Die ReZA-Projektarbeit – wie ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe.
Vor ein paar Wochen habe ich hier über die ReZA geschrieben, die Pflicht-Weiterbildung, ohne die ich Gartenbau-Werker gar nicht ausbilden dürfte. Heute geht es um den Teil, vor dem vermutlich jeder in so einem Kurs am meisten Respekt hat: die schriftliche Projektarbeit am Ende. Die Rohfassung ist fertig, jetzt kommt das Überarbeiten, und die Abgabe steht Anfang November an. Ein guter Moment, um zurückzuschauen, wie das Ganze eigentlich abgelaufen ist.
Worum es in der Projektarbeit geht
Die Aufgabe klingt zunächst überschaubar: Man sucht sich einen Fall aus der eigenen Praxis, also einen Teilnehmenden aus der eigenen Maßnahme, und plant auf zehn Seiten, wie man ihn auf dem Weg zu seinem Ziel begleitet. Die Gliederung ist vorgegeben und besteht aus vier Teilen:
Vorstellung des Falls – die eigene Arbeit mit der Person, die reha- und behinderungsspezifischen Aspekte und ein Leistungsbild mit Stärken und Schwächen.
Projektplanung und Umsetzung zur Zielerreichung – Ressourcen der Maßnahme, unterstützende Rahmenbedingungen, eine Projektskizze mit zeitlichem Rahmen und eine konkrete Methode, begründet mit Inhalten aus den ReZA-Modulen.
Internes Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung – welche Vorgaben die Einrichtung macht und wie die Zielerreichung personenorientiert überprüft wird.
Netzwerkpartner und Fachdisziplinen – wer alles beteiligt ist, wie die Zusammenarbeit konkret aussieht und welche Partner noch sinnvoll wären.
Dazu kommen klare Formvorgaben: zehn DIN-A4-Seiten, Arial 11, anderthalbfacher Zeilenabstand, 2,5 cm Rand ringsum. Das klingt nach viel Platz, ist es aber nicht, wenn man vier Abschnitte sauber füllen will.
Mein Plan – und was daraus wurde
Bevor ich auch nur einen Satz geschrieben habe, habe ich mir einen Ablauf zurechtgelegt. Die Reihenfolge war mir wichtig, weil jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut:
Grundlagen klären. Fall auswählen, Aufgabenstellung und Formvorgaben genau lesen, eine Aufgabenliste mit Zwischenterminen anlegen. Das klingt banal, hat mir aber später viel Sucherei erspart.
Informationen sammeln. Ursprünglich wollte ich mit allen Beteiligten strukturierte Fragebögen durchgehen: Sozialdienst, Berufsbegleitung, Stützunterricht, Reha-Beratung und externe Unterstützer. Ganz ehrlich: In dieser Form hat das im laufenden Alltag nicht geklappt. Die Informationen kamen am Ende aus vielen kurzen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen und vor allem aus meiner eigenen Beobachtung in der Werkstatt und draußen auf der Fläche. Das ist kein Nachteil, solange man sauber trennt, was man selbst gesehen hat und was man nur vermutet.
Material sichten und grob gliedern. Hier habe ich meine Mitschriften aus den ReZA-Modulen danebengelegt und geschaut, welche Theorie eigentlich zu dem passt, was ich in der Praxis erlebe. Gleichzeitig habe ich mir eine grobe Seitenaufteilung überlegt: etwa zwei Seiten für den Fall, vier bis fünf für die Projektplanung, jeweils ein bis zwei für Qualitätsmanagement und Netzwerk.
Schreiben in der vorgegebenen Reihenfolge. Erst der Fall, weil alles andere darauf aufbaut. Dann der Schwerpunkt, die Projektplanung. Qualitätsmanagement und Netzwerkpartner gingen danach deutlich schneller, weil sie stärker beschreibend sind.
Der Schwerpunkt: die eigene Idee
In der Aufgabenstellung steht sinngemäß, dass beim zweiten Abschnitt besonders die Eigenleistung gefragt ist. Das habe ich ernst genommen. Es reicht nicht, einfach aufzuschreiben, was die Maßnahme ohnehin vorsieht. Man muss zeigen, was man selbst konkret tun würde, warum genau das und wann.
Am meisten Zeit hat mich die Projektskizze gekostet: ein zeitlicher Ablauf von der Aufnahme bis zur Zielerreichung, mit Phasen und Meilensteinen, mit Kompetenzfeststellung am Anfang und daraus abgeleiteten Feinzielen in der Förderplanung. Und dann die eine Methode, die man in den Mittelpunkt stellt. Die muss nicht originell sein, aber sie muss begründet sein: Welcher Modulinhalt aus Psychologie oder Pädagogik und Didaktik steckt dahinter, und warum passt sie gerade zu dieser Person und nicht zu irgendwem?
Genau an dieser Stelle hat mir die ReZA am meisten gebracht. Viele Dinge, die ich im Alltag aus Erfahrung schon mache, konnte ich zum ersten Mal sauber erklären und mit Theorie unterfüttern. Wer mehr zu den Methoden lesen möchte, findet einen Überblick im Wiki-Artikel Didaktische Methoden.
Meine Prüffragen beim Schreiben
Damit die Arbeit einen roten Faden behält, habe ich mir für jeden Abschnitt ein paar Kontrollfragen notiert und die Rohfassung am Ende dagegen geprüft. Vielleicht helfen sie auch anderen, die gerade vor so einer Arbeit sitzen:
Ist das Leistungsbild ausgewogen? Stärken und Schwächen, nicht nur das auffällige Verhalten.
Stützt sich jede Aussage auf Beobachtung und nicht auf Vermutung?
Ist meine eigene Idee erkennbar oder gebe ich nur die Maßnahme wieder?
Sind Ressourcen konkret benannt statt allgemein gehalten?
Hat die Projektskizze klare Zeitpunkte?
Nenne ich konkrete Qualitätsvorgaben der Einrichtung statt allgemeiner Floskeln über Qualität?
Wird die Zusammenarbeit im Netzwerk konkret? Wer, wie oft, in welcher Form.
Baut jeder Abschnitt auf dem vorherigen auf?
Ist der Datenschutz gewahrt? Namen abgekürzt oder anonymisiert, wie in der Einrichtung üblich.
Gerade die Frage nach dem roten Faden hat mich mehrmals zurück an den Anfang geschickt. Was ich im ersten Abschnitt über den Fall schreibe, muss sich in der Projektplanung wiederfinden, sonst stehen da zwei Texte nebeneinander, die nichts miteinander zu tun haben.
Zehn Seiten sind schneller voll, als man denkt
Eine kleine Erfahrung am Rande: Die Formvorgaben habe ich anfangs unterschätzt. Mit Arial 11 und anderthalbfachem Zeilenabstand ist man ruckzuck bei zwölf, dreizehn Seiten. Gekürzt habe ich vor allem dort, wo ich mich wiederholt habe, und Übersichten wie die Projektskizze in Tabellen gepackt. Das spart Platz und ist für die Leser ohnehin übersichtlicher.
Wie immer: allgemein, nicht über Einzelpersonen
Auch wenn die Projektarbeit sich um einen echten Fall dreht: Hier draußen bleibt er draußen. Ich schreibe über den Weg zur Arbeit, über Aufbau und Vorgehen, nicht über die Person, um die es darin geht. Keine Namen, keine Diagnosen, keine erkennbaren Details.
Mehr dazu im Gartenwerker-Wiki
Fazit
Die Projektarbeit ist weniger eine Schreibübung als eine Denkübung. Man muss den eigenen Alltag einmal komplett auseinandernehmen: Was weiß ich wirklich über die Person, was mache ich mit ihr, warum gerade so, und wer arbeitet eigentlich alles mit daran? Das war anstrengend, aber auch lohnend, weil vieles, was im Alltag aus dem Bauch heraus passiert, jetzt einen Plan und eine Begründung hat. Jetzt heißt es noch überarbeiten, Korrektur lesen und pünktlich abgeben. Ich berichte, wie es ausgegangen ist.
Dieser Artikel wurde von Gartenwerker erstellt. Danke fürs Lesen!