Bevor sich der Tag seinem Ende nähert.

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Teil 2 über die Geschehnisse auf dem hügeligen Land.

Wo waren wir stehen geblieben?
Was du nicht selbst hinbekommst, erledigt sich nicht von allein.

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Spätestens mit dem Blick auf dieses Foto ist jedem klar, weshalb es auch auf dem hügeligen Land nicht ohne Brennholz geht.

Der Nachbarschaftshilfe wird zwar ein recht hoher Stellenwert beigemessen, doch nimmt die erst ihren Anfang, nachdem der Nachbar seinen eigenen Stall (in jeglicher Hinsicht) gesäubert hat. Ausnahmen dürfen lediglich bei absoluten Notfällen erwartet werden, zu denen der Krankentransport, die Reanimation des Zweibeiners oder die unbändige Neugierde gehören. Einen Nagel in die Wand schlagen – dafür reicht dir niemand den Hammer. Aber, was hervorragend funktioniert, ist der Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Während ich den Papierkram mit den Ämtern und Behörden übernehme, bekomme ich die tatkräftige Hilfe im Wald, wenn es darum geht, das Brennholz für den Winter zu schlagen. Da in unserem Stall kein Schwein (keine Sau) im November oder Dezember um sein viel zu kurzes Leben schreit, weil der unbarmherzige Mann mit dem Schussapparat sich nähert, ich aber Schweineschmalz in meiner Küche nicht verpöhne, erhalte ich den Speck der armen Sau und liefere als Entschädigung (Ausgleich) im Frühling den Spargel.

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Der Warentausch und die Selbstversorgung rücken hier, auf dem hügeligen Land, ganz eng zusammen. Wäre dem nicht so, verbrächte ich erheblich mehr Zeit im fahrbaren Untersatz, um mich im 26km entfernten Supermarkt mit dem Nötigsten zu versorgen. So aber, ertrage ich diese Tortur nur einmal im Monat. Ansonsten existiert aber auch noch diese kleine Gemeinde (lediglich 6km entfernt), in der nicht nur die medizinische Versorgung ihre Dienste anbietet, sondern auch noch ein Tante-Emma-Laden, drei nahe beieinanderliegende Kneipen und (ganz, ganz wichtig) der Eisenwarenhändler zu finden sind. Letztgenannter, bei dem ich nicht nur jede Schraube einzeln kaufen kann, sondern zudem mit allen Neuigkeiten versorgt werde, die mich ansonsten nie oder mit einiger Verspätung erreichen würden, ist der mit Abstand meistfrequentierte Laden.

Was die täglichen Arbeiten vor der Haustür angeht, unterscheiden sie sich logischerweise mit dem Einzug der jeweiligen Jahreszeit. Während im Sommer der Weinkeller eher selten aufgesucht wird, da in dieser Zeit lediglich der vergorene Rebensaft gefiltert und umgefasst und dem Apfelwein die Essigmutter beigegeben wird, um zu einem späteren Zeitpunkt auf cirka 60 bis 80 Liter Apfelessig zurückgreifen zu können (übrigens ein beliebtes Produkt zum Tausch mit Honig), beginnt ab Mitte August die rege Betriebsamkeit in diesen Räumen. Die Edelstahlfässer werden in Position gebracht, die Holzfässer gewässert, die Fruchtpresse im Boden verankert und die Rebenmühle auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Denn, wenn es Anfang September an die Lese geht, muss der „Laden“ pickobello dastehen. Sollte der Motor der Mühle nämlich in diesen Tagen den Geist aufgeben, wäre nicht nur Hektik angesagt, sondern auch die volle Muskelkraft, da die Mühle von Hand betrieben werden müsste.

Der Herbst steht somit rundum im Zeichen der Ernten. Trauben, Äpfel, Birnen, Quitten, Wal- und Haselnüsse und (wenn es die Zeit erlaubt) gesellen sich noch Pilze und Kastanien hinzu. Ganz nebenbei sollten dann auch noch die Gartenfrüchte für die Monate danach haltbar gemacht werden. Einsäuern, einkochen, einfrieren, trocknen und vakuumieren. Vielfältig sind die Möglichkeiten – und alle kommen hinsichtlich der Eigenversorgung zur Anwendung. Im November sollte die Vorratskammer gefüllt sein. Bevor es, wenn die Blätter aus den Baumkronen verschwunden sind, mit der Motorsäge in den Wald geht, werden noch die Beete für das kommende Jahr vorbereitet. Knoblauch, Steckzwiebeln, Spinat- und Feldsalatsamen verschwinden in der Erde, bevor alles mit Stroh und Laub winterfest abgedeckt wird.

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Unverzichtbar im Alltag: die Zentrifuge (Trennung Milch von Sahne), die Getreidemühle, das Butterglas, Edelstahlfässer, die Obstpresse und die Glasballonflaschen zur Apfelsaftgärung.

Das Fällen und Spalten der Buchen- und Eichenstämme in den Wintermonaten gehört wahrlich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Jahr für Jahr gilt mein Dank allen verfügbaren guten Geistern, wenn die gespaltenen, auf 1 Meter Länge geschnittenen Hölzer auf den Hängern der Traktoren den Wald in Richtung unseres Zuhauses verlassen. Es vergeht nämlich kein Jahr, in dem nicht ein umfallender Stamm entweder (zum Glück) lediglich einen Traktor zweiteilt oder (weniger Glück) dem Genick eines Experten für einknickende Bäume die Verbindung zum oberen und unteren Teil des Körpers irreparabel beschädigt. Mir wurde vor zwei Jahren das zweifelhafte Vergnügen zuteil, den Nachbarn in die Notaufnahme zu kutschieren, weil der blödsinnigerweise vergaß, rechtzeitig die eigene Hand aus der Vorrichtung des Holzspalters zu ziehen. Wenn dir in einem solchen Moment nicht in den Sinn kommen will, den Arm besser ganz rasch mit einem Knebel abzubinden, dann steht einer ertragreichen Blutwurstfabrikation wahrlich nichts mehr im Weg.

Obwohl ich noch keine Statistik herbeizog, nehme ich doch an, dass die Sterblichkeitsrate auf dem hügeligen Land sich nicht wesentlich von der in der Kreisstadt unterscheidet. Nur, wenn hier tagsüber die Glocken läuten, dann macht sich das beim nächsten Dorftreff unmittelbar bemerkbar. Zugänge (hinsichtlich der Bevölkerungsdichte) sind nämlich nicht zu erwarten – daher wiegen die Abgänge umso schwerer. Wenn ich nur noch 8 verbliebene Dorfbewohner vorweisen kann, gehen mir beim Bürgermeister in der Stadt zwangsläufig die Argumente für die erwünschte Sanierung der Zufahrtsstraße oder den Zuschuss für die neuen Fenster im Gemeindehaus aus. Eines steht auf jeden Fall fest: In ein oder zwei Jahren genügen bei einer spontan anberaumten »Volkszählung« die Finger an zwei Händen. So reduzieren sich dann logischerweise auch das Angebot und die Nachfrage beim dorfinternen Warenhandel. Da aber, auch wenn morgen eine ganze Busladung junger Nepalesen und Nepalesinnen (die momentan auf dem kroatischen Sklavenmarkt unfassbar gefragt sind) im Dorf eintreffen würde, sich absolut nichts an den von mir zu erledigenden Arbeiten ändert, geht das Baden im eigenen Schweiß auch in Zukunft munter weiter.

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Da die zu bearbeitende Bodenfläche bestenfalls nie länger nackt (unbearbeitet oder nicht mit Stroh, Laub oder Grünschnitt abgedeckt) der Witterung ausgesetzt werden sollte, ist der Bodenkultivator beinahe im Dauereinsatz, da die Fruchtfolgen streng und gleichzeitig abwechslungsreich eingehalten werden sollten. Obwohl ich für jede helfende Hand froh sein sollte, haben sich in den letzten beiden Jahren die Besuche von „Helfern“ vermehrt, auf die ich liebend gerne verzichten würde. Ihre verrichtete Arbeit kann ich dann am Morgen begutachten, wenn Rotwild und Wildschweine ihren „Arbeitsplatz“ längst verlassen haben. Ärgerlich sind solche Besuche, weil die Bande mitnichten dort umgräbt, wo es notwendig wäre. Die Frage, wieso der Hund nicht aktiv wird, erübrigt sich von ganz allein, wenn jemand einmal Augenzeuge dessen wird, wie Schwarzkittel reagieren, wenn die Frischlinge bedroht oder sie vom Fressen abgehalten werden. Dann ist jeder Hund froh, wenn er einen sicheren Rückzugsort gefunden hat. Rotwild dagegen, agiert nicht so aggressiv, lässt sich allerdings auch nicht von einem 1,50 m hohen Zaun vom Futtern abhalten. Da ich unser Gelände aber auch nicht in eine Festung umzubauen gedenke, muss für das kommende Jahr eine neue Strategie in Angriff genommen werden. Den Vorschlag des Nachbarn, »die Viecher einfach abzuknallen«, konnte und wollte ich gedanklich nicht weiterverfolgen, da ich größte Skepsis hege, ob die alte Wasserpistole aus dem Supermarkt diesen Eignungstest bestehen würde.

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Ja, was steht sonst noch so an, bevor das Tageslicht sich hinter die Hügel in Richtung Slowenien verzieht? Während ich noch das Abendfutter in die Ställe bringe, führt Ernesto, der Hahn, seinen Harem langsam, aber zielstrebig auf die Schlafstangen. Sind dann endlich alle Türen verriegelt, kommen noch alle tagsüber benutzten Gerätschaften auf ihren angestammten Platz zurück, und die ureigenen Bedürfnisse rücken plötzlich wieder in den Vordergrund. Ganz weit vorn hier – das Befriedigen der Hungergefühle. An diesem Punkt offenbart sich dann auch (falls man der Einschätzung meiner Frau Gehör schenken möchte), wie unterschiedlich der Umgang mit Lebensmitteln doch sein kann, und was das wiederum mit einem „schwierigen“ Charakter zu tun hat.

Wenn ich mich als solchen überhaupt einschätzen würde, dann haben mit Sicherheit zwei Faktoren entscheidenden Anteil am Aufbau dieser Wesenszüge. Der Grundstein wurde spätestens in dem Moment gelegt, als ich mich beruflich intensiv mit dem zu beschäftigen begann, was mir im Restaurant meist auf einem Teller serviert und sämtliche Sinnesorgane in Wallung versetzen sollte. Denn ist dies nicht der Fall, lohnt es sich, mit der Frage zu beschäftigen, weshalb man für das Zubereitete viel Geld bezahlen sollte. Eine extreme Pingeligkeit entwickelte ich aber erst in dem Moment, als ich mich intensiv mit der Verarbeitung der Lebensmittel beschäftigte, an deren Entstehung ich nicht unwesentlich beteiligt war (bin). Diese Palette ist bestückt mit zahlreichen Milchprodukten (von Joghurt über verschiedene Käsesorten und die Butter, bis hin zur Sahne), zig Sorten Gemüse, Salaten und allerlei Kräutern. Fleisch gehört nicht dazu – ganz einfach, weil es mir nicht schmeckt. Ich lehne dieses Lebensmittel nicht gänzlich ab, erachte es aber nicht für so prickelnd, als dass ich es mir öfter in den Mund schieben würde.

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Eines Tages kam mir die Idee, die von mir zubereiteten Speisen zu fotografieren. Das bringt Erleichterung, sich zu erinnern, was einst serviert wurde und sich zu wiederholen lohnt.

Wen mag es unter diesen Vorzeichen verwundern, wenn sich bei mir beim Verspeisen von matschigem Rosenkohl, Feldsalat im Essigbad und Röstkartoffeln in der raffinierten Öllache die ersten Magenkrämpfe einstellen? Wenn das Ungenießbare dann auch noch angerichtet ist, als sei der Schaufelbagger im Einsatz gewesen, dann spätestens, fährt meine Frau die Hand aus, platziert diese auf meinem Arm, ganz in der Hoffnung, eine beruhigende Wirkung mit dieser Geste zu erzielen. Da erklärt sich dann von selbst, dass in dem gemütlichen Heim auf dem hügeligen Land, der Mensch mit dem ihm zugeschriebenen schwierigen Charakter Tag für Tag die Zubereitung der Speisen in Eigenregie übernimmt. Offensichtlich gebe ich dabei nicht die schlechteste Figur ab. Denn anders kann ich mir die erste Frage von Freunden, die regelmäßig am Wochenende die Terrasse in Beschlag nehmen, nicht erklären: „Was gibt es heute Leckeres zu essen?“
Der handelsübliche Alltag klingt mit einem Blick auf die eingegangene Post, Neuigkeiten aus der Welt des galoppierenden Wahnsinns, dem entspannten Familientalk und dem Griff zu einem Glas Wein aus. Um 22 Uhr ist dann die Verlagerung in die Horizontale angesagt. Fünf bis sechs Stunden Auszeit sollten schlafend genutzt werden – wenn nicht der Hund Alarm schlägt, ein Unwetter naht oder der Nachbar eine helfende Hand benötigt, um lästigen Gevatter Tod vom Hof zu jagen.

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