80% Steuern und Abgaben?

Words
766
Reading
4 min
Listen
Play
4h

Hallo liebe Community,

ich hatte die Tage eine Diskussion mit der-prophet@der-prophet und thehockeyfan-at@thehockeyfan-at da der-prophet@der-prophet mal wieder Zahlen in den Raum geworfen hat, ohne Beleg:

Von diesem Geld (Unserem Gehalt. anm. d. Redaktion, also mir mein-senf-dazu@mein-senf-dazu) geben wir dann 80% für Steuern, für Rente und Krankenversicherung ab.

Später noch in einem Kommentar kam:

Und mein-senf-dazu@mein-senf-dazu was auch nie in einer Berechnung berücksichtigt wird ist der Arbeitgeber Anteil. Ein Angestellter der z.b. 2000€ netto verdient kostet den Arbeitgeber insgesamt mindestens 5000€ die Steuern führt immer der Arbeitgeber ab aber der Arbeitnehmer muss diese steuern erarbeiten. Die 80% sind wohl eher noch zu gering angesetzt.

##2000 € netto → AG‑Kosten > 5000 €
Zunächst will ich mal klären, ob das stimmt, dass ein Angestellter, der 2000 € netto verdient, den Arbeitgeber mind. 5000 € kostet.

Antwort: beides, richtig und falsch

richtig

Ein Arbeitnehmer kann einen Arbeitgeber quasi unendlich viel kosten, z.B. weil er einen speziell eingerichteten Arbeitsplatz benötigt, spezielle Bürostühle können teuer sein, Schulungen, Dienstreisen, Untersuchungen, Diensthandy/Notebook...
Somit kann ein Arbeitnehmer den Arbeitgeber schnell deutlich mehr kosten, als nur das Gehalt.

falsch

Nun, wenn wir nur das Gehalt betrachten, das Arbeitgeber-Brutto, dann stimmt das nicht und darum ging es ja.

Hier muss man dann sagen, es gibt kein eindeutiges Brutto/Netto, denn das Netto eines Bruttoverdienstes hängt von div. Faktoren ab. Wichtigster Punkt ist dabei die Steuerklasse. Stuerklasse 1 und 4 sind im Ergebnis erst mal identisch, 3,5 und 6 weichen davon stark ab. Bei 3 hat man ein höheres Netto, bei 5 ein deutlich geringeres und bei 6 ein extrem niedrigeres Netto. Aber das wissen ja die meisten. Weitere Faktoren, die aber eher minimal sind sind:

  • Kinder?
  • in der Kirche?
  • Krankenkasse (Gesetzlich, Privat)

Gehen wir mal von einem Bruttolohn von 3.000 €, Steuerklasse 1, in der Kirche, keine Kinder aus. Ein eher typischer Single, oder kinderlos verheiratet.

Da kommen wir auf knapp über 2000 € netto, genau genommen 2023,42€.

Dem Arbeitgeber kostet der Arbeitnehmer dann nicht nur 3.000 € sondern 3.634,50 € (Quelle/Rechner). Bevor es ein "aber" gibt: Ja, es gibt noch BG und U1-3, was nicht zum allgemeinen AG-Brutto gehört, aber natürlich zu den Personalkosten.
Das würde es aber verkomplizieren und an sich nicht mehr viel Unterschied machen.

Schauen wir mal ob wir auf 80% oder gar mehr an Steuern und Abgaben kommen

Betrag (€)ProzentSteuern/Abgaben
AG Brutto (AN 3.000 €)3.634,50 €100,00 %
AN Netto2.023,42 €55,67 %44,33 %
Ausgabe nur 19 % USt.1.700,35 €46,78 %53,22 %
Ausgabe nur Sprit ca. 57 %870,07 €23,93 %76,06 %
Ausgabe nur Tabak ca. 80 %404,68 €11,138 %88,87 %

Erstmal haben wir vom AG-Brutto auf das Arbeitnehmer-Netto Steuern und Abgaben (Beiträge) von 44,33 %

Wenn dieser Arbeitnehmer sein ganzes Geld für Produkte und Dienstleistungen ausgibt, die 19% USt beinhalten, dann wären wir bei einer Belastung von 53,22 %, doch deutlich von 80% entfernt.


Quelle ADAC

Nehmen wir an, der AN verschwendet sein ganzes Gehalt für Sprit (E10, nicht Alkohol, was eher bei manchen vorkommt), dann steigt die Belastung schon deutlich auf 76,06%, sind wir noch unter den 80%.

Wenn der AN sein gesamtes Gehalt, aber anderweitig verbrennt, also in Form von Tabak, dann knacken wir tatsächlich die 80% Marke und erreichen dann fast die 90%.

Aber die letzten beiden Fälle sind eben extreme Fälle, die so nicht vorkommen werden. Ich hoffe es doch.

Wo wird bei einem AN mit 2000 € Netto die Belastung wohl liegen?
Nehmen wir ein mix: Tabak 350 €, Sprit 350 €, Miete 400 €, Lebensmittel 300 €, 600 € für Waren/Dienstleistungen mit 19%.

Dann erhalten wir eine Belastung von 61,34 %.
Bei einem Nichtraucher, der die 350€ zu 19% ausgibt, sind wir bei 55,17%.

Was noch zu beachten ist

Es gibt Kindergeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld, steuer-/SV-freie Zuschläge, Fahrtgeld, ggf. Steuererstattung, Dienstwagen, 1000€ Sparerfreibetrag, Wohngeld,Minijob … und vieles mehr, das müsste man alles eigentlich noch einrechnen, bzw. ist bei jedem individuell anders und wird den Prozentsatz beeinflussen.

Fazit - was will ich eigentlich sagen?

Leider werden zu oft irgend welche Zahlen von irgendwem übernommen, aber weder geprüft, noch sich wirklich darüber Gedanken gemacht.

Ist es dennoch viel? Ja und Nein!
Ja es ist schon nicht wenig, aber man sollte nicht vergessen, was man selbst davon so hat. Wollt ihr irgendwo wirklich leben, wo ihr zwar zunächst wenig zahlt, aber euch dann Gedanken machen müsst, ob ihr einen Krankenhausaufenthalt/Arzt/Medikamente euch leisten könnt?

50% und mehr ist sicher nicht wenig, aber ist doch umso skuriller, dass gemeckert wird, wenn für Supperreiche 2-3% mehr Steuer gefordert wird.

Diese haben nur eine Last von 26%
(Quelle) und besitzen zudem mehr als ein Viertel des Vermögens.


Quelle

Wenn ihr einen Fehler entdeckt habt, gerne melden und natürlich auch eure Meinung dazu.

80% Steuern und Abgaben? | Ecency