Es gab eine Zeit in meiner Kindheit, da habe ich ein Tagebuch geschrieben. Gleich nach dem mein „Freundschaftsbuch“ voll war. Damals war es nur eine zeitweilige Beschäftigung, weil als Landei abgeschottet von der Zivilisation das Leben manchmal echt einsam wirkte.
Damals hatte ich noch keinen Schimmer, wie sinnvoll so ein Tagebuch ist und wie wertvoll es im Alter sein kann. Ich kann mich an 75%, was in diesem Tagebuch drin steht, nicht erinnern. Dabei sind da teilweise wichtige Ereignisse dabei, die im Nachhinein bei meiner Selbstreflexion völlig klar sind, warum und weshalb ich diese oder jede Entwicklung gemacht habe. Wieso dieses Tagebuch für mich, wenn ich mal alt und senil bin, eine große Rolle spielen wird, verrate ich Dir jetzt.
Je nach Filter (oder durch Alkohol) habe ich Sachen verdrängt und vergessen - ob und zu welchem Zweck das gut ist, da streiten sich meine inneren Geister noch. Aber die wichtigen Sachen, die, die mich geprägt haben - jeder auf seine spezielle Art und Weise - bewahre ich sorgfältig in meinem Gedächtnis auf.
Für jede Erinnerung gibt es zum Glück ein anderes Umfeld. Zum einen werden diese Erinnerungen gefestigt, indem ich sie, zum Beispiel, jedes Jahr an Familienfesten immer einem Anderen erzähle - natürlich wähl ich da aus, was ich erzähle, ich will ja nicht aus der Familie verbannt werden. Zum anderen festigt sich das auch je nach Inhalt - wenn ich da an so manches Bulimielernen denken - kann ich mich nur an die Sachen erinnern, an denen auch mein Interesse hängt. So ist das auch mit Menschen. Manche Menschen bleiben unvergesslich, egal welch eine Präsenz sie hatten, an manche will man sich einfach auch nicht erinnern und andere vergisst man, die aber eventuell durch einen Trigger ins Gedächtnis kommen.
Vor allem im hohen Alter, wenn degenerative Erkrankungen des Gehirns eintreten, sind Erinnerungen wichtig. Ein Beispiel par excellence bietet Demenz, die die Bestimmung über Dich selbst einnimmt, Du immer mehr beängstigend der Wahrheit ins Gesicht sehen musst, dass Du so langsam aber sicher die eigene Identität zu verlieren scheinst. Wenn die geistige Schwindsucht Deinen Alltag füllt und Dir mit Verzweiflung und Enttäuschung begegnet, weil Du nicht mehr Herr über Dein Wollen und Können bist. Genau dann wird Erinnerungspflege ein großer Bestandteil sein. Denn nicht nur das „Einspeichern“ ist wichtig, sondern auch das ständige Abrufen.
Ich bewundere Menschen, die akribisch genau ein Tagebuch führen und wissen, welchen Nutzen sie später einmal davon haben werden. Ich für meine Teil habe eine ganz gute Methode gefunden und erzeuge mit gezielter Absicht eine „Weiß Du noch…“ Situation, um so lange wie möglich eine starke Identität meiner Selbst zu bewahren.
Ich wünsche Dir viel Spaß beim Revue passieren Deines Lebens und dem Kramen in Deinen persönlichen Erinnerungen. (:
Dankend für Deine Zeitinvestition ins Lesen, gehe ich Erinnerungen pflegen.
Bis bald,
Variola ✾
PS: Ich freue mich über jedes Kommentar und Upvote. (:
Bild: © 2016 @variola (iPhone) - Cliffs of moher, West Coast Ireland