So, da sind wir wieder.
Vorab erst einmal vielen Dank für die reizenden Erfolgswünsche, welche Ihr mir im letzten Beitrag ( https://steemit.com/deutsch/@muelli/muelli-schenkt-aus ) hinsichtlich des anstehenden Weihnachtsmarktes hinterlassen habt und ja, es hat bestens geklappt.
Aber beginnen wir am Anfang.
Der Aufbau am Donnerstag ging locker von der Hand und war in ein paar Stunden erledigt.
Liebchen blieb daheim und brutzelte schon mal vor, was da am nächsten Tag serviert werden sollte.
Freitag 18.00 Uhr war die offizielle Eröffnung des Marktes.
Diese jedoch ging etwas unter, war die Halle doch schon um 17.00 Uhr rappel voll.
Bereits hier wurde mir klar, das ich mit meiner Kalkulation mal wieder fernab von Gut und Böse lag und am nächsten Morgen in der Früh noch einmal in die Stadt fahren müsse, um Nachschub zu besorgen.
Die für hiesige Verhältnisse recht kalte Nacht, bei etwa 6 Grad Celsius, ließ die Weihnachtswütigen zum Glühwein greifen als ginge es ums nackte Überleben und in wenigen Stunden waren bereits 120 Liter verkauft, was ich mit einem zufriedenen Grinsen quittierte.
Dafür erträgt man schon mal diese grausame weihnachtliche Hintergrundmusik, welche nur unterbrochen wurde von solch gnadenlosen Stimmungskapellen, wie man Sie z.B. auf dem folgenden Bild bewundern kann.
Ein Albtraum, für @muellis sensibles Gehör, das wie die Meisten hier ja wissen, nicht mehr als ein paar flotte 3 Akkorde verträgt.
Aber Augen zu und durch, auch wenn das Fest der Scheinheiligkeit nicht das meine ist, ist es doch auch das Fest des Konsum Terrors und dies wollte ich mir zu Nutze machen.
Ran an die Konsumenten, füttere Sie, mach Sie betrunken und ziehe Ihnen mit so viel gespielter Sympathie das Geld aus der Tasche, das Sie sich nachher glücklich schätzen.
Es gelang uns mit Bravour.
Liebchen und mein Sohnemann füllten die Massen mit Getränken an der Bar ab und ein Schweizer Kollege und ich wüteten in der Küche umher, um den Hunger der Gierigen zu stillen.
Während ich hauptsächlich die traditionelle portugiesische Kost bereitete, trumpfte der Schweizer mit einem professionellen Käse Raclette auf, was erstaunlich gut angenommen wurde.
Leider mischten sich zum Fest der Liebe auch ein paar böse Buben unters Volk, oder besser gesagt ein paar Liebestolle Vollidioten, denen der Glühwein arg zu Kopfe stieg und Sie glauben ließ das mein Liebchen Freude daran hätte, wenn man Sie permanent mit schlüpfrigen Bemerkungen anbaggert.
Zwar sichtlich genervt von dem Treiben eines Gastes, der mit dem Charme eines britischen Hooligans versuchte Sie zu bezirpsen, beruhigte mich Liebchen als ich den Knaben vor die Tür bringen wollte und versicherte mir die Lage im Griff zu haben.
Hatte Sie aber nicht!
Ich sah es aus der Küche heraus, wie dieser mittlerweile auch andere Gäste nervende Vogel seine Hand auf dem Hintern meiner Liebsten parkte, als Sie gerade mit zwei Tellern Suppe in den Händen zu einem besetzten Tisch unterwegs war.
KURZSCHLUSS!
Ich riss mir die Schürze vom Leib, stürzte aus der Küche heraus um mir den Grabscher zu greifen, doch plötzlich flog mein Sohn an mir vorbei, krachte dem Übeltäter seine Faust ins Gesicht, drehte Ihm den Arm auf den Rücken und drückte Ihn zu Boden.
Ehe ich begriff was hier gerade geschah, standen auch schon ein paar Freunde meines Sohnemanns bereit und entsorgten den Irren, unter dem Applaus der anderen Gäste, vor der Türe.
Das war mir eine Runde frisch Gezapftes wert und wurde dankend angenommen.
Froh und munter ging es weiter und nach der kleinen Kampfeinlage meines Kleinen, benahmen sich selbst die Besoffenen ganz plötzlich brav wie die Lämmer.
Tja manchmal muss man in ungewöhnlichen Situationen zu ungewöhnlichen Mitteln greifen und noch heute frage ich mich wundernd, von wem der Junge das nur hat. 😎
Am Sonntag Abend war der Spuk vorbei, nicht aber ohne den Besuchern noch einen ganz besonderen Ohrenschmaus zu servieren.
Das Philarmoniker Orchester der ansässigen Feuerwehr spielte auf und ließ keinen Zweifel daran aufkommen das es eine Hölle gibt, denn irdisch war das Gebotene ganz sicher nicht.
Vier Nächte fast ohne Schlaf, jeder Muskel im Körper schmerzt, die Nerven liegen blank, der Schädel kurz vorm explodieren und jede Menge Nacharbeit vor Augen.
In diesem Zustand begannen wir das eingenommene Geld zu zählen und schon auf halbem Wege wurde uns klar: DAS WAR ES WERT!
REKORD!!!