Die Wiener Ringstraße: Wie ein Kaiser eine Stadt neu erfand
Die Wiener Ringstraße: Wie ein Kaiser eine Stadt neu erfand
Mit einem kaiserlichen Handschreiben vom 20. Dezember 1857 löste Franz Joseph I. eine der größten Stadttransformationen des 19. Jahrhunderts aus. Was folgte, war die Ringstraße.
Festung wird Stadt
Bis 1857 umgab ein breiter Festungsring die innere Stadt Wiens. Die Befästigungen waren veraltet und hatten 1848 wenig genützt. Auf dem freigewordenen Gelände entstand die Ringstraße – ein etwa vier Kilometer langer, 57 Meter breiter Prachtboulevard.
Ein Selbstdarstellungsprojekt
Die großen Prachtbauten repräsentierten die Institutionen des liberalen Bürgertums: Parlament in griechischer Antike, Rathaus in gotischer Formensprache, Burgtheater, Staatsoper, Universität und Museen. Jedes Gebäude sprach eine historische Formensprache, die seine Funktion legitimieren sollte.
Protagonisten
Architekten aus ganz Europa wirkten mit. Heinrich von Ferstel baute die Universität, Theophil Hansen das Parlament. Otto Wagners spätere Postsparkasse und Stadtbahnstationen markierten den Übergang zum Jugendstil.
Kritik und Welterbe
Camillo Sitte kritisierte die Ringstraße als kalt und leblos – zu breit, zu gerade. 1995 wurde sie zum UNESCO-Welterbe erklärt: eines der geschlossensten Beispiele größbürgerlicher Stadtplanung des 19. Jahrhunderts.
Die Wiener Ringstraße ist gebaute Geschichte – ein Zeugnis kaiserlicher Selbstdarstellung und bürgerlicher Aufbruchsstimmung in einer sich wandelnden Welt.
Dieser Beitrag wurde mit wissenschaftlichen Quellen erstellt.