Das Gewitter -Originale Kurzgeschichte

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Den Regenbogen hatte eine heranrauschende Gewitterwolke verschluckt. Die Sonne hatte sich verdunkelt und für einen kurzen Moment hielten sich die Kinder unwillkürlich geängstigt an den Händen. Als die ersten Regentropfen auf die ausgedorrte Wiese herabprasselten stoben die vier Freunde auseinander und rannten unter lauten Rufen den kleinen Hügel hinauf. Sie ahnten, dass sie von dort einen guten Blick auf das nahende Naturschauspiel haben würden. Delia, die mit ihren 7 Jahren die Jüngste und Kleinste der vier war erreichte ihren Treffpunkt als letzte. Die anderen hatten es sich bereits mit ausgestreckten Beinen unter dem alten Kirschbaum bequem gemacht. Die Früchte des Baumes hatten die Kinder bereits vor Wochen aufgenascht. Ein paar schwarz gewordene Überreste, die nicht einmal den Vögeln gemundet hatten hingen vereinzelt im Geäst. Delia kletterte auf einen der herabhängenden Äste und ließ ihre Beine baumeln.
Da sahen sie, wie in der Ferne der ersten Blitz herabfuhr und Silja klatschte übermütig in die Hände. Der Donner grollte kurze Zeit später und wurde durch das vielfache Echo der Berge noch verstärkt. Silja war 9 Jahre alt und die Älteste der Gruppe. Sie liebte Gewitter und starke Regengüsse, Hagel und Schnee. Im Grunde genommen liebte sie jedes Wetter, dass Erwachsenen Ungemach verursachte. Nicht weil es den anderen nicht gefiel, sondern weil sie deren Abneigung mit einem gewissen Hochmut betrachtete und sie schwächlich oder kleinlich wähnte. Sie selbst hingegen wollte mutig sein und freute sich über jede Gelegenheit diesen Mut zur Schau zu tragen.
Robert zündete dich eine Zigarette an. Auch er wollte etwas zur Schau tragen. Im Gegensatz zu Silja, die zwei Wochen älter war als er, ahmte er gerne das Verhalten der Erwachsenen nach. Heute hatte er sich wie so oft an den Zigaretten seeiner Mutter bedient. Die Gewohnheit der Erwachsenen drinnen vor dem Fernseher zu sitzen, wenn draußen die wilden Winde tobten verstand er zwar auch nicht, aber er trug seine Regenjacke mit dem stolzen Bewusstsein umsichtig zu handeln. Ein zweiter Blitz zuckte durch die Wolken und schlug irgendwo auf der anderen Seite des Tales in einen Stormmasten oder eine Straßenlaterne oder irgendein anderes menschengemachtes Objekt dieser Art ein. Wieder grollte der Donner, wieder hallte das Echo. Robert fragte Daniel: "Hast du Anst?"
Daniel war der kleine Bruder von Robert und acht Jahre alt. "Glaubst du, die Lehrer werden daheim anrufen und sagen, dass wir nicht in den Unterricht gekommen sind?" Die Eltern von Daniel und Robert schlugen die beiden nicht, aber sie wussten es doch mit Worten so zu strafen, dass der jüngere bei der Vorstellung Rüge von den Eltern zu bekommen bebte. Robert machte einen Rauchring und bließ ihn von sich. Dann nahm er seinen Bruder in den Arm und sagte: "Keine Sorge, es passiert schon nichts. Außerdem, wann haben wir sonst mal die Gelegenheit so etwas zu sehen?" Die letzten Worte wurden von einem Blitzschlag mit darauffolgenden Donner verschluckt. Das Gewitter kam näher. Delia sagte: "Ich glaube heute machen die, die Schule vielleicht früher zu, bei diesem Wetter!" "Bei diesem Wetter!" sagte Silja. "Oh nein, hör auf damit, mach das nicht!" rief Delia und sprang wütend von dem Ast herab um sich vor Silja aufzubaueen. "Oh nein, hör auf damit, mach das nicht!" wiederholte Silja. Delia wollte sie attakieren und schlug sie mit ihren kleinen Fäustchen gegen die Arme und die Brust. "Hör auf damit." brüllte sie dabei wütend und "Ich mag das nicht!". Silja wiederholte die Worte und lachte dabei. In Delias Augen stand die Angst.
Ein Blitz erleuchtete die Szene und der Regen verstärkte sich deutlich. Zuvor waren nur hie und da ein paar Tropfen herabgefallen. Nun prasselte der Regen so vehement herab, dass sogar Roberts Zigarette von einem großen Tropfen ausgelöscht wurde. "Scheiße, meine Kippe!" brüllte er und warf die Zigarette wütend ins Gras. Die anderen Kinder starrten ihn an. Sein frustrierter Tonfall hatte ihn wirklich viel erwachsener wirken lassen, als er war. Er merkte es und setzte ein seriöses Gesicht auf. Dann nahm er Delia in den Arm und sagte ihr: "Lass dich doch einfach nicht ärgern. Sie spielt doch nur so ein doofes Spiel. Lasst uns zu uns nach Hause gehen, der Regen wird stärker und bei diesen Blitzen ist es nicht gut unter einem Baum zu sitzen!" "Du hast doch nur Angst!" sagte Silja, die seine Solidarität mit der kleinen Delia erzürnt hatte. War es denn kein Spaß gewesen der Kleinen ein bisschen nachzuäffen? Musste sie nicht selbst lernen sich zu wehren, nicht mit ihren kleinen lächerlichen Fäustchen, sondern mit Worten und Mut?
"Ich möchte auch nach Hause! Mir ist kalt." sagte Daniel. "Also gehen wir." erwiederte Delia und sprach damit das Entscheidungswort. Silja grummelte leise: "Also gehen wir!", aber die anderen, die bereits den Hügel hinabeilten hörten es nicht mehr.

Ich hoffe euch hat diese Kurzgeschichte, die ich gerade eben geschrieben habe, gefallen. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag.

English translation

Viel Licht und Liebe <3

Das Gewitter -Originale Kurzgeschichte | Ecency