Impfen war gestern – heute wird gechippt.

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Die Erläuterung zum Titel.
Es kommt ein Beitrag von stayoutofherz@stayoutofherz um die Ecke geschneit und prompt gerät meine satirische Recherche über die unaufhaltsame Verbreitung der Vogelgrippe ins Stocken. Macht nichts – Hauptsache, der nahezu vollkommene Wahnsinn bleibt angesagt.

Ob nun von Vorteil oder Nachteil im Anhang der Reaktionen auf den o. g. Beitrag erscheinend, kann jeder (wie eigentlich immer) für sich selbst entscheiden. Tatsache ist jedenfalls, dass mir vereinzelte Stellen meines noch nicht eingetrübten Verstandes am gestrigen, sehr frühen Morgen signalisierten, nachdem ich den Beitrag verinnerlicht hatte, es wäre wohl besser, sich zuerst um alle meine hungrigen Vierbeiner zu kümmern und danach, also irgendwann später, der versponnen Gedankenwelt Auslauf zu gewähren.

Ich machte mich jedenfalls vorgestern auf, um bei der Ortspolizeibehörde das entgegenzunehmen, was mich fortan bis zum Tisch der endlichen Zerstückelung (Körperübereignung an die Wissenschaft) nach meinem Ableben innigst begleiten wird: mein kostenloser Grundsatz-Chip!

Jetzt sage mal noch einer, der Staat hielte nicht für seine Bürger individuelle Geschenke parat.

Zwar hatte ich mir die Übergabe des „digitalen Hilfsarbeiters“ weitaus festlicher vorgestellt (in etwa mit gegrillten Rippchen, Mettwürsten und Schweinenacken), doch als ich die Tante am Übergabeschalter erblickte, war ich regelrecht erleichtert, das Prozedere ohne übertriebenes Tamtam hinter mich bringen zu können. Schlecht gelaunte Erzengel im Auftrag eines fürsorglichen Staates – kein wirklich guter Start in eine verheißungsvolle, gechippte Zukunft.
Auch ohne die geräucherte Schweinerippe blieben Fragen meinerseits offen.

Kurz, sachbezogen und in der Artikulierung dem üblichen Standard angepasst.
„Was veranstalte ich nun anschließend mit dem Teil?“
Alle Anzeichen einer nicht nachvollziehbaren Überheblichkeit, doch, da im Imperativ beheimatet, der Amts-üblich der Dialog mit dem Bürger.
„Na was schon, implantieren lassen.“
Da, im Laufe der Jahre bereits auf Abstumpfung programmiert, bleibt der spontane Schlag auf die untere Kinnleiste aus und meine Frage konzentrierte sich auf das Wesentliche.
„Und wo und von wem?“
„Tierarzt oder Hausarzt – Sie haben die freie Wahl.“

Spontan und lockerst aus der Hüfte heraus angedacht, verlagerten sich meine Sympathien in Richtung Veterinärmediziner, da ich den Mann weitaus besser als das Rundum-Talent hinsichtlich der Humanmedizin kenne. Zudem durfte ich den Kuh- und Schweine-Flüsterer bereits mehrfach dabei beobachten, wie er bestens temperiertes Sperma meiner Kuh Roswitha in die Gebärmutter transportierte. Eine ähnlich schmerzfreie Prozedur, wie das Einsetzen des Chips, den mein Hund durch die Landschaft trägt oder das Anbringen der Ohrmarke.

Was meinen Hausarzt angeht, hegte ich erhebliche Zweifel, da ich zum einen bereits seit mindestens zwei Jahren darauf warte, dass der alte, leicht senile Schlotterheini endgültig das Stethoskop an den Nagel hängt und ich andererseits nie von ihm wirklich geheilt wurde, sondern mit einem Zettel in der Hand zu einem seiner Kollegen abgeschoben wurde. Unter diesen Vorzeichen war nicht vollkommen auszuschließen, dass ich letztlich nicht doch beim Tierarzt lande.

Doch zurück an den „Bürgerschalter“ auf dem Einwohnermeldeamt.

Zwar, dank des kurzen Berichtes im wöchentlich erscheinenden Gemeindeblatt, das mich ganz nebenbei auch darüber informiert, wer in unserem Kaff geboren, gestorben oder im Hafen der Ehe untergekommen ist, um wie viel Uhr der Gottesdienst beginnt und wann jemand seinen Chip abholen kann, lagerte ein überschaubares Grundwissen über die Funktionalität dieses SIM-Karten ähnlichen Teils in mir. Einige Punkte jedoch gierten nach detaillierteren Informationen. Unter anderem die Frage:

„An welcher Stelle wird das Ding überhaupt untergebracht und was ist und wird darauf abgespeichert?“
Wie aus der Pistole geschossen (wohl dem Fakt zuzuschreiben, diese Fragen x-mal beantwortet zu haben) kam die Antwort über den Tresen.
„Ich würde es mir in die rechte oder linke Arschbacke schießen lassen. Zumindest wurde mir gesagt, dass es an der Stelle am wenigsten schmerzt und stört. Und was den Inhalt betrifft, haben wir all das draufgeladen, was bei uns an Daten über Sie lungert. Wenn Ihnen also der Führerschein entzogen werden sollte, wird der von den Beamten, denen Sie ins Netz gefahren sind, augenblicklich vom Chip gelöscht. Dazu kommen noch die Daten von der Krankenkasse und von der medizinischen Versorgung.“

Eine Speicherkarte am Hintern? Wie sollte ich mir das vorstellen? Egal, wenn etwas zukünftig vorfällt und speicherfähig erscheint, lasse ich die Hose runter und platziere mich auf einen Scanner? Das mit der Arschbacke sollte von meiner Seite noch einmal in Ruhe überdacht werden.
„Weshalb geht es nicht am Unterarm? Das wäre doch viel praktischer?“
„Die Körperteile sind reserviert für den Chip mit den Daten von der Bank und vom Finanzamt.“
Jene Antwort verursachte eine nicht unwesentliche Instabilität in allen Gelenken, welche meinen Beinen zugeordnen werden können.
„Wie jetzt – da kommen noch mehr von den Dingern dazu? Ich ging fest davon aus, dass es mit dem einen getan ist? Die Sparkasse kann doch ohne Weiteres mein Girokonto von meinem Hintern aus verwalten.“
„Dann würden sofort alle Datenschützer Amok laufen. Die haben schon so ständig was zu nörgeln. Aber mit dem einen oder anderen Chip müssen Sie noch rechnen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“
Nun wäre es eigentlich an der Zeit gewesen, eine stabile Sitzhilfe anzufordern. Ich tat es dennoch nicht, da mich augenblicklich Bilder von einer Speicherkarte am Allerwertesten heimsuchten und ich nicht sicher sein konnte, dass der Stuhl bereits als Scanner genutzt wird.
„Wer, um Himmels willen, will sich denn noch bei mir einnisten?“
„Wie es augenblicklich aussieht, im Grunde genommen niemand. Das andere werden alles Service-Chips. Der für den fließenden Gedankenaustausch (wobei hier unterschiedliche Speicherkapazitäten zur Verfügung stehen) landet unter der Kopfhaut und der für den Gefühlsaustausch findet seinen Platz unter der Vorhaut oder knapp oberhalb der Klitoris.“
„Und warum nicht neben das Herz, wo er eigentlich hingehört?“
„Zu groß die Gefahr für Kurzschlussreaktionen mit eventuell tragischem Ausgang. Dort unten sind die Dinger gut aufgehoben, da sie nur gelegentlich und meist zeitlich stark begrenzt zum Einsatz kommen.“

Jetzt war ich in dem kritischen Stadium angelangt, an dem normalerweise mit dem Verfassen des Testaments begonnen wird. Ich bin nämlich beschnitten.

Impfen war gestern – heute wird gechippt. | Ecency