich mir inzwischen eher „woran könnte das liegen" statt „warum macht die Person das nicht einfach richtig".

Sicherer Umgang mit psychischen Belastungen. Das Modul Psychologie vermittelt Interventionsstrategien, Deeskalation und Gesprächsführung – wichtig, wenn jemand gerade mit Ängsten oder einer belastenden Lebensphase kämpft. Genau das braucht es zum Beispiel schon beim Kennenlerngespräch, lange bevor die eigentliche Ausbildung überhaupt beginnt.

Rechtssicherheit. Das Modul Recht schafft Klarheit über Nachteilsausgleich, die Sonderregelungen von BBiG und Handwerksordnung sowie den Datenschutz bei Gesundheitsdaten – Dinge, bei denen man sich als Ausbilder besser nicht auf Vermutungen verlässt.

Zielgruppengerechtes Vermitteln. Das Modul Pädagogik & Didaktik zeigt, wie sich Lerninhalte für heterogene Gruppen mit ganz unterschiedlichen Lernvoraussetzungen aufbereiten lassen – von der Werkzeugkunde bis zu komplexeren Gewerken.

Fundierte Eignungsfeststellung. Das Modul Kompetenzfeststellung liefert Instrumente und ein strukturiertes Vorgehen, um die Fähigkeiten neuer Teilnehmer sachlich statt beliebig einzuschätzen – genau das, was gerade in diesen Tagen bei uns läuft.

Individuelle Förderplanung. Das Modul Förderplanung liefert das Handwerkszeug, um aus einer Einschätzung einen konkreten, überprüfbaren Plan zu machen, statt es bei einem guten Eindruck zu belassen.


Aktuell im Modul Vielfalt und Inklusion

Gerade behandeln wir ein neues Modul zu Inklusion, Chancengleichheit, heterogenen Gruppen und Diversity Management – mit einer Gruppenübung, in der wir typische Konfliktsituationen aus dem Arbeitsalltag durchgespielt haben: ein Teammitglied mit Schwierigkeiten, ein Mentor, ein Kritiker, ein Beobachter. So bekommt man ziemlich direkt vor Augen geführt, wie leicht sichtbares Problemverhalten falsch gedeutet wird, wenn man die eigentliche Ursache dahinter nicht kennt.


Wie immer: allgemein, nicht über Einzelpersonen

Auch hier gilt dieselbe Regel wie bei allem, was ich über meine Arbeit schreibe: Ich berichte über die Weiterbildung und ihre Inhalte, nicht über einzelne Teilnehmende. Keine Namen, keine erkennbaren Details – das bleibt hier draußen.


Mehr zum Nachlesen

Die komplette Modulübersicht der ReZA – alle sieben Kompetenzfelder im Detail – gibt es im Gartenwerker-Wiki im Artikel ReZA.


Fazit

320 Stunden Zusatzqualifikation sind kein Selbstzweck und auch keine Formalie zum Abhaken. Für mich ist die ReZA der Unterschied zwischen „ich bilde halt aus" und „ich verstehe, warum meine Teilnehmenden so reagieren, wie sie reagieren, und was ich konkret tun kann". Wer selbst mit dem Gedanken spielt, in die außerbetriebliche Berufsausbildung einzusteigen: Die ReZA gehört fest dazu – und ist es wert.


Dieser Artikel wurde von Gartenwerker erstellt. Danke fürs Lesen!

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