Nachdem wir in den letzten Wochen wirklich tolles Wetter hatten, sieht es seit ein paar Tagen nun ganz anders aus. Wie üblich für diesen Monat hat die Regenzeit angefangen, welche uns nun für ein paar Wochen beschäftigen wird. Glücklicherweise regnet es in unserem Teil des Landes normalerweise nicht ganz so viel, aber der schöne blaue Himmel, der uns in der letzten Zeit begleitet hat, wird nun für eine Weile hinter dichten Wolken verschwunden sein.
Die Regenzeit in Japan, „Tsuyu“ (梅雨) genannt, kann je nach Region von Anfang Juni bis Mitte Juli dauern. In dieser Zeit zieht feuchtwarme Luft aus dem Süden über das Land, wodurch es häufig zu anhaltenden Regenfällen, hoher Luftfeuchtigkeit und schwülwarmem Wetter kommt. Besonders betroffen sind die Regionen Honshū, Shikoku und Kyūshū im Süden des Landes, während Hokkaidō im Norden meist von der Regenzeit verschont bleibt.
Die Regenzeit hat natürlich auch einige guten Seiten. Sie ist für die Landwirtschaft ziemlich wichtig, da sie die Wasserversorgung für die Reisfelder sichert. Leider kann der viele Regen aber auch zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen, was oft noch durch die ersten Taifune verstärkt wird, die in diesen Wochen auch schon nach Japan kommen.
Viele Japaner sind in diesen Tagen mit Regenkleidung, Schirmen und speziellen Schuhen unterwegs, wobei vor allem der Regenschirm ein ganz wichtiges Utensiel ist. Die Natur zeigt sich in diesen Tagen von ihrer üppigen und grünen Seite, welche das feuchtwarme Wetter zu genießen scheint.
Insbesondere die Hortensien, die in diesen Tagen ihrer großen Auftritt haben, erfreuen sich an dem vielen Regen und den derzeitigen warmen Temperaturen, und nicht nur in Parks und Gärten, sondern auch am Wegesrand sieht man ihre dicken Blütenpuschel leuchten.
Nach dem Ende der Tsuyu‑Zeit geht dann der Sommer so richtig los und es wird für mehrere Wochen ordentlich heiß. Viele Japanreisenden, die dann im Hochsommer zum ersten Mal ins Land der aufgehenden Sonne kommen, flüchten dann schnell in klimatisierte Gebäude und versuchen dem schweißtreibenden Hochsommerwetter zu entkommen.
Aber so weit ist es ja noch nicht, der Sommer steht ja erst am Anfang. Im Vergleich zur letzten Woche ist es heute sogar kühler geworden, was zumindest nachts und morgens recht angenehm ist. Noch brauchen wir zu Hause auch noch keine Klimaanlage, was auf Arbeit aber bereits ganz anders aussieht. Auch ich habe mich an diese Segnung der modernen Technologie gewöhnt, und bin froh, dass wir Menschen ab und zu auch mal etwas sinnvolles erfinden.
Mal schauen, wie lange die Regenzeit in diesem Jahr anhält. Von mir aus kann alles ein wenig langsamer gehen, und zwischendurch darf dann auch die Sonne ab und zu mal rauskommen. Aber am Ende geht alles dann doch wieder viel zu schnell und wir werden sehnsüchtig zurückschauen. Manche Sachen wiederholen sich eben doch...