Er wusste nicht, wie lange er schon rannte.
Vieleicht erst seit einer Minute möglicherweise aber auch schon seit Stunden.
Sein Atem ging flach und seine Beine drohten bei jedem Schritt auf dem matschigen Boden nachzugeben doch er dachte nicht daran stehenzubleiben, wagte nicht einmal über die Schulter zu sehen aus Angst er könne einen Blick auf das erhaschen, was ihn verfolgte.
Er spürte den Schmerz nicht einmal, als sein Fuß sich in einer Wurzel verfing und er der Länge nach auf den harten Waldboden aufschlug. In der nächsten Sekunde war er bereits wieder auf den Beinen und rannte weiter durch das immer dichter werdende Gestrüpp, dessen karge grün und Brauntöne nach und nach von der einkehrenden Dunkelheit geschluckt wurden.
Die Äste peitschten ihm ins Gesicht zerrissen seine Kleidung und schnitten ihn doch sein einziger Gedanke galt der Flucht.
Seine Erleichterung als er aus dem Dickicht brach wandelte sich in pure Verzweiflung, als er sah dass er auf eine Plateau stand, von dem aus der Sturzbach aus Regenwasser 15 Meter in die Tiefe fiel und krachend auf harten, grauen Fels aufschlug.
Als er sich umdrehte, um zurück in den Wald zu laufen hörte er die Schritte. Zuerst nur ganz leise durch das peitschen der Windböen und das prasseln des Regens hindurch. Es waren hastige Schritte, schnelle Schritte, wie die Schritte von jemand, der genau weiß, wo er hinwill. Oder etwas. Und sie kamen mit einer beängstigen Geschwindigkeit näher. Da wusste er das es für eine Flucht zu spät war.
Er würde nicht zurückgehen nicht nach dem was er gesehen hatte nicht nach dem was geschehen war. Er holte tief Luft und trat einige Meter vom Abgrund zurück. die Schritte wurden lauter .Er blickte hinter sich in den Wald wo die Nacht nach und nach die Bäume zu einer undurchdringlichen schwarzen Wand verschmelzen ließ.
Noch lauter. Er sah auf in den Himmel aus dem sich der regen ergoss und ihm das Blut und den Dreck aus dem Gesicht wusch. Die Äste hinter ihm brachen dann rannte er los und sprang.
In dem Moment als seine Füße den Boden verließen schien die Zeit für einen Moment still zu stehen. Alles war leise die Regentropfen standen In der Luft die Wipfel der Bäume welche sich eben noch unter den Windböen geneigt hatten standen nun friedlich und unerschütterlich da, der Bach der von der Klippe stürzte schien wie eingefroren. Dann fiel er, schlug auf und die Nacht verschluckte ihn.