Liebe Leser und Naturfreunde,
bei meinen Spaziergängen in den letzten Monaten sind mir doch so einige Pilze untergekommen, mehr als gedacht angesichts des bei uns extrem trockenen Sommers. Erst in den letzten zwei Wochen hat es etwas mehr geregnet, was sich recht schnell auf die Pilzfunde ausgewirkt hat. Bevor aber die Pilzsaison richtig startet, hier eine Auswahl der bisherigen Funde.
Bei den meisten davon bin ich mir bei der Bestimmung recht sicher (dank zweier Bestimmungs-Apps und https://www.inaturalist.org/ ), aber Garantie gibt es natürlich keine!
Ich beschränke mich heute auf Baumpilze, also Pilze, die auf bzw. im (Tot)Holz wachsen, daher werden sie auch Xylobionten genannt. Einige davon sind gefürchtete Schädlinge (z.B. der Hallimasch), daher sind sie bei Förstern nicht allzu beliebt. Andere sind als Vitalpilze bekannt (z.B. der Austern-Seitling), allen ist aber gemein, dass sie imstande sind, Holz zu zersetzen. Ohne diese "Erfindung" der Pilze vor ca. 290 Mio. Jahren würden wir heute auf zig-meterhohen Stapeln alter Baumstämme gehen statt auf weichem Waldboden :) Und die fossilen Lagerstätten, die uns Gas und Öl liefern, wären wesentlich größer (denn sie stammen aus der Zeit, als Pilze noch nicht Lignin abbauen konnten)!
Man kann die Baumpilze grundsätzlich in Braunfäule und Weißfäule erzeugende Pilze einteilen.
Bei der Braunfäule (z.B. beim Birkenporling oder Schwefelporling) werden alle Baumbestandteile ausser Lignin zersetzt, das macht 80% der Masse aus. Das Holz trocknet aus und zerfällt bzw. zerbröselt zu braunen Würfeln.
Die Pilze, die Weißfäule verursachen (z.B. Zunderschwamm), können auch Lignin abbauen, also mit Zellulose und den anderen Bestandteilen insg. 100% der Masse. Das Holz verfärbt sich weiß und trocknet nicht aus.
Alle Fotos stammen aus dem Wienerwald.
Ein bei uns eher seltener Kiefern-Braunporling, da er vor allem an Wurzeln von Nadelgehölz parasitiert, was im Wienerwald recht selten ist (ab und zu eine Kiefer, aber z.B. keine Fichten).
Mit Farbstoffen aus dem Pilz, der auf lateinisch auch den witzigen Namen Phaeolus schweinitzii hat, können Naturfasern wie Wolle oder Seide gelbbraun oder braun gefärbt werden.
Ein typischer, sehr häufiger Baumpilz ist die Violettrandige Tramete.
Ein Judasohr, noch sehr jung, an einem Baumstumpf.
Eine Woche später ist er schon ein Stückchen gewachsen.
Ein (vermutlich) Waben-Stielporling, auch Bienenwaben-Porling genannt, wächst aus einem kleinen Zweig.
Jemand hat ein Stück abgebissen - ich war´s nicht.
Älteres Exemplar(?).
Ein Glücksfund eines (vermutlich) Austern-Seitling an einer toten Buche. Den sieht man in freier Wildbahn eher im Winter. Im Sommer kann man ihn mit dem Lungen-Seitling verwechseln. Beides sind exzellente Speisepilze. Aber ich lasse grundsätzlich alles, was ich im Wald finde, an Ort und Stelle und fotografiere nur. Den hier könnte man bedenkenlos ernten und hätte mehr als genug für eine leckere und gesunde Mahlzeit!
Ein Laubholz-Knäueling?
Zwei junge Birkenporlinge, links an Totholz und rechts an einer noch lebenden Birke.
Ein prächtiges Exemplar eines Schwefelporlings.
Während er in anderen Ländern als Delikatesse gilt, hat der Schwefelporling bei uns keine große Bedeutung als Speisepilz. Früher wurde er auch als Heilpilz verwendet, er enthält interessante antioxidative und antitumorale Wirkstoffe.
Bei diesem hier wird klar, warum er im Englischen auch heisst "chicken-of-the-woods", er soll gegart sogar nach Hühnchen schmecken!
Sowohl der Birkenporling als auch der Schwefelporling bilden nur "einjährige" Fruchtkörper (die in Wirklichkeit oft nur wenige Monate bestehen), während viele andere Baumpilze mehrjährige Fruchtkörper ausbilden...
...wie zum Beispiel der Zunderschwamm, hier ein junges Exemplar.
Hier ein mehrere Jahre alter Zunderschwamm, schon gewachsen an dem Baum, als er noch stand. Nachdem er gefällt wurde, hat sich das Wachstum der jüngsten Schicht um 90 Grad gedreht, damit die Sporenseite weiter nach unten zeigt (und so vor Wasser geschützt ist), Geotropismus genannt. Rechts hinten ein weiteres Exemplar, erst gewachsen, als der Baum schon liegend war.
Die Fruchtkörper vom Schuppigen Stielporling (oder Schuppiger Porling) könnenen wie hier relativ groß werden.
Hier ein noch junges Exemplar.
Der Getigerte Sägeblättling ist wärmeliebend und mag an sich Auwälder.
Relativ ungewöhnlich ist die Form dieser Buckel-Tramete
Wie auch andere Trameten gilt sie als Vitalpilz.
Ich finde die Vielgestaltigkeit von Pilzen immer wieder verblüffend! Demnächst dann wieder mehr von isoliert stehenden Pilzen (viele sind aber unterirdisch auch mit Bäumen vernetzt und in Symbiose stehend).
Disclaimer:
All pics by @stayoutoftherz
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