RE: RE: Innere Stimme oder Depression
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RE: Innere Stimme oder Depression

afrog(69)
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#deutsch
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Lieber jaki01@jaki01,
ich bin in D geboren und muss mich um einen Aufenthaltsstatus nicht kümmern. Ich beziehe auch keinerlei Stütze, lebe dabei aber keineswegs asketisch. Im Jahre 1952 geboren, hat man Gift und tödliche Strahlung noch völlig unbedacht in der Welt verteilt und besorgten Kritikern das Oswald'sche Verdünnungsgesetz um die Ohren gehauen. Damals wurde in nahezu jedem Haushalt Kohle, Holz oder Öl verfeuert und im Winter gab es daher garantiert dicke Luft zusammen mit dem Pesthauch des KFZ-Verkehrs und der ungefilteterten Industrieabgase mitten in unserer prosperierenden Industriestadt.
Die Welt ist seitdem sehr viel besser geworden! Das mag man als rezenter Stoffphobiker im Mikrogrammbereich kaum glauben, doch du lebst in einer um Potenzen reineren Welt, als ich sie bis heute überlebt habe. Was natürlich kein Argument sein soll, gegen weitere Anstrengungen hin zur Nullemission.

Askese? Ich habe keine Ansprüche und lebe mit einer absolut selbstständigen Frau zusammen, die schon in ihrer Jugend gegen die vorherrschende Meinung einer unfreundlich gestimmten Gesellschaft kämpfen musste, weil sie mit 17 ein Kind bekommen hat und auch noch nach dem alten Schweinegesetz schuldig geschieden war. Sie hat es trotz aller Gegner geschafft, als Krankenschwester examiniert zu werden. Diese immer hart kämpfende Arbeitertochter und Löwenmutter hat sich im Laufe der Jahre zu einem gesellschaftlichen Schrapnell entwickelt.

Ich selbst habe trotz der Herkunft und nie nachlassenden Protektion als Direktorenenkel stets antizyklisch gelebt, also unerreichbar für jeden Versuch mich fügig auf Norm zu bekommen. Niemals habe ich das veranstaltet, was man erwartet hat. Ich bin kein reicher Erbe, unfassbar unberechenbar, frei von Zwängen und daher eine Art Individuum, das es im Staat gar nicht geben dürfte. Zusammen sind meine Frau und ich die personifizierte Subversion. Wir fliegen unter nahezu jedem Radar.

Das ist schon alles, was du wissen musst, um zu verstehen dass ich kein Verständnis dafür habe, wenn Menschen sich über einen ungerechten Staat beklagen. Wir haben bisher nur die Vorteile aus dem Staat gezogen und fühlen uns hervorragend in D aufgehoben. Das einzige auf das ich dafür bisher verzichten musste, sind Ansprüche. Da Ansprüche neben dem Sklavendasein moderner Angestellter und der Selbstüberschätzung der Dünkelbürger ausschließlich zu blödsinniger, überflüssiger gesellschaftlicher Gockelei führen, ist es auch überhaupt nicht schwer, auf Luxus und Status zu verzichten.