Erste Reaktion
Wie kann der so ein Ende schreiben?! Ich war echt schockiert. Da kenne ich Ken Follett anders. Und er ist ja schon lange dabei. Der Waliser ist bei uns durch den Historienroman Säulen der Erde bekannt geworden aber sein Durchbruch war damals der Spionagethriller Die Nadel.
Worum geht es?
Der aktuelle Roman Never - Die letzte Entscheidung hat mehrere Handlungsstränge und dreht sich um die Frage wie es zu großen weltpolitischen Krisen kommen kann. Dabei erzählt er die Geschichte wirklich spannend und fesselnd anhand mehrerer Figuren:
Da ist die toughe US-Präsidentin Pauline Green, die auch ihre sehr menschliche Seite hat. Sie ist mit einer Herausforderung nach der anderen konfrontiert und versucht dabei die Familie zusammen zu halten.
Der zweite Handlungsstrang dreht sich um die aufstrebende Geheimdienstoffizierin Tamara, die im Tschad ihren ersten Auslandseinsatz absolviert und dabei in den Konflikt mit dem Nachbarland hineingezogen wird.
Drittens gibt es den undercover Spion Abdul, der über Drogenlieferungen aus der Sahara bis nach Europa den schmutzigen Geschäften von Dschihadisten auf der Spur ist.
Und nicht zuletzt ist da Kai, ein hochrangiger chinesischer Geheimdienstfunktionär, der in seiner Einstellung aber durchaus als gemäßigter Reformer gilt.
Alle Vier Personen gemeinsam haben ihren Anteil an den erzählten Vorgängen, die Follett zu einer Dynamik zusammenschiebt, die echt heftige Ausmaße annimmt. Ein Vorfall führt vermeintlich folgerichtigig zum Nächsten und die entsprechenden Dialoge sind unglaublich treffend und stark formuliert. Jedoch fragt man sich am Ende doch, ob das alles so „logisch“ und folgerichtig ist und sein muss.
Mein Fazit
Das Buch ist mega spannend, keine Frage. Ken Follett versteht was vom Erzählen und er trifft die Figuren sehr nachvollziehbar. Auch ist die Verschmelzung von Geheimdienstarbeit, Politik und den beteiligten Menschen gut gelungen. Und jetzt kommt das Aber: Mir hat das Ende nicht gefallen, die letzten hundert Seiten erscheinen mir schon sehr konstruiert und ich kann mir das so einfach nicht vorstellen. Da wird Ideologie so stark hingestellt und die menschliche Seite tritt fast komplett in den Hintergrund. So ist das mMn. einfach nicht. Aber OK, er wollte das offenbar durch deklinieren und genauso erzählen. Das ist sein gutes Recht als Autor. Kennt man von ihm so nicht, aber gut.
Ihr merkt ich vermeide bewusst zuviele inhaltliche Details zu verraten, vielleicht wollen es einige von Euch ja noch lesen. Als Urlaubslektüre, wie bei mir, taugt es nur bedingt. Wer aber einen sau spannenden Polit-/Spionagethriller lesen möchte, vom Tschad bis ins Weiße Haus und wer „was aushalten kann“, für den ist das Buch definitiv was!
Wer von euch kennt das Buch bereits und hat da eine Meinung zu? Wer würde es sich tatsächlich besorgen und lesen?