Die Haustür fiel leise ins Schloss als Vincent sie zuzog und sich über den Feldweg in Richtung Stadt aufmachte .Als er sich sicher war das man ihn vom haus aus nicht mehr sehen konnte kramte er das Buch aus seinem Rucksack und entnahm die Karte.
Der Rot markierte Punkt lag am anderen Ende der Stadt und ihn zu Fuß zu erreichen hätte einige Zeit gedauert also setzte Vincent sich sobald er in der Stadt angelangt war an denkleinen Bahnhof in der nähe seiner Schule und wartete.
Um nicht erkannt zu werden zog er sich die Kapuze seines blauen Pullovers ins Gesicht und warf erneut einen Blick auf die Karte. Er könnte mit dem Zug in die nähe der Markierung fahren und von dort aus den restlichen Weg zu Fuß laufen. Ob er es rechtzeitig zurück nach hause schaffte? Vincent war so in seine Planung vertieft, dass er gar nicht bemerkte, wie sich jemand neben ihn auf die Bank setzte.
„Na? Machst du heute blau?“
Silas Stimme riss Vincent aus seinen Gedanken.
„Was machst du denn hier?“
Sichtlich amüsiert über Vincents Erstaunen antwortete Silas:
„Mit dem Zug zur Schule fahren. Wie jeden Morgen übrigens du Genie."
Vincent ärgerte sich daran hatte er nicht gedacht die letzte Person die er bei seinem heutigen Unterfangen dabeihaben wollte war Silas.
„Hör mal: es ist wichtig das du mich heute deckst ich habe Mina erzählt ich würde mit dir für eine Mathearbeit lernen"
„Wieso decken ich komm einfach mit tut dir sowieso nicht gut, wenn du den ganzen Tag alleine unterwegs bist. Da kommst du nur auf dumme Gedanken“ Silas lachte.
„Na schön.“
gab Vincent klein bei. Er wusste, dass er jetzt wo Silas einmal auf eine Idee gekommen war er sich diese sowieso nicht mehr ausreden lies.
„Was hattest du eigentlich vor, dass du hier auf den Zug wartest?“ Hakte dieser interessiert nach.
„Hast“
korrigierte Vincent ihn.er war auf diese Frage gefasst gewesen und hatte sich bereits eine Antwort überlegt.
„Ich habe meinem Onkel versprochen diese Woche noch ein Päckchen bei einem Freund von ihm abzugeben danach können wir machen, was du willst.“
„Dieses Arschloch hat Freunde? Es gibt noch Wunder!“
Vincents Antwort ging im Lärm des Zuges unter, der gerade auf dem Gleis einfuhr.
„Dass ist unserer“
erklärte er schnell.
„Wo müssen wir hin?“
Vincent breitete die Karte aus und deutete auf die rote Markierung
„Onkel Linus meinte, sein Freund würde hier wohnen“ log er.
Silas pfiff durch die Zähne.
„Mann oh Mann ganz schön schicke Gegend dein Onkel kennt die richtigen Leute“
„Sieht so aus.“ murmelte Vincent als er hinter seinem Freund in den Zug einstieg
Linus Jäger hatte in dem Moment verdacht geschöpft, als er seinen Neffen mitten in der Nacht an seinem Computer erwischt hatte.
Zwar waren ihm dessen Schlafprobleme, an denen er schon seit de Unfall seiner Eltern litt gewohnt doch glaubte er keine Sekunde dass Vincent so spät noch Schulaufgaben erledigen musste.
Vincent war ordentlich und organisiert und vergaß so gut wie nie etwas außerdem würde er es unter normalen Umständen nie wagen, ihn zu wecken.
Nachdem er also Vincent zurück nach oben geschickt hatte wartete er selbst in seinem Zimmer ab, bis es wieder dunkel wurde nur um dann selbst ins Arbeitszimmer zu schleichen und den PC wieder hochzufahren.
Er öffnete den Suchverlauf des Browsers zu dessen Vernichtung Vincent keine Zeit mehr geblieben war und rief die zuletzt besuchte Seite auf.
Als die Stadtkarte auf dem Bildschirm aufploppte entspannte er sich.
Vielleicht waren es wirklich nur Schulaufgaben“ sagte Linus leise wie um sich selbst zu beruhigen.
Er war schon immer ein bisschen paranoid gewesen, ja dass musste er sogar sein als ehemaliger Polizist und Ermittler in der Mordkommission doch seit dem Autounfall, bei dem sein Bruder Henry ums Leben kam wurde es unaufhörlich schlimmer. Er erinnerte sich noch genau wie er am Schreibtisch gesessen und die Akte seines letzten Falles mit Argusaugen zum unzähligsten Mal durchgelesen hatte als der Anruf kam, dass das Auto seines Bruders mit Totalschaden in einem Straßengraben gefunden wurde.
Als er an der Unfallstelle ankam wurde dieser gerade halb bewusstlos vom Beifahrersitz des Wracks gezerrt und von den Rettungskräften auf einer Bare in den Krankenwagen getragen. Er hatte eine Platzwunde am Kopf und die Glassplitter der zerfetzten Frontscheibe hatten ihm zahllose Schnitte zugefügt. Die Fahrerin, Vincents Mutter war beim Aufprall auf die Leitplanke sofort getötet worden. Linus bestand darauf zusammen mit Henry ins Krankenhaus zu fahren, und nur diesem Umstand verdankte er es noch ein paar letzte Worte mit seinem Bruder auszutauschen, welcher noch auf dem Weg ins Krankenhaus starb.
Linus versprach ihm auf den Totenbett gut auf Vincent und Mina aufzupassen und sie großzuziehen wie seine eigenen Kinder. Bei Mina war ihm das ganz gut gelungen dachte Linus im Nachhinein doch zu Vincent dessen kühle, berechnende und erwachsende Art ihm nie recht gefallen hatte, hatte er immer eine gewisse Distanz behalten.
Vincent war zu sehr wie sein Vater geworden und das war Linus stets ein bisschen Unheimlich gewesen. Der Autounfall selbst war äußerst Fragwürdig gewesen.
Da eine Augenzeugin welche nur wenige Meter hinter dem Ehepaar gefahren war behauptete gesehen zu haben wie der Wagen kurz vor dem Unfall beschleunigte und dann geradlinig in die Leitplanke raste wurden die Bremsleitungen des Autos auf eine Fehlfunktion oder sogar mögliche Sabotage untersucht. Doch als der der Bericht ergab, dass die Bremsleitungen der einzig heile teil des Autos waren wurde der Fall schnell zu den Akten gelegt.
Linus gelang es allerdings nicht das alles so einfach hinter sich zu bringen. Er zog sich aus dem Außendienst zurück und arbeitete nur noch im Büro, da er allerdings sein todsicheres Gespür nach wie vor nicht verloren hatte wurde seine Expertise häufig zur Einschätzung besonders schwieriger fälle im ganzen Land benötigt weshalb er viel herumreiste und die Kinder häufig alleine lies.