Ich sitze hier in meinem Wohn und Arbeitszimmer. Rechts von mir, die Tür zur Terrasse. Nachts wie ich es gerne habe, gerade im Sommer, wenn es abkühlt von der Hitze des Tages, genieße ich den Blättern beim Rascheln und der stille der Nacht zu lauschen.
Doch manchmal gibt es nichts zu genießen. Denn ich wohne in einem Altenheimkomplex mit mehreren Gebäuden am "Stadtrand" dieser 5000 Seelen Gemeinde. Eigentlich sollte man beim Anblick dieser seit 1990 existierender Gebäude meinen, das hier alles recht Modern und Ordentlich zugeht. Das ist aber nur der Schein, wie er heute von vielen "schönen" Dingen ausgestrahlt wird.
Fakt ist, ich weis durch meine Schwester und genug eigener Erfahrungen sehr genau, wie es in einem Altenheim zugeht. Die Pflegerschlüssel, sind gelinde gesagt zum Kotzen. Mein Schwester hat nicht umsonst nach 5 Jahren endlich aufgehört in ihrem erlerntem Beruf zu arbeiten. Es ist eine Schande, für eine angeblich so "tolle" Gesellschaft wie der unseren Deutschen. Der Kapitalismus, welcher in meinen Augen im Gesundheitswesen eines Landes nichts zu suchen hat, trug wundervolle Früchte, wie man sie sich in seinen schlimmsten Träumen nicht ausmalen möchte.
Ich höre die Schreie, der Alten Menschen, so gut wie Täglich. "Hallo, Hilf mir", "Hilfe" und das schmerzende Stöhnen der alten Menschen, welche gefangen in ihren Betten liegen und vor sich hinvegetieren. Eine Zumutung, für mich als Anwohner, ist es das geringste, dies aushalten zu müssen. Meine Gedanken, sind bei den Alten Menschen, wenn sie schreien und ich nur wenige Meter entfernt dasitze und mich kaputt denke, was ich denn dagegen tun solle?
Ab und an rettet man mal einen Ausgebüchsten von den fitteren, vor dem Verlaufen, oder spricht ein Weilchen mit ihnen, auch wenn man weis, das viele es durch ihr Altsheimer wieder vergessen. Doch was mehr, könnte ich tun? Das ist, was ich mich frage, in diesen Momenten, in welcher mein Mitleid nicht mehr Aus haltbar scheint. Die Angehörigen, falls überhaupt vorhanden, sehen schon beim Besuchen gestresst aus und brauchen selbst so etwas wie Ruhe und Pflege, zumindest den Meisten, kann man es ansehen.
Sie sind nicht "Schuld" für mich, in unserer Gesellschaft, in welcher Leistung nicht zählt, sondern nur das ewige schaffen für andere um selbst durchzukommen, sind sie oft gezwungen, diesen Schritt zu gehen und ihre Ältern in ein Heim zu geben. Selbst hier auf dem "Lande". Welch eine Schande, kann man nur Wiederholen. Für uns alle, welche die Probleme unserer immer älter werdenden Gesellschaft so ungeschickt zu lösen weis. Aber es sind ein paar Wenige, welche die Weichen für den sowieso schon schwerer werdenden Weg zugunsten ihres Geldbeutels anders stellen, als sie sollte.
Wir alle wissen, das unser Gesundheitssystem, sei es noch so "Modern" auf dieser Welt, weit aus intelligenter sein könnte, währe da nicht das gewinnbringende Verhalten der Manager dahinter. Ich kann mich an so viele Momente erinnern, an welchen die Pflegekräfte selbst um Hilfe betteln und wenigstens der kärgliche Lohn, für diese sicher Ehrenhafte Arbeit nur "etwas" besser sein könnte. Doch der kann auch nichts daran ändern, das einfach zu wenig Menschen für zu viele Alte da sind. Von den Behinderteneinrichtungen, will ich hier mal schweigen, dort sieht es nicht besser aus.
Die wenigsten von Uns könnten das, glaube ich, einem anderem den Arsch auswischen. Ich dachte auch, ich könnte es nicht, bis ich es einfach mal gemacht habe. Es ist weder Schlimm, noch irgendwas anderes. Es ist, wie es eben ist. Anstrengend und Fordernd, wenn man die Verantwortung dafür trägt. Schließlich willst Du auch nicht in deiner eigenen Scheiße liegen oder sitzen.
Ich kann nur damit schließen, das sich etwas verändern muss. Der Gedanke selbst einmal in dieser Lage sein zu können, nach einem harten und arbeitsreichem Leben, sollte dabei helfen. Ich für mich weis nicht was ich noch tun könnte, außer Feuer mit Feuer zu bekämpfen, vielleicht weis es jemand von Euch?
Der Regen, welcher nun fällt, hat den Mann zum Schweigen gebracht, wenigstens ein kleiner Trost, zu wissen, das Wasser so manches an Sorgen wegspülen kann.
Liebe Grüße
Sascha