Es ist normal, dass man jemandem etwas unterstellt. Unterstellung ist eine Annahme, eine Vermutung und die Interpretation dessen, was bei Kommunikation geschieht, es geschieht also überall, du hast es ja gerade eben auch getan und mir unterstellt, es wäre mein Frust, den ich auf dich ablade.
Stimmt, tatsächlich erzeugten deine Antworten eine gewisse Frustration, die du korrekt empfangen hast.
Allerdings wäre die Schlussfolgerung, dass Frustration nichts sein dürfe, mit dem man jemanden konfrontiert, eher fatal.
Ob eine Unterstellung Substanz hat oder als substanzlos erfahren wird, hängt von der Bereitwilligkeit der Fortführung von Kommunikation ab, also in der Debatte zu verbleiben oder sie zu beenden. Daher kann das ein Prozess sein, der, wenn die Beteiligten weiterhin an den jeweils angeführten Argumenten interessiert sind, zu einem (vorerst) befriedigenden Ende kommen oder aber unbefriedigend als nicht lösbarer Konflikt betrachtet werden.
Beleidigungen sind geeignet, wenn man etwas provozieren will, und so kann eine Beleidigung einem schon mal zum Umdenken verhelfen, obwohl sie unangenehm ist.
Wer Beleidigung als unzumutbar, demnach als "zu unterlassen" verstehen will und solches in einen so genannten Code fasst, mit der Absicht, jeden, der dagegen verstößt, aus dem Kommunikationsraum auszuschließen, nicht nur den anderen beschneidet, sondern sich selbst ebenfalls.
Dadurch entsteht ein Widerspruch, der die Aussage, dass Kommunikation von der Vielfalt unterschiedlicher Charaktere und unterschiedlichen Verhaltens lebt, nicht mehr trägt. Kommunikation lebt von Harmonie UND Disharmonie gleichermaßen. Das eine geht nicht ohne das andere.
Um in Erfahrung zu bringen, wie viel Provokation du bereit bist, zu hören, ist es nötig, die Grenze deiner Toleranz auszuloten. Da ich nicht wissen kann, wie schnell deine Toleranzgrenze erreicht ist, kann dieser Übertritt in verschiedener Weise erfahren werden. Als unzumutbar etwa oder aber auch als eine Herausforderung, die die Beleidigung zu einer Lernerfahrung über sich selbst akzeptiert.
Um die Beleidigung, ich würde mich giftig verhalten, anzuschauen, müsste ich wissen, ob ich in der Lage bin, deine Gedanken zu "vergiften" und würde antworten, dass ich kaum dazu fähig wäre, wenn es gegen deinen Willen geht. Umgekehrt ist es ebenso. Du kannst meine Gedanken nicht vergiften, wenn ich es nicht zulasse. Zugegeben, das ist eine schwierige Herausforderung.
Im Grunde scheint mein Kapitalverbrechen zu sein, dass ich dich auf Alternativen hingewiesen habe, die deine Handlungsoptionen eher erweitern, denn einschränken, also bestärkenden Charakter haben und die Alternativlosigkeit einer Situation relativieren. Meine Aussage, dass nur ein Dummkopf keine Alternativen erkennt und erwartet, dass andere sich klug verhalten, die kannst du, wieder eine Unterstellung meinerseits, vermutlich auf deine eigene Lebenserfahrung anwenden, in der du dich nicht selbst als Dummkopf angesprochen fühlst, sondern eine Situation zur Zufriedenheit der Beteiligten gemeistert hast.
Um die Zufriedenheit aller Beteiligten im Auge zu behalten und den Kontakt nicht einseitig abzubrechen, scheint mir die Variante, dass man sich einigt sich uneinig zu sein, die bessere.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich meinerseits.
RE: My most socialist/interventionist positions