Ein Ausflug hatte uns vor einiger Zeit nach Potsdam geführt, in die alte Residenzstadt gleich neben der großen Metropole Berlin. Es war zwar mein zweiter Ausflug nach Potsdam, aber so richtig kenne ich diese alte Stadt, die doch voller Geschichte steckt, immer noch nicht.
Unser erstes Ziel sollte uns zum ehemaligen Jagdschloss Cecilienhof sein, aber zuerst
führte uns der Weg noch einmal direkt ans Wasser. Hier direkt am Jungfernsee gibt es eine Schiffsanlegestelle, die mich irgendwie angezogen hatte.
Der Tag war auch zu schön, mit blauem Himmel und viel Sonnenschein, und am Wasser ist es bei solchem Wetter doch immer am schönsten. Wir waren hier ganz alleine, bis auf den Anwohner, der gleich daneben in seinem schicken Garten ein Sonnenbad nahm.
Wir hatten gar nicht nicht viel Zeit zum Verweilen, denn wir hatten noch so einige Ziele vor uns, aber für ein paar Fotos hatte es dann aber doch gereicht.
Gleich neben der Anlegestelle befindet sich ein altes interessantes Gebäude, welches heute einen Biergarten beherbergt. Laut Schild befand sich hier früher eine Meierei, dessen Hintergrund ich dann ein wenig recherchiert hatte.
Die Meierei wurde 1790–1792 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm II. errichte. Sie diente ursprünglich tatsächlich der Milchwirtschaft, hier wurden Kühe gehalten und Milchprodukte für die königliche Hofküche hergestellt. Außerdem gab es ein kleines Kabinett, in dem der König seine Milch trinken und gleichzeitig die Kühe auf der Weide beobachten konnte.
Unter Friedrich Wilhelm IV. wurde das Gebäude 1843/44 erheblich erweitert. Dabei bekam es seinen heute so auffälligen burgartigen, normannischen Charakter mit Turm und Zinnen. 1861 kam eine besonders interessante Funktion hinzu: In der Meierei wurde eine Dampfpumpstation eingerichtet. Sie diente dazu, Wasser für die Bewässerung des anliegenden Neuen Gartens zu pumpen. Der hohe Schornstein gehört zu dieser technischen Geschichte.
Gleichzeitig entwickelte sich die Meierei zu einem beliebten Ausflugslokal. Schon im 19. Jahrhundert konnten Besucher dort Milch, Kaffee und später auch andere Getränke bekommen. Im 20. Jahrhundert wurde sie zu einem der beliebtesten Ausflugsziele Potsdams.
1945 brannte die Meierei nach der Besetzung durch die sowjetische Armee weitgehend aus. Nur die Außenmauern und Teile der Pumpstation blieben erhalten. Ab 1961 lag die Ruine dann direkt im Grenzgebiet und war für die Öffentlichkeit praktisch nicht mehr zugänglich. Nach der Wiedervereinigung wurde die stark beschädigte Anlage schrittweise gesichert und restauriert. 2003 wurde die Meierei schließlich als Gasthausbrauerei wiedereröffnet.
Heute befindet sich dort wieder eine Gasthausbrauerei mit Restaurant und großem Biergarten direkt am Jungfernsee. Es wird vor Ort Bier gebraut, und im Sommer kann man draußen am Wasser sitzen. Das Gebäude selbst ist nun ein wichtiges architekturgeschichtliches Denkmal, welches die Geschichte dieses interessanten Ortes bis heute festhällt.
Wenn ihr dann auch mal nach Potsdam kommen solltet, besucht ruhig auch mal den Neuen Garten und macht einen kurzen Abstecher nach Cecilienhof und zur alten Meierei. Ein wenig Geschichte schnuppern macht immer Spaß und schließt vielleicht die eine oder andere Bildungslücke...