RE: RE: Betrachtung der Diskussionskultur im Netz am Beispiel der Debatte bezüglich der Ausgaben für Baerbocks Visagistin.
You are viewing a single comment's thread from:

RE: Betrachtung der Diskussionskultur im Netz am Beispiel der Debatte bezüglich der Ausgaben für Baerbocks Visagistin.

Words
482
Reading
3 min
Listen
Play
3y

Anders als bei der Verwendung eines Gehalts sollte m. E. die Politik die vom Bürger eingezogenen Gelder nicht beliebig ausgeben dürfen, sondern ausschließlich im Hinblick auf den damit verbundenen Nutzen für die Allgemeinheit.

Das ist nun genau der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Es gibt nichts, worin sich die Allgemeinheit einig wäre. Was "sinnvoll" ist und was nicht, eröffnet viele unterschiedliche Perspektiven. Es ist unmöglich, hier einen Schlusspunkt zu setzen und zu sagen: Diese Steuerausgabe war "schlecht" oder "nicht im Sinne des Volkes", weil das Volk keinen Einheits-Sinn besitzt.

Für sich allein genommen, sind die Gründe, warum jemand für eine solche Steuerausgabe plädiert, so sinnlos, wie alles, was man aus seinem Gesamt-Zusammenhang menschlichen Lebens reißt und was du als Schafe, die dem Leittier folgen, bezeichnest.

Du könntest aber sehr viel weiter gehen und dich fragen: Wie sieht das Leben der Visagistin aus, mit dem vielen Geld, was sie durch ihre Tätigkeit verdient hat? Hat sie einen Sohn, der als Befehlshaber irgendwo in einem Kriegsgebiet intelligente Entscheidungen trifft, gibt sie ihr Geld aus für bestimmte Güter, woran die Verkäufer wiederum verdienen, fliegt sie oft in den Urlaub, dann profitieren wieder durch ihren Konsum andere Menschen. Jedes Geld, dass irgendein Einzelner erhält, sei es durch Steuern oder andere Kreisläufe, kommt am Ende irgendjemandem zugute und genauso ist es aber auch, dass es irgend jemandem schaden kann. Ob sie einen "guten Sohn" hat (und wer ist schon immer gut oder böse?), ob sie "gute" oder "schlechte" Investitionen oder Käufe tätigt, wer will das entscheiden?

Fakt ist, ein Menschenleben hat so viele Verflechtungen und Wirkungen, dass man es niemals auf ein einziges Urteil abstellen kann. Wie du sagst, es ist die Sache eines Einzelnen. Nur, weil hier Steuergelder eingesetzt wurden, heißt das ja nicht, dass der Einzelne (hier die Visagistin) der Allgemeinheit nichts nützt. Wie sie das aber tut oder nicht tut, ist nicht herauszufinden.
Problematisch finde ich daher nicht, dass irgendwelche Einzelpersonen durch Steuergeld ihr Auskommen haben, sondern eher die Verflechtungen von Staat und Konzernen.

Geld ist prinzipiell nicht im Überfluss vorhanden (sonst wäre Deutschland nicht so stark verschuldet, Schulen, Straßen, Brücken und Deutsche Bahn nicht so marode und unser Glasfaser- und WLAN-Netz nicht so schlecht ausgebaut)

Ist das so?
Ich sehe ständig Straßen, an denen gebaut wird, weil viel auf ihnen gefahren wird (ein Zeichen für hohes Verkehrsaufkommen), die Autobahnabschnitte der A1 alleine sind eigentlich im Dauer-Bauzustand genau wie die Straßen der Stadt, in der ich lebe, die Bahnen fahren täglich, genau wie das öffentliche Verkehrsnetz und der Ausbau der Internetleitungen ist ebenfalls im regen Gange, selbst bis in die letzten Winkel. Auch die Schulen - zumindest hier in meiner Stadt - sind im ständigen Umbau. Den Leuten geht's halt nicht immer schnell genug, wenn sie von "marode" sprechen.

Mir scheint, es wird Geld geschöpft, obwohl scheinbar keins da ist. Wobei das ein Thema ist, mit dem ich mich zu wenig auskenne.