Bitcoin, Steem, Hive und der Drag

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Liebe Hivegemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,

äh, falsches Foto. Um Drag Queens geht es heute ausnahmsweise mal nicht.

Sucht man in den sozialen Medien nach Gründen für die Kursentwicklung von BTC findet man meist so etwas:

  • money printer go brrrrrr.
  • #YOLO
  • #diamond 💎 🤲
  • 🚀🚀🚀🚀🚀🚀
  • we can stay retarded longer than you can stay solvent.

Das mag zwar auf Twitter usw. ganz lustig sein, derartige Investmentempfehlungen enden aber häufig so:

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Solche Charts ergeben sich, wenn alle gleichzeitig in eine Richtung laufen.
Je nachdem wann man aus und eingestiegen ist, kann man sehr viel Geld verdienen, aber auch sehr viel Geld verlieren.

Was wir hier sehen ist pure Spekulation und nichts anderes.
Das ist auch gar nicht weiter schlimm.
Alle Finanzinstrumente tragen immer ein gewisses Maß Spekulation in sich.

Wer aber seine ganze Investmentstrategie auf Spekulation aufbaut wird mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig scheitern.

Versuchen wir also einmal herauszufinden, was den Preis von Bitcoin und anderen Kryptos außerhalb von Spekulation sonst noch beeinflusst und konzentrieren uns dabei nur auf den negativen Einfluss.

Cost of Carry und der Drag

Der Begriff Cost of Carry kommt aus dem Futures Trading.
Alle Kosten die ein echter Rohstoff verursacht (z.B. Lagerkosten, Versicherung, Zinskosten) werden in den Preis der Futures mit einberechnet.

Wäre dies nicht so, würde sich eine risikolose Arbitragemöglichkeit ergeben bzw. hätten Futures gegenüber dem echten Rohstoff einen finanziellen Vorteil. An der Börse wird aber nichts verschenkt.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:
Hier haben wir einen Chart des Öl-Preises der Sorte WTI:
Screen Shot 2021-03-06 at 5.19.21 PM.png

Schaut man nun auf den Chart wäre es eine großartige Möglichkeit gewesen letztes Jahr Ende April einfach Öl-Futures zu kaufen und einfach zu warten.

In der Regel bleibt der Ölpreis ja nicht dauerhaft niedrig.
Nur so einfach ist es eben nicht.

Öl-Futures Kontrakte sind normalerweise in contango, das heißt, je weiter man in die Zukunft geht, desto teurer wird der Futures Kontrakt, weil eben die Lagerkosten, Versicherung, Zinsen, usw. mit einberechnet werden.

Man kauft eben dann den Futures Kontrakt mit Lieferung in 12 Monaten und zahlt einen entsprechend höheren Preis oder man kauft den aktuellen Kontrakt und rollt diesen ständig und verliert bei jedem Rollen Geld, falls sich nichts Entscheidendes ändert.

Nachfolgend sehen wir einen Chart des ETFs USO.
Die Balken stellen immer einen Monat dar.
Dieser ETF kauft Öl-Futures Kontrakte und rollt sie jeden Monat.

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Vergleichen wir nun diesen Chart mit dem Ölpreis.
Die Balken stellen auch wieder immer einen Monat dar.

Screen Shot 2021-03-06 at 5.35.15 PM.png

Wie wir sehen, ist der Ölpreis wieder da, wo er 2019 war, aber USO ist weit von den damaligen Kursen entfernt.

Das sind die Cost of Carry.
Man nennt das Ganze auch Drag, weil eben der Preis runtergezogen wird.

Langfristig geht so ein ETF, der nur aus Futures besteht, immer gegen Null.
Um das zu verhindern wird regelmäßig ein Reverse Split gemacht.
Man erhält z.B. für zehn Altaktien drei neue.
Aber Fakt ist, dass wenn man so einen ETF lange genug hält, man sein ganzes Geld verliert.

Wer jetzt glaubt, die richtige Strategie sei, einfach diese ETFs zu shorten, dem kann ich nur davon abraten.

Den extremsten Drag hat der ETF UVXY.
Dieser ETF besteht aus VIX-Futures und das Ganze ist auch noch doppelt gehebelt.
Nachfolgend ein Langfristchart:

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Diesen ETF zu shorten sieht auf den ersten Blich aus wie Free Money.

Schauen wir uns aber mal einen kürzeren Zeitraum an:

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Viele haben jahrelang nichts anderes gemacht, als diesen ETF zu shorten.
Es war wie Gelddrucken. Sogar im Fernsehen wurde von Leuten berichtet, die ihre Jobs aufgegeben hatten und nur davon lebten, diesen einen ETF zu shorten.

Als 2020 der Kurs dann innerhalb von ein paar Wochen von $10 auf $135 gestiegen ist, waren sie pleite.

Es ist eben nicht so einfach an der Börse.

Was hat das Ganze mit Bitcoin zu tun?
Kryptos haben auch einen eingebauten Drag.
Mining und das Server-Netzwerk kostet Geld.
Die Miner oder bei Hive die Witnesses müssen also ständig Kryptos verkaufen, um ihre Kosten zu decken. Das drückt auf den Kurs.
Natürlich verdient das System auch durch Transaktionskosten Geld, werden diese aber zu hoch, dann schreckt das neue Investoren ab.

Um also gegen diesen Drag anzukämpfen, müssen ständig neue Investoren gefunden werden, die ihr Geld gegen Kryptos tauschen, um den ständigen Ausfluss auszugleichen.
Bei Bitcoin funktioniert das ganz gut. Bei Hive und Steem nicht.

Der Drag durch die Serverkosten der Witnesses ist der Grund warum wir vom ATH in Steem so weit entfernt sind und auch wahrscheinlich nie wieder dort hinkommen werden.
Außer es entwickelt sich ein ähnlicher Hype wie bei Bitcoin.

Wenn Du also große Mengen Kryptos hältst, dann musst Du alles tun, um möglichst viele Leute zu überzeugen ihr Geld in Kryptos zu investieren.
Ansonsten wird dein Vermögen schwinden.

Bitcoin war von seinem Erfinder als Zahlungssystem gedacht.
Hier ein Ausschnitt aus dem Whitepaper:

What is needed is an electronic payment system based on cryptographic proof instead of trust, allowing any two willing parties to transact directly with each other without the need for a trusted third party.

Als Store of Value oder als System um schnell reich zu werden war es nie gedacht.
Aber es ist nun mal so wie es ist.
Viagra wurde auch nicht als Potenzmittel erfunden.

Wer Bitcoin hält, hofft darauf, dass jeden Monat mehr USD in Bitcoin fließen, als durch die Systemkosten rausfließen.

Man kämpft gegen den eingebauten und nicht zu verhindernden Drag.
Kryptos sind wie eine Call Option, die jeden Tag etwas an Wert verliert, wenn sich der Kurs nicht in die richtige Richtung bewegt.

Das heißt nicht, dass man damit nicht reich werden kann, aber die Chancen sind auf jeden Fall langfristig schlechter als 50:50.

Ich frage mich, ob das den meisten Investoren bewusst ist?

Schönes Wochenende.

P.S. Bevor jetzt wieder die Kommentare kommen, wie “Du bist ja nur neidisch auf die Gewinne der Bitcoin-Investoren...”.

Ich habe alles was ich brauche und ich verdiene genug.
Aus dem Alter wo man irgendwelche Reichtümer anstrebt bin ich raus.

Alles was ich an der Börse tue, ist Optionen zu verkaufen und darauf zu wetten, dass die erwartete Volatilität höher ist als die tatsächliche Volatilität.

Mein Anlagehorizont beschränkt sich auf wenige Wochen und es interessiert mich auch nicht was ich trade, so lange es einen liquiden Optionsmarkt gibt.
Ich würde auch BTC traden, aber leider gibt es da noch keine Optionen.

Das Ganze ist für mich ein mathematisches Spiel und über irgendwelche langfristigen Prognosen mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Alles was öffentlich zugänglich ist, ist in die Optionsmärkte eingepreist. Mehr muss ich gar nicht wissen.

Ich freue mich für jeden, der durch Bitcoin reich geworden ist, man sollte aber immer wissen, in was man investiert.

Langfristig wird in allen Marktsektoren der Hype durch Vernunft verdrängt.
Was das für Bitcoin bedeutet, kann ich nicht sagen.
Ich habe aber seit Mitte der 90er viele Hypes erlebt.
Geendet sind alle immer gleich.

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