Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt! Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!
Phillip Scheidemann
Wer erinnert sich noch an die Lieder der Novemberrevolution? Die wenigsten. Heute vor 100 Jahren erreichte die Revolution einen Erfolg, die Ausrufung der Republik, der deutschen Republik. An diesem siebzigsten Jahrestag der Hinrichtung Robert Blums, eines Vorkämpfers der Demokratie und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, welcher für seinen Glauben an Republik und Demokratie durch kaiserliche Truppen am 9 November 1848 in Wien hingerichtet wurde, endete ein langer Weg, vorerst. Es hieß einmal, Weihnachten wäre man wieder zuhause. Langsam kam das fünfte Weihnachten seit Kriegsbeginn in Sicht, die Front im Westen war verloren. Frische amerikanische Truppen strömten nach Frankreich und brachen den Widerstand des deutschen Heeres. Angesichts dieser aussichtslosen Situation kam es im Oktober 1918 zu Reformen, unter Reichskanzler Max von Baden und Friedrich Ebert kam es zu einer Verfassungsreform, Deutschland wurde eine parlamentarische Demokratie, zumindest in Ansätzen. Die Armee wurde unter Kontrolle des Reichstags gestellt und jener konnte nun den Reichskanzler absetzen. Diese Reformen waren ein Versuch die aufständischen Arbeiter und Soldaten in den Städten, sowie die Alliierten davon zu überzeugen, dass es sich nun in Deutschland um eine Demokratie handelte, was für die Alliierten Staaten eine Voraussetzung für Friedensverhandlungen waren. Die neue Reichsregierung bemühte sich seit Anfang Oktober darum einen Frieden zu verhandeln, nachdem Generalleutnant Erich Ludendorf, durch einen Nervenzusammenbruch, den Krieg für verloren erklärte. Am 24 Oktober beschlossen jedoch die Kommandeure der Marine, ohne Wissen der Reichsregierung, eine letzte Schlacht zu schlagen. Diese Schlacht sollte die Ehre der Marine retten und verhindern, dass ihre Schiffe in die Hand des Feindes geraten. Die Matrosen erkannten jedoch die Aussichtslosigkeit und wollten nicht geopfert werden. Vor Wilhelmshaven kam es zu Befehlsverweigerungen durch Mannschaften. Nachdem diese sich immer weiter um sich griffen und die Offiziere sich nicht mehr auf ihre Besatzungen verlassen konnten wurde der Befehl widerrufen und die Flotte zurück nach Kiel verlegt. Dort wurden die Rädelsführer inhaftiert. Jedoch war es bereits zu spät, immer mehr Matrosen begannen mit ihnen zu sympathisieren, zusammen mit den Arbeitern der Stadt kam es zu einem Aufstand, in dessen Folge Soldaten- und Arbeiterräte die Kontrolle über die Stadt übernahmen und einen Flächenbrand auslösten. Einer der vorzeitigen Höhepunkte dieser Revolution war die unblutige Revolution in Bayern, wo durch die Ausrufung des Freistaats Bayern die erste Monarchie abgelöst wurde.
Am 8 November kam es auch in Berlin zur Planung eines Generalstreiks. Um diesen Niederzuschlagen wurde ein besonders loyales Regiment nach Berlin verlegt, was jedoch niemand erwartete trat ein. Die Soldaten zweifelten an ihren Befehlen und suchten Kontakt zur SPD, wo sie durch Otto Wels davon überzeugt werden konnten, sich ihre Seite zu stellen. Nach und nach schlossen sich die meisten Regimenter der Stadt ihnen an.
Aus Angst vor einer Revolution, ähnlich der Russischen, drängte Max von Baden den Kaiser abzudanken, dieser jedoch weigerte sich auch das Amt des Königs von Preußen abzulegen. Um das schlimmste zu verhindern erklärte Max von Baden nun eigenmächtig den Rücktritt des Kaisers und übergab das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert. Doch es war zu spät. Tausende demonstrierten vor dem Reichstag und so kam es, dass der stellvertretende SPD-Vorsitzende Phillip Scheidemann mit dem Ausspruch am Anfang dieses Artikels die deutsche Republik ausrief.
Nachdem viele Erinnerungen an diese Revolution vergessen wurden, hier eines der Lieder welches die Arbeiter damals sangen:
In diesem Sinne beende ich meinen heutigen Artikel mit den Worten Otto Wels, welche er in der letzten freien SItzung des Reichstags sagte:
Leben und Freiheit können sie uns nehmen, die Ehre nicht.