Im Vatikan bewacht eine Truppe von etwa 130 Männern in Renaissance-Uniformen den Papst. Die Schweizer Garde ist die älteste aktive Armee der Welt – und ihre Geschichte beginnt mit einer Katastrophe.
Im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit galten Schweizer Soldaten als die besten Infanteristen Europas. Ihre Pikeniere und Hellebardiere hatten in Schlachten wie Morgarten (1315) und Murten (1476) überlegene Feinde besiegt. "Kein Geld, kein Schweizer" war ein geflügeltes Wort – Schweizer Söldner waren teuer, aber zuverlässig.
Viele Kantone wurden durch das Söldnerwesen wohlhabend. Der Export von Männern war ein bedeutender Wirtschaftszweig. Schweizer dienten in den Armeen Frankreichs, Spaniens, des Papsttums und vieler anderer Mächte.
1506 stellte Papst Julius II. eine Truppe von 150 Schweizer Söldnern auf – die Geburtsstunde der Päpstlichen Schweizer Garde. Der Dienst im Vatikan war für viele Schweizer eine Chance auf Einkommen und Erfahrung.
Ihr Feuertauf war der 6. Mai 1527 – der Sacco di Roma, die Plünderung Roms durch Truppen Kaiser Karls V. 147 Gardisten starben beim Versuch, Papst Clemens VII. zu schützen. 42 überlebten und ermöglichten dem Papst die Flucht durch den Passetto di Borgo in die Engelsburg. Dieser Tag – der 6. Mai – ist bis heute der offizielle Vereidigungstag neuer Gardisten.
Die Garde ist keine Touristenattraktion, sondern eine echte Sicherheitstruppe mit modernen Waffen hinter der historischen Uniform. Mitglieder müssen Schweizer Staatsbürger sein, katholisch, männlich, ledig und zwischen 19 und 30 Jahren. Mindestens eine Ausbildung bei der Schweizer Armee ist Voraussetzung.
Die ikonischen Uniformen – Streifen in Blau, Gelb und Rot – wurden nicht, wie oft behauptet, von Michelangelo entworfen, sondern stammen in ihrer heutigen Form aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Die Schweizer Garde ist ein lebendiges Stück Geschichte: Symbol der Kontinuität des Papsttums, Erbe des Schweizer Söldnerwesens und Beweis dafür, dass Traditionen überleben, wenn sie gepflegt werden.
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