seit ungefähr drei Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Blockchain & Co. Mehr als zwei Jahren lang poste ich auf Blockchain-basierten Portalen wie Hive (ehemals Steemit). Andere Anwendungen, die ich nutze, sind STEMsocial, Splinterlands, dLive oder Geom.
Kurz um: Die Blockchain-Technologie ist in den letzten drei Jahren Teil meines Lebens geworden.
Doch warum sollte ich überhaupt die Blockchain-Technologie verwenden? Viele würden jetzt sagen, weil eine Investition in Cryptocoins eventuell zu sehr viel Reichtum führen kann. Tatsächlich geht die wahre Stärke der Blockchain-Technologie aber weit über den plumpen Investmentgedanken hinaus. Der eigentliche Grund zur Nutzung dieser Technologie besteht nämlich darin, dass Vertrauen an Stellen geschaffen werden kann, wo normalerweise kein Vertrauen möglich ist.
Im Prinzip stellt eine Blockchain eine unveränderliche Datenfolge dar (Abbildung 1). Ist erst eine bestimmte Anzahl an Daten (z.B. Transaktionen) in einem Block vorhanden, so wird dieser versiegelt (geschürft, Mining). Diese Versiegelung führt dazu, dass nun ein neuer Block generiert wird, welcher sich auf den jeweils vorhergehenden bezieht. Dieser Schachzug führt dazu, dass die Löschung der vorherigen Daten nicht mehr möglich ist, weil ansonsten alle nachfolgenden Blöcke ungültig würden. Aus diesem Grund können Einträge in eine Blockchain niemals wieder entfernt werden. Außer natürlich jemand zerstört die gesamte Blockchain, was allerdings sehr schwierig ist, denn je nach Blockchain ist diese mehr oder weniger dezentral. Das heißt an mehreren Stellen wird ein Abbild dieser Blockchain hinterlegt. Dies hat zur Folge, dass nur die Vernichtung aller dezentralen Abbilder die Blockchain endgültig zerstören kann. Je mehr Leute sich allerdings an sowas beteiligen und auch in Abhängigkeit davon wie die Blockchain im Detail aufgebaut ist, wird die Blockchain mit jedem User, mit jeder Transaktion und mit jedem versiegelten Block immer sicherer. Manche Leute behaupten gar, dass die Bitcoin-Blockchain das sicherste Netzwerk auf Erden darstellt. Und es wird von Tag zu Tag sicherer, da wir die erforderliche Energie zur Validierung der Blöcke in der Blockchain speichern. Somit wird zwar das Versiegeln, jedoch auch die Vernichtung immer kniffliger.
Schreibe ich nun etwas in die Blockchain hinein, wird mein Eintrag verifiziert (also in einen Block verpackt und versiegelt) und ist danach quasi „in Stein gemeißelt“ (siehe Abbildung 1). Die Vorteile, welche sich daraus ergeben können, kann ich heute bereits in Form von Smart Contracts sehen, wie sie beispielsweise bei Splinterlands ablaufen. Dort können Leute ihre „Monster-Karten“ untereinander gegen Cash eintauschen. Diese Transaktionen werden aber erst dann in der Blockchain hinterlegt und damit gültig, wenn auch die jeweils andere Seite ihren Teil des Vertrags erfüllt. Die Transaktion wird schließlich in einer Blockchain gespeichert und auch erst durch diese ermöglicht. Alles erfolgt unkompliziert, schnell und mit geringsten Transaktionsgebühren. Selbst minimale Transaktionen (sogenannte Mikrotransaktionen, z.T. nur Bruchteile eines Cents) werden so möglich. Kein Richter, keine Instanz, nichts außer die Blockchain und Verifizierung der Blöcke sind erforderlich. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten:
Wäre die Implementierung von Blockchain-basierten Systemen hier eventuell hilfreich?
Ich denke die Blockchain-Technologie ist wie gemacht für diese Bereiche und deshalb möchte ich euch heute ein kleines Pilotprojekt vorstellen, wie diese Technologie im Lebensmittelsektor Anwendung finden könnte. Ich nenne es „Blockchain-basierte Qualitätskontrolle“ (BcbQ).
Wie sich einige alteingesessene Follower vielleicht noch erinnern können habe ich vor rund zwei Jahren damit begonnen Kombucha selbstherzustellen. Während dieser Zeit habe ich den Prozess stetig verbessert. Das heißt ich habe den Prozess skaliert, habe neue Teesorten ausprobiert. Auch habe ich unterschiedliche Nährsubstrate erprobt (z.B. braunen Zucker oder Honig). Zusätzlich führte ich zahlreiche Verkostungen durch. Auch verwendete ich pH-Meter und Refraktometer, um bestimmte Qualitätsattribute abseits der subjektiven Bewertung wie Geruch oder Geschmack zu ermitteln. Zusätzlich nahm ich Kontakt zu Qualitätslaboratorien auf, damit ich noch detaillierter meinen Kombucha prüfen lassen kann (ist mir aber bisher zu teuer). Jede neue Charge, jeder neue Schritt und jedes Resultat (z.B. Geschmack) habe ich tatsächlich schriftlich dokumentiert. Schon länger kam mir der Gedanke diese Dokumentation zu digitalisieren damit ich nicht immer in meinen Ordnern nachschauen muss, wenn ich Informationen über eine beliebige Charge erhalten wollte.
Im Schnitt habe ich bis vor etwa 8 Wochen jede Woche eine Charge angefertigt. Irgendwann skalierte ich die Produktion auf ein 8L-Bioreaktor mit Hahn. Dieser Sprung erlaubt es mir eine kontinuierliche Produktion zu beginnen. Da ich das Produkt nicht verkaufe, sondern nur verschenke, häuften sich irgendwann die unterschiedlichen Chargen an. Zusätzlich viel mir auf, dass im Zuge eines kontinuierlichen Prozesses die Kultur etwas leidet. Wenn ihr über viele Wochen permanent Kombucha entnehmt erschöpfen sich vor allem die Hefen etwas. Ich stellte dies bereits in kleineren Skalen fest. Solche Rückschlüsse wären durch eine digitalisierte Version noch detaillierter, genauer und vor allem früher möglich gewesen. Auch hätte ich genau errechnen können was ich wann und wie hätte tun sollen. So habe ich lediglich eine Blattsammlung wo ich hin und wieder reinschaue. Auf die Informationen haben aber meine Freunde, die hin und wieder meinen Kombucha probieren, keinen Zugriff. Sie müssen sich auf mich verlassen, dabei sollte der Kombucha für sich selbst sprechen, von Kombucha zum Konsumenten und nicht etwa vom Hersteller zum Konsumenten wie es heute der Standard ist (Abbildung 1).
Die Digitalisierung der Herstellung bzw. die Hinterlegung in einer Blockchain kann daher folgende Aspekte realisieren:
Auch wenn dieses Vorgehen zunächst simpel erscheinen mag, so muss beachtet werden, dass es meiner Kenntnis nach bisher keine Firma gibt, die ein derartiges Verfahren implementiert hat. Als Biologe werde ich nun keine eigene Blockchain programmieren, um dies auszuprobieren. Ich verwende die bestehende Infrastruktur, die sich bewährt hat und mache einen kleinen Vorstoß hier.
Was denkt ihr über so einen Ansatz? Macht dies Sinn? Oder ist euch sowas egal? Was würdet ihr am Konzept besser machen? Welche Anwendungsfälle für Blockchains (abgesehen von der Finanzwirtschaft) fallen euch spontan ein?
Vielen Dank fürs Lesen
Beste Grüße
Chapper
for a couple of years, I use blockchain technology for various reasons (mainly blogging & gaming). In fact, this technology offers plenty of innovations for various economic, social as well as scientific purposes. The underlying basis is the establishment of an unchangeable data structure. Once data are embedded into a block, the block will be confirmed by a network. The next block refers to the previous block, therefore, making the alteration or deletion of the previous block nearly impossible. Another advance is that no third party is required. Transactions, contracts, and plenty of other things can be managed between two peers without trust. The confidence is realized by the blockchain structure (see Figure 1).
For about two years I’m brewing kombucha. Since the very beginning, I recorded all actions by writing. Therefore, I have a lot of data hidden in folders, hard to analyze. This has some drawbacks for my brewing activity:
Figure 2 As part of the “Blockchain-based Quality” (BcbQ), the blockchain serves as an interaction point between production and consumption. Both consumers and manufacturers are rewarded for their active participation (rewards). But also through the constant improvement of the product, as well as by increasing product safety and quality. Made by Chapper - Unrestricted Use allowed.
Today I want to start a little pilot project with my kombucha. My kombucha is no commercial product. I just share them with friends. From now on I call my kombucha „BCbucha“. The idea is that I will track all actions I undertook in the brewing process and every batch gets a QR code with all relevant information. When I take a bottle from my kombucha fridge I can immediately scan the QR code and see all relevant information including a link with further facts, pictures, etc. In the meanwhile, the data will be stored in a blockchain and can be used for research as well as for the creation of confidence. Eventually, I have two QR codes, one for the beginning of the process and another one at the end (filling).
What do you think about this idea? Do you think this might be a necessary innovation for the future of the food industry or just a waste of time? What ideas do you have on how to use blockchain technology for certain problems in the world today?
Thanks for reading
Regards
Chapper