Der Mitfahrer
Ein Mann sitzt im Bus auf dem Platz rechts hinter der Vordertür. Zunächst fällt er mir kaum auf. Er sieht aus wie ein etwas schluffiger Bahnmitarbeiter, einer, der schon viele Stunden hinter sich hat und es nicht mehr eilig hat.
Dann bemerke ich, dass er jedes Mal, wenn der Bus an einer Haltestelle die Vordertür schließt, mit der Hand nachhilft. Die Tür schließt nicht richtig, und er kennt offenbar den kleinen Handgriff, der nötig ist, damit sie ins Schloss fällt.
Erst jetzt fällt mir auf, dass am Steuer gar kein Mann sitzt, sondern eine Frau. An der Endhaltestelle steigen beide vorne aus und rauchen zusammen eine Zigarette. Eine Pause.
Und plötzlich denke ich, dass die beiden vielleicht ein Paar sind. Eines von der stillen, unspektakulären Sorte. Er hat an diesem Sonntag selbst nicht zu arbeiten und fährt einfach mit, weil sie Dienst hat. Als Begleiter. Vielleicht aus Sorge, weil sie allein im Bus unterwegs ist. Vielleicht auch nur, damit sie nicht den ganzen Tag allein ist. Oder weil er selbst nichts Besseres vorhat.
Ich weiß es natürlich nicht. Vielleicht ist alles ganz anders. Aber der Gedanke gefällt mir. Diese kleine Selbstverständlichkeit, mit der er neben ihr herfährt, die Tür schließt, mit ihr raucht. Keine große Geste, kein Aufheben, keine Erklärung. Ich finde das sympathisch. Nett sogar. Solche Dinge gibt es wohl immer noch. Man braucht nur hinsehen.