Hallo Steemians.
Wünsche euch einen schönen Sonntag.
Hier mal ein paar schöne Gedichte!
Schöne Fremde
Es rauschen die Wipfel und schauern,
Als machten zu dieser Stund
Um die halbversunkenen Mauern
Die alten Götter die Rund.
Hier hinter den Myrtenbäumen
In heimlich dämmernder Pracht,
Was sprichst du wirr wie in Träumen
Zu mit, phantastische Nacht?
Es funkeln auf mich alle Sterne
Mit glühendem Liebesblick,
Es redet trunken die Ferne
Wie von künftigem, großem Glück!
Autor: Joseph von Eichendorff
Das Schöne
Der Schönheit Götterleib ist wie zerstücket,
Zerstreut die Blumen ihres Zauberkranzes,
Den noch kein sterblich' Auge sah als Ganzes,
Der voll nur der Chariten Häupter schmücket!
Welk flattert morgen, was uns heut entzücket,
Dahin im Wirbelwinde, flücht'gen Tanzes;
Heut strahlt ein Höchstes uns voll lichten Glanzes,
Und morgen war's ein Schein, der uns berücket.
Fortunens Kugel gleich, entrollt im raschen
Umschwung vor uns der gold'ne Schein des Schönen;
Wir folgen ihm und können ihn nicht haschen.
Und nur die Muse reicht geliebten Söhnen,
Die in kastal'schem Tau das Auge waschen,
Holdsel'gen Trost in Farben und in Tönen!
Autor: Robert Hamerling
Die Schönheit
Wie lieblich ist des heitern Himmels Wonne,
Der reine Mond, der hellen Sterne Heer,
Aurorens Licht, der Glanz der güldnen Sonne!
Und doch ergötzt ein schön Gesicht weit mehr.
Der Tropfen Kraft, die Wald und Feld verjüngen,
Belebt sie kaum, wie uns ein froher Kuß,
Und nimmer kann ein Vogel süßer singen,
Als uns ein Mund, den man verehren muß.
Eleonor'! auf deren zarten Wangen
Der Jugend Blüt' in frischen Rosen lacht,
Und Zärtlichkeit, Bewundrung und Verlangen
Dir, und nur dir so zeitig eigen macht;
Ob Psyche gleich die Liebe selbst regierte,
Als sie, mit Recht, des Gottes Göttin hieß;
So glaub' ich doch, daß ihn nichts Schöners rührte,
Als die Natur in deiner Bildung wies.
Dein Auge spielt und deine Locken fliegen
Sanft, wie die Luft im Strahl der Sonne wallt;
Gefälligkeit und Anmuth und Vergnügen
Sind ungetrennt von deinem Aufenthalt.
Dir huldigen die Herzen muntrer Jugend,
Das Alter selbst beneidet deinen Witz.
Es wird, in dir, der angenehmsten Tugend,
Und nirgend sonst der angenehmste Sitz.
Man schmeichelt mir, daß, in zufriednen Stunden,
Eleonor' auch meine Lieder singt,
Und manches Wort, das viele nicht empfunden,
Durch Ihre Stimm' in aller Herzen dringt,
Gewähre mir, den Dichter zu beglücken,
Der edler nichts als deinen Beifall fand,
Nur einen Blick von deinen schönen Blicken,
Nur einen Kuß auf deine weiße Hand.
Autor: Friedrich von Hagedorn
Quellenangabe: giphy.com