Einige Schriftsteller, manche sogar mit einem Nobelpreis gekrönt, wurden – und vielleicht werden – gerne als das “Gewissen der Nation” tituliert. Eine etwas dümmliche und zugleich auch eine etwas egoistischere Rollenzuteilung, die sowohl von G. Grass als auch von H. Böll immer – stets -zurückgewiesen wurde, denn dieses Delegieren des Gewissens, dieses Weitergeben des eigenen Gewissens an eine andere Adresse, an die Adresse der Schriftsteller, Intellektuellen und Künstler, vereinfacht und entlastet vielleicht, kann aber in seiner letztendlichen Konsequenz zu keinerlei Erfolg führen, denn das Gewissen, die Verantwortung, können nicht übertragen werden. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, stets verantwortlich, ob wir wollen oder nicht, ein nicht übertragbares Momentum. Dennoch, in manchen Dingen sind wir nur passive Statisten in einem Spiel, das keiner – zumindest keiner derer, der Teil der Masse ist – spielen will, aber muss. Manche “Bälle” sind so schnell gespielt, dass kaum einer vermag es zu überblicken, aber Delegieren der eigenen Verantwortung, Eigenverantwortung, das ist schlichtweg nicht möglich. Was tun? Ich würde sagen, lest mehr, lest mehr die alten Werke, im Prinzip ist da schon sehr viel in der Vergangenheit von Denkern, Philosophen, Humanisten und Intellektuellen an Schriftwerk erschaffen worden und viele Dinge – besonders die Dinge, die Fragen der Moral aufgreifen und behandeln – sind nach lesenswert. Ohne Moral, ohne Eigenverantwortung wird es nicht gehen können – in der Zukunft – und in diesen Punkten sind wir alle verantwortlich für uns selbst. Moral, welch großes Wort, aber ohne sie, der Moral, wird es zukünftig nicht mehr gehen, das wird mir – ist mir – glasklar. Was ist Moral? Für viele – vielleicht – ein zu abstrakt wirkender Begriff. Aufrichtigkeit ist fester Bestandteil von dem Teil der Moral, der zukünftig fester Bestandteil von allem sein muss. Ein paar Gedanken zur Zeit.
Stefan Schwarz