Eine Hausdurchsuchung im Kanzleramt ist ein Novum in der Zweiten Republik – Berichte über eine undurchsichtige Inseratenpraxis eines Kanzlers hingegen nicht. Zwei Jahre lang zog sich die Affäre um den ehemaligen Verkehrsminister und späteren Bundeskanzler Werner Faymann, als es um Millionenbeträge ging, die aus der Hand staats- und parteinaher Infrastrukturbetriebe an die großen Boulevardmedien des Landes flossen.
„Fürs Inserat gibts ein Gegengeschäft“, sagte ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka im Dezember. Seit dem Kurz-Auftritt in der ZiB2 vor einer Woche weiß jedes Kind, welches: Wohlfeile Berichterstattung. Eigentlich wissen sie’s ja selber – oder wie ein „Krone“-Kolumnist über die Gratiszeitung „Heute“ einst sagte: „Wenn bei einer Zeitung 30 % des Umsatzes oder der Großteil des Gewinns aus öffentlichen Geldern stammt, kann es keine konsequent unabhängige Berichterstattung mehr geben.“ Das Gesamtvolumen war schon 2016 – dem Jahr, aus dem die Vorwürfe gegen Kurz stammen, riesig: 179 Mio. Euro an Regierungsinseraten regnete es für die großen Medien.
Aber eine Krähe hackt der andern kein Auge aus: Das Thema kommt nur hoch, wenn sie sich Pfründe neiden. Die „OÖN“, die im 2. Quartal 2021 von über 50 öffentlichen Stellen profitierten und schon 2018 über 3 Mio. Euro an Steuergeld erhielten, schimpften im Vorjahr über das Inseratenvolumen für den Boulevard. Selbst dort herrscht die Neiddebatte: Am Freitag versuchte sich „Österreich“ damit zu rechtfertigen, dass man im Vorjahr „nur“ 12,8 Mio. Euro an Inseraten aus öffentlicher Hand bekommen hätte, während es bei der „Krone“ 18,4 Mio. Euro spielte. Detail am Rande: 2016 waren es 14,1 Mio. Euro – und die fraglichen türkisen Schaltungen wanderten über den Tisch von Kurz-Freundin Susanne Thier. Wusste sie etwas?
In der österreichischen Medienlandschaft gibt es bis auf den „Wochenblick“ fast keinen wirklichen Widerstand. In den vergangenen Wochen und Monaten erreichten zahlreiche Leserbriefe die „Wochenblick“-Redaktion und zeigen, dass der „Wochenblick“ mit seiner Berichterstattung einen krisensicheren Kurs fährt. Dennoch übt die Regierung einerseits mit ihren Maßnahmen großen wirtschaftlichen Druck aus – und überschüttet andererseits ihr ergebene Medien mit Geld, um die demokratische Meinungsbildung zu ihren Gunsten zu verzerren.
Kritische Medien wie der „Wochenblick“ sind den Mächtigen hingegen ein Dorn im Auge, weil wir es als unseren Auftrag sehen, das Informationsbedürfnis der Bevölkerung mit verlässlichen Informationen zu stillen, indem wir schreiben, was andere verschweigen. Damit wir in diesem wichtigen Kampf um die Wahrheit wettbewerbsfähig bleiben können, bauen wir vor allem auf die Unterstützung unserer Leser. WIR sind auf IHRE Hilfe angewiesen! Empfehlen Sie uns ihren Freunden, Verwandten und Bekannten.
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