Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert veränderte sich die ethnische und politische Landkarte Europas fundamental. Was Schulbücher als Untergang des Römischen Reiches beschreiben, war ein komplexes Geflecht aus Migration, Assimilation und politischer Neuordnung.
Klimatische Veränderungen reduzierten die Weidegründe in Zentralasien. Der Druck der Hunnen aus den Steppen versetzte die germanischen Völker westlich des Schwarzen Meeres in Bewegung. Die Hunnen selbst drangen unter Attila bis tief nach Westeuropa vor. Sein Tod 453 löste sein Reich auf.
Westgoten gründeten Reiche in Südfrankreich und Spanien. Ostgoten übernahmen unter Theoderich die Herrschaft über Italien. Vandalen plünderten 455 Rom. Franken, Burgunden und Alamannen teilten Gallien. Angeln und Sachsen überquerten die Nordsee und wurden zu den Angelsachsen Britanniens.
Das Weströmische Reich endete formal 476. Doch der Prozess war kein Bruch – es war eine Transformation. Germanische Könige übernahmen römische Verwaltungsstrukturen, sprachen oft Latein und bekannten sich zum Christentum.
Die romanischen Sprachen entstanden aus dem Vulgärlatein, das nur moderat von germanischen Elementen beeinflusst wurde.
Die Völkerwanderung war kein Untergang, sondern eine der größten ethnischen Umformungen Europas – das Fundament, auf dem das mittelalterliche Europa entstand.
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