An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. Nachdem Vincent sich mehrmals im Bett herumgewälzt und vergeblich auf den Schlaf gewartet hatte Stand er möglichst leise auf um seine Schwester nicht zu wecken kramte das Tagebuch unter seinem Bett hervor und huschte lautlos aus dem Zimmer.
Er hatte Mina nichts von dem Buch und seinem seltsamen Tagtraum erzählt.
Er war sich selbst nicht mal mehr sicher, was er gesehen hatte und ob es Real war doch sosehr er sich auch vom Gegenteil überzeugen wollte war er sich sicher, dass die Schrift erst nach seinem erwachen aufgetaucht war.
Er setzte sich raus auf den Balkon und schlug das Buch erneut auf.
Der blutrote Text jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken, als er ihn abermals las, docheins weckte Vincents Interesse:
Der Autor des Tagebuchs hatte von den anderen vor ihm gesprochen doch sein Eintrag war der erste im Buch.
Wer waren die anderen ? Vincent suchte die Innenseite des Buches nach Hinweisen darauf ab, dass jemals weitere Seiten im Buch waren doch falls diese herausgetrennt wurden geschah dies mit größter Sorgfalt.
„12 Tage“
lauteten die abschließenden Worte.
Was würde ihm in 12 tagen geschehen? Das Selbe wie „allen vor ihm“? Dasselbe, wie dem jungen Mann aus seinem Traum? Vincent kannte weder den Namen des Mannes noch konnte er sich erinnern ihn jemals gesehen zu haben doch die verschneite Straße in welche man vom Fenster des Arbeitszimmers in dem er gesessen hatte blicken konnte weckte eine Erinnerung in ihm.
Er hatte sie irgendwo schon einmal gesehen, er wusste zwar nicht wo doch er hatte eine Vermutung. So leise es ihm möglich war schlich Vincent die knarzenden Treppen des alten Hauses ins Erdgeschoss hinunter und achtete dabei seinen schlafenden Onkel nicht aufzuwecken, da dieser sehr ungemütlich werden konnte wen man ihn weckte, ins Arbeitszimmer.
Der alte Computer fuhr so geräuschvoll hoch und durchbrach die nächtliche Stille, dass es Vincent so vorkam, als müsse man ihn im ganzen Haus gehört haben. Er öffnete den Internetbrowser und navigierte zu einer Karte der Stadt, welche er sich ausdruckte.
Er zog die Schreibtischschublade heraus und kramte einen Marker hervor, mit dem er eine bestimmte Stelle auf der Karte mit einem roten Kreuz versah als das Licht anging.
„Vincent kannst du mir eigentlich mal erklären, was du so dringend um zwei Uhr nachts ausdrucken musst.“
Vincents Onkel lehnte in der Tür und schaute ihn mit dunklen blutunterlaufenden Augen an. Seine kurzen, braunen Haare standen zerzaust von seinem Kopf ab, er war unrasiert. Der lächerliche, gestreift Schlafanzug den er trug verriet, dass er soeben aus dem Bett gefallen war.
„Hausaufgaben! Keine Sorge Onkel Linus ich bin jetzt fertig"
„Um zwei Uhr nachts?“ Wiederholte Linus langsam
„Ich hab´s vergessen und es ist mir beim einschlafen wieder eingefallen, es war wirklich wichtig"
Vincents Onkel der eindeutig zu müde für einen Streit war schüttelte nur verständnislos den Kopf und meinte mit einem Blick auf die Wanduhr
„Ok, egal, geh jetzt schlafen und mach deine Hausaufgaben in Zukunft gefälligst zu normalen Zeiten“
Vincent atmete auf als er sein Zimmer wieder betrat die Karte in das Buch legte dieses unter seinem Bett verstaute und sich erschöpft auf seine Matratze legt. Trotz der Müdigkeit lies der Schlaf auf sich warten und so starrte Vincent an die niedrige decke des Zimmers, bis sich seine Augen schlossen.
Als ihn am nächsten morgen das schrille Klingeln seines früh gestellten Weckers aus dem Schlaf riss kam es ihm so vor, als hätte er keine Sekunde geschlafen.
„Mach das Scheißteil aus! Es ist noch viel zu früh“ kam es aus Minas Ecke des Zimmers. „Tschuldigung“
antwortete Vincent schnell
„Ich schreibe heute eine wichtige Arbeit in Mathe und ich habe Silas versprochen noch mal vor der Schule ein bisschen mit ihm zu lernen“
„Der Idiot fällt doch eh durch da musst du nicht auch noch deine zeit verschwenden und mich so früh wecken“ maulte sie.
„Ich bin sofort weg“
Vincent verstaute schnell das Buch im Rucksack und warf ihn sich über die Schulter. Den Rucksack nahm er jedoch heute nur Alibimäßig mit.
Er würde heute nicht zur Schule gehen sondern musste überprüfen ob er mit seiner Vermutung richtig lag.