Seine braunen Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf ab, Seine Haut war weiß wie Papier und seine Augen waren so blutunterlaufen, dass er aussah wie ein lebender Toter. Vincent zog sein Handy aus der Tasche, entsperrte es und warf einen Blick auf die aufleuchtenden Ziffern der Digitaluhr
"Viertel nach acht...bis drei schaff ich das nicht!"
sagte er zu sich selbst, ließ das Handy wieder in seiner Tasche verschwinden und stieß schwungvoll die Flügeltür der Toilette auf.
Er ging durch die Gänge in Richtung Ausgang und schrieb dabei noch eine Nachricht an Silas.
"Mir geht`s Scheiße! Ich geh nach Hause sag der Trepke wen sie fragt mir ist schlecht geworden"
Dann verließ er die schule und machte sich durch die Stadt über die Feldwege auf den Weg zurück nach Hause. Der Weg zurück über die Felder war lang und einsam und Vincent freute sich darauf bald wieder in seinem warmen Bett zu liegen. Sein Onkel würde auf der Arbeit sein und bis Mina aus der Schule käme hätte er noch gut vier Stunden.
Als er sich dem haus näherte grummelte sein Magen. Er hatte zum Frühstück nur schnell ein Toast gegessen und beschloss das nach dem langen Weg etwas Warmes zu essen nicht schaden würde. Vorräte und altes Gerümpel lagerte sein Onkel im Keller unter dem Haus der ehemalig ein Schutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg gewesen war und nur von außerhalb des Hauses durch eine schräg ins Fundament eingelassene und mit Vorhängeschloss verriegelte Luke betreten werden konnte .
Vincent wusste das sein Onkel den Schlüssel für die Luke immer unter einem stein in einem Busch links von der Haustür aufbewahrte, öffnete die Luke und stieg vorsichtig eine kurze Leiter die in den Keller führte hinunter. Die nackte Glühbirne flackerte auf als er den Lichtschalter betätigte und tauchte den kleinen mit Kisten und Konserven vollgestellten Raum in warmes gelbes Licht. Als Kind hatte Vincent sich vor dem Keller gegruselt mittlerweile verbrachte er allerdings öfter Zeit hier um die alten Kisten zu durchwühlen und sich die Schätze anzusehen die in ihnen verborgen lagen.
Sein Blick schweifte über die berge an Konservendosen und Gläsern mit eingemachten Früchten die hier unten in den Regalen verstaubten. Sein Blick blieb allerdings abrupt an einer kleinen Kiste hinten im Raum hängen.
Diese Kiste war ihm zuvor noch nie aufgefallen.
Ob sein Onkel sie neu dort hingestellt hatte? Unwahrscheinlich den ihre Aufschrift war so verstaubt, dass man sie nicht mal mehr lesen konnte. Er wischte den Staub mit dem Ärmel seines Sweatshirts ab und las die Aufschrift. "Henry und Sophie"
Vincent bekam eine Gänsehaut. Die Namen seiner Eltern. Ungläubig näherte er sich der Kiste und hob ihren Deckel an. Die Staubwolke die ihm entgegenschlug brachte seine Augen zu tränen und er musste husten. Unmöglich, dass diese Kiste erst seit kurzer Zeit dort stand.
Er griff mit beiden Händen in die Kiste und wühlte darin.Zuerst zog er einen alten grauen Mantel heraus. Er erinnerte sich, dass der Mantel seines Vaters gewesen war unter dem Mantel lag ein Schal und einige eingestaubte Bilderrahmen mit alten Fotos von ihm Mina und ihren Eltern. Vincent nahm eines der Bilder heraus und reinigte es mit seinem Ärmel. Auf dem Bild konnte er seinen Vater erkennen und sich selbst wie er auf seinen Schultern saß Daneben Stand seine Mutter und lächelte in die Kamera, während sich Mina mit leicht verschrecktem Gesichtsausdruck an ihr Bein klammerte das Foto musste über 10 Jahre alt sein.
Lächelnd legte Vincent das Bild zur Seite obwohl es ihn irgendwie traurig machte fand er den Gedanken daran wie glücklich und lebendig seine Eltern einst waren schön. Doch auf einmal wurde seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt.
Ganz unten auf dem Boden der Kiste lag ein unscheinbares kleines buch ohne Aufschrift. Es war in schwarzes Leder gebunden und ein Purpurroter Faden der als Lesezeichen diente ragte aus einer der letzten Seiten.Ein Tagebuch! Schoss es Vincent durch den Kopf.
Ob es auch seinen Eltern gehörte? Er musste es lesen aber hier im halbdunklen Keller war nicht die richtige Zeit dafür. Er Kletterte heraus dem Keller, verschloss ihn wieder sorgfältig und eilte dann die Treppe ins Obergeschoss zu seinem Zimmer hoch. Dort setzte er sich an seinen Schreibtisch und schlug die erste Seite auf.
Seine Enttäuschung war groß als er feststellen musste, dass diese genauso wie die zweite und dritte leer war. Er blätterte schnell durch das Buch. Keine der Seiten war beschrieben. Nicht einmal die mit dem Lesezeichen markierte. Wütend und enttäuscht schlug er energisch wieder die erste Seite auf, wobei er sich mit den scharfen kanten des Papiers in seinen Zeigefinger schnitt.
"Verdammte Scheiße"
fluchte er laut, während das Blut aus seinem Finger auf das blütenweiße Papier tropfte und dort einzusickern begann. Doch was er dann sah ließ Vincent seinen Zeigefinger sofort vergessen.
Das Blut verschwamm auf dem Papier und fing an Buchstaben zu bilden die im Papier eintrockneten. Entsetzt sprang er auf und riss dabei seinen Stuhl um.
Er wollte hier weg. Vincent wurde schwindelig und sein Sichtfeld verkleinerte sich. Er musste zur Tür! Als er die Klinke in der Hand hatte wurde alles schwarz und er spürte nicht mal mehr wie er nach hinten fiel und hart auf dem Boden aufschlug.