Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Ob diese Geste wirklich stattfand, ist historisch umstritten - sicher ist, dass seine Schriften die westliche Christenheit für immer spalteten.
Ein Gewitter auf dem Weg nach Erfurt veranlasste Luther 1505, ins Augustinerkloster einzutreten. Als Theologieprofessor in Wittenberg rang er mit der Frage: Wie kann ein sündiger Mensch vor Gott bestehen? Seine Antwort - Rettung allein durch den Glauben, nicht durch Werke oder Sakramente - wurde zum Kern der Reformation.
Der Dominikanerprediger Johann Tetzel verkaufte Ablassbriefe, die Sündenstrafen erließen - Einnahmen für den Petersdom in Rom. Luther empfand dies als Skandal. Seine 95 Thesen, ursprünglich als akademische Einladung gedacht, verbreiteten sich dank der Drucktechnik binnen Wochen durch ganz Deutschland.
1521 wurde Luther exkommuniziert. Auf dem Reichstag zu Worms weigerte er sich, seine Schriften zu widerrufen. Kurfürst Friedrich der Weise rettete ihn auf der Wartburg - wo Luther das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche übersetzte und damit die deutsche Sprache nachhaltig prägte.
Die Reformation spaltete die Christenheit dauerhaft. Die religiösen Konflikte mündeten im Dreißigjährigen Krieg und endeten mit dem Westfälischen Frieden 1648. Luthers Betonung des individuellen Gewissens legte geistige Grundlagen für Aufklärung und Demokratie.
Martin Luther wollte die Kirche reformieren, nicht spalten - und löste dennoch eine Revolution aus, die Europa für Jahrhunderte prägte.
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