Wohin Kleiner Bruder - Kapitel 69

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der abschied II


sie bricht das schweigen: ich hatte heute 5 kunden.... das ist ok.... aber einer davon war voll ekelig, sein schwanz hat voll gestunken.... und jetzt bin ich müde.... wollen wa noch n film gucken...?

worauf dongsaeng so: nee, ich bleib auch nicht so lange....

ach ja...? wo musste denn noch hin...?

bin noch verabredet....

aha und...?

nix und.... und es folgt schweigen teil 2....

das taxi biegt nach links in so ne kleine gepflasterte strasse, vorbei am spielplatz und an der kirche, in der dongsaeng getauft wurde.... vorne bei aldi müssen sie nach rechts und dann immer gerade aus.... es verschwindet im dunkelen und lässt die beiden vor so nem runtergekommenen altbau, irgendwo mitten im kiez.... durchs vorderhaus, in den hinterhof, seitenflügel, 2. etage....

ist ja nicht das erste mal, dass dongsaeng zu ihr nach hause kommt.... über all die jahre ist er doch immer für sie da gewesen, immer wenn sie ihn gerufen hat.... ob hier oder in einer ihrer vorherigen wohnungen in den verschiedenen abgelegenen ecken dieser stadt.... in den läden, in denen sie gearbeitet hat.... in den krankenhäusern, wenn sie mal wieder verprügelt worden ist.... in den psychiatrien oder frauenhäusern, wo dongsaeng sie besucht hat.... eine bilanz, die für sich spricht....

am anfang ist es nur n abenteuer, begleitet von einem wertgeschätztem gefühl, jemanden in solch dunkelen zeiten licht zu spenden, wofür ihm auch immer gedankt wird.... dann ist es bereits ein ihm mehr oder weniger bewusstes pflichtgefühl, seine lebensumstände den ihren anzupassen, weil ja sonst niemand es tut.... bis er dann merkt, dass er ja eigentlich gar nicht in der lage ist, ihr oder irgendjemandem zu helfen und er sich selig vollkommen ausgebrannt, ausgesaugt seiner kräfte zwischen den ganzen lügen und dem sich ständig für sie verbiegen wiederfindet.... und auf einmal muss er feststellen, dass er es verlernt hat, zu ihr nein zu sagen.... aber das will er heute abend ändern.... lange genug ist er jetzt für sie da gewesen.... viel zu oft hat er diejenigen, denen er wirklich etwas bedeutet, wegen ihr versetzt....

kathrina öffnet die wohnungstür und läuft den langen flur voran.... es braucht n paar minuten, bis seine nase sich daran gewöhnt.... an den geruch, der sich da in der luft breitmacht.... gebaut auf kaltem rauch, untersetzt von diesem zeitgesteuerten raumduftspray aus der werbung.... das ganze gut vermischt mit einer brise billigen parfums und der penetranten duftnote zu stark dosierten weichspülers.... ein bunt durchmischtes erlebnis für sämtliche sinnesorgane.... terrakotta die wand im flur, türkis die couch im wohnzimmer, schachbrettlinolium der boden in der küche.... und überall liegt wäsche rum.... schmutzige auf polstern und teppich.... zu trocknende über türen und möbel gehängt.... ein einzelner bilderrahmen hängt schief neben dem spiegel an der wand im flur.... darin ein foto von adrienna....

sie so: setz dich doch, mach den fernseher an, bau ma ein.... dann verschwindet sie für kurze zeit im bad.... als sie wieder rauskommt, sieht sie auch wieder wie eine normale junge frau aus.... auch wenn die letzten jahre ihres bis heute doch niemals ausbalancierten und stets auf wackligen beinen tapselnden lebensstils so seine spuren hinterlassen hat.... an körper, geist und seele....

die haare offen, das gesicht abgeschminkt jetzt.... wenn sie so vor ihm steht, in diesem doch etwas zu grossen jogginganzug und diesen flauschigen eisbärschlappen, dann könnte sie glatt als die unschuld in person durchgehen....

aber dongsaeng weiss es besser.... und er ist ja aus gegebenem anlass hier.... jetzt musste auch durchziehen, dongsaeng....

doch gerade als sie sich setzen will, klopft es nicht zu leise an der wohnungstür.... sie springt auf, rennt hin, fragt wer da ist.... und auf einmal hört man nichts mehr, nur noch getuschel und geflüster.... gleich nach dem klimpern des schlüsselbunds, als sie den schlüssel im schoss umgedreht und jemandem die tür geöffnet hat....

dongsaeng versucht, etwas zu verstehen, doch er versteht kein wort.... von der couch aus sieht er dann wie sie über den flur ins schlafzimmer und gleich darauf wieder zurück zur tür flitzt.... und wie sie ihn so scheinheilig dabei angrinst.... das macht ihn dann doch neugierig....

er läuft nach vorne, um zu gucken.... aber ihr rücken, ihm zugewandt, versperrt seine sicht.... sie holt etwas aus ihrer tasche, nicht zu erkennen was.... doch als sie es überreichen will, fällt es ihr aus der hand.... n batzen brauner und grüner geht zu boden.... sie bückt sich, um die scheine wieder aufzuheben.... seine sicht durch den türspalt ist jetzt für einen moment wieder frei und dongsaeng erkennt, wer dort steht.... es ist einer von onkels fahrern.... sie steht wieder auf, gibt ihm die kohle und verabschiedet ihn wieder, als dongsaeng sich bereits zurück auf die couch gesetzt hat....

sein atem wird schneller, genau wie puls und herzschlag.... seine hände, er weiss nicht, ob er sie locker lassen, zu einer faust ballen oder nervös die fingergelenke knacken soll.... der kragen von seinem hemd, er scheint sich zuzuschnüren, wie von selbst.... er braucht luft.... jetzt bloss kein abruptes aufstehen, auch keine hektischen bewegungen jetzt.... kreisi gefahr, blackout im anmarsch.... konzentrier dich auf deine atmung, dongsaeng.... tief durch nase ein und lang durch n mund wieder aus.... bleib kool....

aber was bzw wen er dort eben gesehen hat, geht überhaupt nicht klar.... will einfach nicht in seinen schädel.... wie kann ein mensch nur so was von dumm sein...? wie kann sie sich selbst das immer wieder antun...?

sie kommt zurück und setzt sich, hat nach wie vor die unschuldsmaske auf und lügt dongsaeng ins gesicht.... sie sagt, dass das nur ne kollegin gewesen wäre, um sich etwas für die arbeit zu leihen.... während die wut in dongsaeng sich weiter staut.... nach aussen lässt er sich aber nichts anmerken.... aber der film in seinem kopf, er nimmt so seinen lauf....

scheiss doch drauff, dongsaeng.... sie ist doch nur ne nutte.... nix weiter.... eine, mit der du dich halt verstehst, die aber überhaupt nicht klarkommt.... der du es immer wieder verzeihst, wenn sie so dumm ist.... und dann musst du ihr doch wieder helfen.... und opferst dich für sie auf.... warum du idiot...?

weils fetzt, sich mit ihr daneben zu benehmen, sich allen verpflichtigungen zu entledigen und mit ihr das jetzt zu geniessen...? ohne konsequenzen zu bedenken, ohne späteres bereuen...? weil du im anschluss reinen gewissens zurück in dein normales leben schlüpftst und sie dort, wo scheinbar nie die sonne hinscheint, zurücklassen kannst, aber es doch nicht tust...?

gefällt es dir, dich zu sorgen, worum es nicht zu sorgen lohnt...? zu helfen, wem nicht geholfen werden kann...? eben weil es ihr egal ist.... wie ihr alles und sie sich selbst egal ist.... und du ihr egal bist....

also scheiss auf sie.... wen kümmerts schon, mit wem sie sich trifft oder für wen sie arbeitet.... nächste woche biste eh weg.... und doch kann er es nicht nur bei gedanken belassen....

dongsaeng steht auf, läuft auf und ab vorm sofa.... er sucht worte.... guckt ihr in ihre grünen augen, die diesen starken ausdruck absoluter gleichgültigkeit nach aussen tragen....
er so: warum sagst du es nicht einfach, dass du wieder für onkel arbeitest...? für den typen, wo du so oft schon krankenhausreif geprügelt worden bist.... der dich so viele jahre wie dreck in der ecke, kaum besser als n hund behandelt hat.... warum...?

keinen ton gibt sie von sich.... und ihre augen meiden es, in dongsaengs zu blicken.... denn sie weiss es ja selbst am besten, in was für zuständen er sie schon aufgefunden und sich um sie gekümmert hat.... auch was es ihn an zeit und mühen gekostet hat, bis sie dann wieder auffm dampfer gewesen ist....

ihre mundwinkel ziehen richtung boden.... tränen kullern jetzt unaufhaltbar ihre wangen herunter.... auf ihrem gesicht spielt sich das dramatische finale dieses trauerspiels ab, als dongsaeng es ihr erkärt.... dass das hier jetzt der abschied ist.... er fährt fort....

ehrlich gesagt, macht mir das alles nur noch leichter.... ich wollte es dir eh heute stecken....

weisste, es zerreist mir jedes mal das herz, dich so zu sehen.... mit anzusehen, wie du dir selbst immer mehr schadest.... mit jeder weiteren verzweifelten handlung, die du tust, mit jeder weiteren fehlentscheidung, die du triffst....
und wenn du es doch versuchst, es dir mal vornimmst, es raus aus diesem milieu zu schaffen, hälst du ja doch nicht lange durch in dieser dir so fremden welt, in der du nicht klarkommst ohne deine schänder.... ich versteh dich nicht....

zu oft hab ich es schon beobachtet, wie du dann wieder nach ihnen suchst.... wie du gefunden werden willst.... und wie du gefunden wirst.... wie du wieder bis aufs letzte ausgenommen wirst und ich dann das, was von dir noch übrig ist, wieder aufsammeln muss.... das macht mich rasend vor wut.... weisst du das eigentlich...? wie stinksauer du mich jedes mal damit machst...? warum tust du mir das an...?

man siehsts wie sie in scham versinkt.... mittlerweile vom sofa auf den boden gerutscht, in hockposition.... die decke über ihre hochgezogenen schultern.... die arme verschränkt um ihre beine.... der kopf gesenkt, ihr kinn an knien....

so kauert sie da vor dongsaeng auf dem boden, während er da vor kathrina stehend wie von tonband die so oft gehaltene predigt laufen lässt.... und doch sich dessen bewusst, wohl nichts in ihr zu bewegen, gar nichts damit zu bewirken.... das treibt ihn an den rand des wahnsinns....

zigfach verstärkter all die gefühle, je für sie empfunden.... der ganze hass und die liebe.... die freuden und sünden, je in ihr gelebt.... genauso wie sein zorn und seine wut, stets auf sie gerichtet....

alles vereint in diesem so stark geschwächten wesen, das dort vor ihm auf dem boden herumkümmert.... und weiter schluckt und weiter schluckt, was auch immer er in sie hineinstopft.... all seine opfer in sich tragend, führt sie unbeeindruckt fort, was ihn doch so doll quält....

aber kann es doch nicht immer so weitergehen.... hat sie denn jemals genug, diese unersättliche...? diese tickende zeitbombe, randvollgefüllt mit hochexplosivem.... du willst nicht in ihrer nähe sein, wenn ihre schale platzt....

nach wie vor hockt sie dort.... schaukelt verstört hin und her.... starrt ins nichts mit diesem bröckelnden gesichtsausdruck.... tritte und schläge könnten keine miene dieses gezeichneten gesichts verziehen....

bringt gar nix mehr.... scheiss drauff, scheiss auf sie, dongsaeng.... lass sie hier liegen.... hau rein und mach dein projekt.... dongsaeng zieht seine jacke an, bereit zu gehen.... n schönes leben dir noch.... er so zu ihr, als er sich schon richtung tür aufmacht....

und dann passiert, was gar nicht sein kann.... was so unecht aussieht, so unecht klingt.... er aber intensiver denn je zuvor verspührtes mit jeder zelle seines körpers erlebt....

der gesammte abgeworfene balast, abgelegt auf dieser braut da vorm sofa, hinterlässt in ihm eine tiefe leere.... leer von emotionen und frei von gefühlen für sie.... doch wahrt sie nicht lang, diese leere.... wo zuvor noch hass und liebe, zorn und freude gewaltet haben, macht in atemberaubendem tempo ein ganz anders gefühl sich breit.... seine angst.... so lang von ihm unterdrückt, findet sie nun umso mehr platz, um sich zu entfalten.... ein gefühl keinesgleichen, das ihn zittern lässt.... panikattacke...!

was passiert hier gerade...? was geht hier ab...? als dongsaeng merkt, wie ihm geschieht....

von seiner eben noch selbsterhobenen position, gestärkt und fest entschlossen neues land zu bewandern, wird er auf einmal von seiner eigenen angst wieder runter auf den boden gezogen.... und von hier aus sieht das land ganz anders aus.... das selbe, das er zuvor noch weit überblickt hat.... das er bereit gewesen ist, mit festem schritt zu erkunden....

aus diesem blickwinkel hat er es noch nie betrachtet.... wie weit der horizont, wie hoch der gipfel, wie lang die wege doch plötzlich scheinen.... die motivation für sein grosses vorhaben, sie fällt abrupt und zwingt ihn in die hocke.... in die selbe, in die er kathrina zuvor gezwungen hat....

und genau so hockt er da jetzt.... verschreckt, verlassen, verängstigt.... er wirft n blick zurück, hinter sich, auf sie, wie sie da immer noch hockt.... auf die er alles abgeladen und sie dort versunken im eigenen leid zurückgelassen hat.... gewissenlos....

all die dagelassenen, totgeglaubten gefühle für sie dringen in sie ein.... sie dringen tief durch poren und adern und venen.... durch sämtliche körperöffnungen saugt sie jene auf, welcher er sich zuvor entledigt und somit so doll geschwächt hat....

sie wachsen in ihr, binden sich, brauen sich zusammen.... es brodelt und kocht ein gemisch aus seinem ausgelebten und ihrem in sich gefressenen leid.... hochgiftig, diese brühe dort im kessel auf feuer erhitzt.... verstärkt mit dem stoff, der menschen nicht mensch werden lässt....

die masse dichter denn je, schwer wie nie zuvor.... so macht sie sich wieder auf.... wird gehoben von kräften, die sie gar nicht fassen kann.... völlig überfordert, merkt nicht, wie ihr geschieht.... die kleidung an ihrem körper zerreist und es platzt aus allen nähten.... das ding das dort vor seinen augen erwacht und aus ihr wächst.... sie wirft ihren schatten weit über seinen und lässt ihn so im dunkeln.... so wie er da hockt....
na wie fühlt sich das jetzt an...? fragt sie ihn und lacht auf ihn herab.... in voller grösse steht nun diese überdimensionale nutte vor dongsaeng.... ein monster von einem arsch, der sich über seinem kopf dort regt, gleichauf mit dem ungeheuer massiger titten da über ihrem bauch.... voll und sattgefressen an dem, was er nicht tragen konnte....

du wolltest doch unbedingt verstehen, warum.... wieso ich es nicht schaffe.... raus aus dem milieu, meiner realität.... die, in der du dich nur nachts rumtreibst, wenn keiner guckt.... du wolltest doch verstehen, warum ich es nie weit schaffe, meinen peinigern zu entfliehen....

weisste wie oft ich versucht hab, diesen berg da vor dir zu bezwingen...? weisste wie es sich anfühlt vom übergewicht der angst in dir immer wieder runtergezogen zu werden...? jetzt weisste wie es sich anfühlt da unten.... jetzt bin ich mal nur zu gast in deinem mikrokosmos, aus dem du nicht flüchten kannst.... hah....

sie reisst einen baum samt wurzel aus der erde, auf der sie beide stehen und wirft ihn bis ins unkenntliche gen horizont.... aaaaarrrggghhhh.... wie sie schreit und wie sie weiterwächst.... wie ihre muskelfasern unter dieser spannkraft fast zu reissen scheinen.... so wächst in dongsaeng weiter die angst....

genau wie kathrina dann hochmut packt.... seine kleine neue welt auslacht.... so entfacht sich wieder wut in ihm, die ihm so wohlbekannte.... und sie wächst rasant, mit jeder unkontrollierten unnötigen verausgabung ihrer überlegenheit.... ihr hochmut, ihre völlerei.... ihr neid, ihr geiz....

mit jeder weiteren erkenntnis über die zuvor noch seine, doch nun jetzt ihre eigenschaften, schrumpft sie, so wie er wieder wächst.... bis beide auf gleicher augenhöhe stehen, beid gleich ihrer kräfte verteilt.... ihr gegenüber, sein gegenüber.... nur einer von ihnen kann es hier rausmachen.... ego ab jetzt.... von hier ab jeder für sich....

ein kräftemessen mit hohem einsatz.... mit auswirkung auf das gesamte, ihr universum, dongsaengs welt.... ausgetragen an ort und stelle, wo auch immer er sich gerade befindet.... möge der stärkere gewinnen.... fight...!

und sie ballert direkt drauff los, worte wie schläge gegen seinen kopf.... und wie sie ihn treffen, die schläge, die treffen auf oberkörper, in unterleib.... treffen die worte, verletzen die worte, die kein mann hören will.... dongsaeng, du darfst sie nicht durchlassen, an dich heranlassen.... diese unüberlegten, immer mit voller wucht.... ohne atempause feuert sie weiter auf ihn.... worte wie schläge....

immer heftiger wütende winde ziehen wolken über ihnen zusammen.... sie nehmen die gestalt einer sich zuspitzenden spirale an und finden direkt über ihren köpfen ihren mittelpunkt.... gewitter, blitz und donner entstehen im zentrum dieses ungeheuers, dort über ihnen im himmel....

und es donnert und donnert immer doller und doller auf dongsaeng ein.... während er nur ausweicht, sich deckt und duckt.... unter kontinuierlichem beschuss von herumfliegendem.... steine, schutt und schwere baumstämme in orkanartigem gegenwind....

alter, geh in die offensive.... lass sie es nicht alles auf dich abfeuern.... kein mitleid mit ihr.... mach die schlampe platt....

die platten schieben sich dicht an dicht untereinander, entstehung von neuen gebirgslandschaften.... so wie seine faust, so fest sie geballt ist.... neugeborene felsen, so hoch in den himmel die gipfel ragen.... so auch erhoben, seinem gegenüber nun stehend.... vom sturm der höhen getroffene felsen, gestossene brocken fallen aufs tal und bahnen sich unaufhaltbar ihren weg aufs dorf.... so wie die faust voll hass, voll durchgezogen.... urknall, explosion, gewaltige energien treffen aufeinander, wie neues entsteht, wie altes zerbricht.... so die wucht des aufpralls, das gesicht zerbrochen wie stolz und knochen, genau wie sein herz.... würde und ehre und auch gerechtigkeit, auf ewig verloren in leere....

als dongsaeng wieder zu sich kommt, will er nicht begreifen, was sich hier gerade abgespielt hat.... was echt, was unecht.... was traum, was real.... symbol oder material.... alles schwimmt ineinander wie bei nem schlechten trip.... alter, was haste gerade getan...?

seine faust.... zitternd, fest geballt.... er ahnt es, er will es nicht wissen.... dann dreht er sich um und sieht ihren verprügelten körper dort vor ihm liegen.... da vor dem sofa, wo sie vorhin noch hockte, als er ihr die standpauke gegeben hat.... als er sich verabschieden wollte.... was hat ihn geritten...?

beim anblick dieses weinenden görs, das vor ihm auf dem boden liegt, bricht alles in ihm ein.... alles fällt zusammen.... nix mehr wofür es lohnen würde.... schande und pein zeichnen ab jetzt für immer seine stirn....

er wirft sich zu boden.... will nicht mehr sein.... verlassen von der lust zu leben, zu schwach um es zu beenden.... der kreislauf des verdammten.... seine strafe....

und dann kommt dongsaeng wieder zu sich.... huh, wo biste auf einmal...? und wo ist kathrina...? und ihre wohnung...? huh...?

er findet sich wieder in der mitte des raumes.... auffm boden.... vollkommen nassgeschwitzt.... nass von angstschweiss.... so nass wie seine klamotten, so wie der fleck auffm teppich, auf dem er liegt.... in seiner kaum noch möblierten wohnung.... die wenigen sachen, die da noch rumstehen, sie sind alle kaputt, zerstört, zesplittert.... von menschenhand.... von seiner hand....

er hält sich diese vors gesicht.... sie blutet und tut höllisch weh.... kurz davor die fassung zu verlieren.... dann macht er sich wieder auf.... die angst vor sich selbst, vor seiner unkontrollierten zerstörungsgewalt, an die er sich nichteinmal erinnern kann, sie ist ihm deutlich ins gesicht gemalt.... wie siehste überhaupt aus, dongsaeng...?

er läuft zum spiegel, der an der wohnungstür hängt.... was davon noch übrig ist.... und was er dort in dem zerschlagenen spiegelglas sieht, lässt ihn verschreckt und verstört in einem zeitlosen zustand stehen.... lässt ihn da geistlos schweben zwischen wahnsinn und verstand und hoffnung.... es lässt ihn das erste mal in seinem leben verstehen.... lässt ihn es erkennen, als er in sein gesplittertes spiegelbild blickt.... denn er sieht sein abbild dieser nutte....