LIEBER SPÄT ALS NIE!
Nein ich habe noch keinen Impfstoff gegen das Covid19 Virus entwickelt, glaubt man aber so manchem Einheimischen, liegt die Lösung näher als gedacht!
Langsam wurde ich etwas unruhig, hätte die Medronho Maische doch eigentlich schon längst zum Brand veredelt werden müssen und Virus hin oder her, sah ich keinen Grund warum man in Krisenzeiten keinen Schnaps brennen solle.
JETZT ERST RECHT!
Das sich das Virus dem Alkohol gegenüber ein wenig zimperlich verhält, ist bekannt und es würde sich wahrscheinlich hüten, in eine Destillerie einzudringen.
DER PORTUGIESISCHE BRENNMEISTER, 76 Jahre alt, sah das anders.
JEDES JAHR AUFS NEUE, bringe ich meine Maische aus der Frucht des Erdbeerbaums zu meinem Meister, normalerweise Anfang März.
MEISTER, so nenne ich den Alten, hat er mich doch gelehrt wie ich mein Alkoholproblem in den Griff bekomme, als er mich einst im Handwerk des Brennens schulte, so lange bis ich den richtigen Spirit für die Spirituosen bekam.
Mit Hingabe machte ich mich damals ans Werk, kaufte mir eine 25 Liter Destille und veredelte alles was mir in der Natur in die Quere kam, zu Hochprozentigem.
Schnell stellte sich der Erfolg ein,
Nachdem ich anfänglich meine Edelbrände, in kleinen Fläschchen im Freundeskreis verschenkte, um sie anzufüttern, bekam ich schon kurz darauf die ersten Anfragen, ob ich das Zeug auch verkaufen würde.
Natürlich war ich gewillt und so gingen die Pullen ziemlich flott über den Tisch.
Der erfolgreichste Brand war mein reiner Himbeerschnaps, dem ich dieses Jahr meine ganze Aufmerksamkeit schenken wollte und dafür schon alle Vorbereitungen getroffen hatte.
FUCKING CORONA machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Die Gewächshäuser des Bauern, sind zum Schutz der Erntehelfer vorerst geschlossen worden.
ICH SCHWEIFE AB, ZURÜCK ZUM MEDRONHO.
Natürlich könnte ich ihn auch zuhause selber brennen, aber 120 Liter Maische mit einer 25 Liter Destille zu bewältigen, braucht sehr viel Zeit.
Die hätte ich zwar gerade im Überfluss, aber der Umstand das ich dem Tun des Meisters mehr vertraue als dem meinen, ist sein Erfahrungsvorsprung doch unbestritten und auch zu schmecken, lasse ich ihn die Arbeit machen und zahle ihm dafür zwei Liter des Endergebnisses.
Normalerweise leiste ich ihm Gesellschaft dabei, zum einen weiß ich um die Langeweile die aufkommen kann, wenn man alleine auf das Auslaufrohr des Brennkessels starrt und umnebelt von den Alkohol Geistern in der Luft, anfängt mit sich selbst zu sprechen. ( Einer der Gründe, warum ein Brenntag bei mir, normalerweise nur noch zusammen mit Freunden zelebriert wird. )
Zum anderen lernt man natürlich nie aus und stets hatte ich einen neuen Brenner Trick dazugelernt, als so ein Tag mit dem Alten zu Ende ging.
DIESES JAHR JEDOCH, wollte er alleine sein.
Das Alter, die Diabetes und die allgemeine Verunsicherung dem tobenden Virus gegenüber, seien der Grund, da kann einem niemand helfen, lies er mich wissen und ich solle es nicht persönlich nehmen, fügte er hinzu.
Das tat ich natürlich nicht und so heckten wir telefonisch einen Plan aus, wie die Übergabe meines vergorenen Lebenselixiers, welches da in seiner Tonne seufzte, stattzufinden habe.
EINEN TAG DARAUF
Es ist 17.00 UHR, das 120 Liter Fass ist rutsch und sturzsicher im Auto verladen.
Etwa zehn Minuten später fahre ich auf dem Hof des Meisters ein.
Er empfängt mich winkend und hält dabei auffällig demonstrierend, den Sicherheitsabstand ein.
Kurz darauf steht der Kübel unterm Vordach seines Hauses.
Nachher kämen die Söhne vorbei und erledigen den Rest, verriet er mir und entschuldigte sich ( gut fünf Meter von mir entfernt ) dafür, das er heute keinen Medronho mit mir trinken könne.
Verständnisvoll nickte ich, wir winkten uns zu, wünschten uns Gesundheit und ich verschwand wieder.
Ein wenig traurig wohl bemerkt, denn eigentlich genieße ich das jährliche Ritual des Brennens mit dem alten Meister, erfährt man zu solch Anlass doch oft auch viele Dinge aus einem fremden Leben, die einem für das Eigene von großem Nutzen sein können und auch schon sind.
Louis der Sohn, meldete sich etwas später telefonisch bei mir und versprach den Brand nach Fertigstellung, frei Haus bei mir abzuliefern. Wunderbar.
Das brachte mich auf eine Idee für die Zeit nach der Corona Krise, denn irgendwie muss es ja weitergehen. 😎
NACHTRAG: Während des Schreibens dieses Artikels kam mir in den Sinn, das ich morgen mal ein wenig Zuckerwasser fermentieren werde und später reinen Alkohol daraus brenne. Somit kann ich zumindest im Bekanntenkreis den Bedarf an Desinfektionsalkohol sichern, denn zu kaufen gibt es den hier schon lange nicht mehr.
Es kann manchmal so einfach sein.
Bleibt noch zu erwähnen, das alle Bilder in diesem Beitrag, in Zusammenarbeit von @muelli und https://pixabay.com/de/ entstanden sind, außer eins, das ist meins, ganz alleine! 😎
Prost, bleibt gesund und …