Liebe Leute,
ich war am Wochenende seit einer gefühlten Ewigkeit in downtown Vienna, also in der "innereren Stadt", wie wir Wiener sagen. Da ein Konzert anstand und ich bis zum Beginn noch Zeit hatte, machte ich einen kleinen Rundgang.
Begonnen hatte ich hier beim sog. Trümmerfrauen-Denkmal an der Mölker-Bastei.
Die Trümmerfrau blickt auf das leicht verdeckte Liebenberg Denkmal (L. war Bürgermeister Wiens zu Zeit der 2. Türkenbelagerung) und auf das Hauptgebäude der Universität Wien. Die wurde 1365 gegründet und ist somit die älteste Universität im (heutigen) deutschsprachigen Raum (nur Prag und Krakau sind älter).
Im Innenhof des Pasqualatihauses, in dem Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) mehrmals gewohnt hatte. Hier soll er "Fidelio", aber auch das Klavierstück "Für Elise" komponiert haben. Der 4.Stock beherbergt heute ein Beethoven-Museum.
Eine Passage im Palais Ferstel.
Das Palais Ferstel zwischen Herrengasse und Freyung war ursprünglich ein Börsengebäude, wurde im 2.Weltkrieg stark zerstört und um 1980 restauriert. Es beherbigt auch das seit 1786 bestehende "Café Central".
Das "Central" ist sicher eines der architektonisch eindrucksvollsten Kaffehäuser in Wien. Man glaubt, man sitzt in einer Kathedrale. Statt Chormusik gibt es aber einen live spielenden Pianisten. Links vom Kellner der typische Zeitungsständer. Das Angebot internationaler Zeitungen war aber sehr bescheiden (kein Wunder, ist auch derzeit die Zahl internationaler Touristen ebenso bescheiden).
Ein Dauergast hier ist eine Pappmaché-Figur des "Kaffeehausliteraten" und Bohemiens Peter Altenberg, der hier zu Lebzeiten oft verkehrt hatte.
Gestärkt durch die Koffeinisierung ging es weiter zur Hofburg.
Dieser Brunnen an der Fassade des Michaelertrakts heißt "Macht zur See" und wurde 1893 vom Bildhauer Rudolf Weyr errichtet.
Die Fiaker fahren schon wieder, wenn auch nicht in der Zahl wie früher. Ganz andere Fortbewegungsmittel, die E-Scooter (links im Bild) stehen oder liegen auch in Wien fast überall wie Müll herum 😟.
Über den Kohlmarkt kommt man zum Graben, einer der meistfrequentierten Straßen der Altstadt.
Hier findet sich auch die Pestsäule, eine 21m hohe Dreifaltigkeitssäule von 1693, die als Dank für das Ende der verheerende Pestepidemie von 1679 gestiftet wurde.
Der Graben mündet in den Stephansplatz, wo man den Stephansdom oder "Steffl" in neuer, alter Pracht bewundern kann.
Er war jahrelang eingerüstet und offenbar hat man den Lockdown benutzt, um die Sandstrahlreinigung der Fassade nahezu abzuschließen.
Hier die Ansicht vom Westen mit dem Haupttor ("Riesentor" genannt, es hat aber nichts mit Riesen zu tun, die angeblich beim Bau mitgeholfen haben). All die Details und Ornamente dieser Fassade allein sind einen eigenen Post wert, also lasse ich es lieber sein.
Über den Graben zurück kommt man zur Bognergasse, einem Stelldichein der Betuchten und allen, die sich dafür halten. Vor dem Flagshipstore von Louis Vuitton die übliche Schlange an Leuten, die darauf warten, eingelassen zu werden (das war auch vor Corona schon so)! Das kann dauern, denn jeder Kunde bekommt einen persönlichen Betreuer zur Verfügung gestellt, der ihm auf Wunsch alles zeigt und erklärt, von der Luxusuhr bis zum Kroko-Täschchen.
Vis-a-vis, im Zum Schwarzen Kameel kann man sich gepflegt bewirten lassen. Auch bei 30 Grad tragen hier die Kellner weiße Anzüge.
Weiter ging es zum Hohen Markt und der dort befindlichen Ankeruhr.
Sie gilt als ein Juwel des Jugendstil. @siriusgaia hatte sie hier bereits etwas näher beschrieben.
Eher unscheinbar und definitv keine Touristenattraktion ist der Kornhäuselturm.
Dieses neunstöckige Gebäude wurde bereits 1825-1827 gebaut. Mit 35m Höhe ist es das älteste Hochhaus Wiens. In den 1840er Jahren hatte hier der Biedermeier-Schriftsteller Adalbert Stifter gewohnt.
Über die Jerusalemstiege kommt man zum ältesten Teil der Stadt. Hier, am Desider-Friedmann-Platz, erinnert ein schlichter Gedenkstein an die Opfer des Terroranschlags vom 2.November 2020, bei dem ein islamischer Attentäter 17 Menschen angeschossen und dabei 4 getötet hatte.
Durch die Judengasse kommt man zum Ruprechtsplatz. Die Ruprechtskirche ist mit ihrer vermuteten Gründung 740-800 eine der frühesten Kirchen Wiens.
Zurück ging es über kleinere Gässchen, vom (ohnehin coronabedigt abgemilderten) Touristenstrom weitgehend verschont. Hier kann der Aufmerksame so manche Entdeckung machen, wie zum Beispiel dieses exquisite Schokoladegeschäft, das gottseidank überlebt hat.
In der Auslage eine Büste der Nofretete aus 20kg weißer Schokolade.
Die Zeit verflog und ich musste mich beeilen, um rechtzeitig zum Konzert zurück zu sein.
Hier noch ein Foto vom prächtigen Großen Festsaal der Wiener Universität. Das Konzert selbst war aber im Kleinen Festsaal daneben, da der eine bessere Akustik hat.
All pics by @stayoutoftherz
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