Und ich frage mich immer, warum der Mensch so sehr nach all dem überflüssigen Komfort und nahezu absoluter Sicherheit strebt.
Und du glaubst im Ernst, ein asketisches Leben bewahrte dich vorm deutschen Zettelkrieg? Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, las ich von "Hartz IV-Bewerbern", denen die Antragsformulare zu komplex waren, um sie korrekt auszufüllen zu können ...
Er ist sogar bereit, jederzeit nicht nur seine eigene Freiheit für das Versprechen von Sicherheit aufzugeben.
Auch wenn es bitter schmecken mag: Ohne Geld nix Freiheit.
Du solltest bei all deiner edlen Theorie die Praxis nicht aus den Augen verlieren. Ich weiß z. B., was es heißt, gegen deutsche Behörden kämpfen zu müssen, die meiner ausländische Freundin kein Besuchsvisum gewähren wollten (was wiederum die Voraussetzung dafür war, die Sprache lernen und irgendwann hier leben zu können). Hätte ich nicht das Geld gehabt, ihr mehrmalige (fast zwanzigstündige) Fahrten zur deutschen Botschaft in Jakarta plus Hotelübernachtungen zu bezahlen, die Flugtickets und die für die nötigen Übersetzungen unzähliger Dokumente anfallenden Kosten zu übernehmen, monatelang mit der deutschen Botschaft zu kämpfen, wir wären wohl gescheitert.
Nur, um sich von seinem Nachbarn entscheidend ab setzen zu können, mehr zu haben und um etwas Besseres zu sein.
Damit kannst du kaum mich meinen.
Statussymbole interessieren mich nicht.
Ich habe als Single jahrelang problemlos in einer Mini'wohnung' gewohnt, obwohl ich genug Geld gehabt hätte, um mir mehr zu leisten, aber ich brauchte es einfach nicht. Allerdings ändert sich so Einiges, wenn man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist. Auch hinsichtlich der Art zu wohnen gilt es dann, Kompromisse zu schließen und die Wünsche des jeweils anderen zu respektieren.
Warum lebt der Mensch nicht bescheiden, dafür aber umso entspannter?
Trotz der m. E. unbestreitbaren Wichtigkeit finanzieller Stabilität gibt es auch völlig andere Gründe dafür, sich mit etwas zu beschäftigen, als das Streben nach Reichtum (z. B. Neugierde oder den Wunsch, etwas zu verbessern). Mein Stromspeicher und meine PV-Anlage sind beispielsweise ein finanzielles Minusgeschäft, aber ich wollte einfach meinen Teil dazu beitragen, dass Strom nicht nur aus dreckigen Kohlekraftwerken oder radioaktiven Müll produzierenden Atommeilern stammt. Sobald man jedoch in irgendeiner Weise aktiv wird und etwas Neues ausprobiert (man denke auch an die Beschäftigung mit Kryptowährungen - oder in meinem Fall mit mathematikbasiertem Sportwetten), steht nahezu zwangsläufig die staatliche Schikanefalle in Form mehrere Seiten umfassender Formularberge, Steuern, Gebühren, vertrackten, oft kaum verständlichen Regelwerken und juristischen Fallstricken bereit. Im Falle von Stromspeicher und PV-Anlage ist z. B. der Zwangseintrag aller möglichen und unmöglichen Daten ins Marktstammdatenregister (ein Wort, das sich so nur deutsche Bürokraten ausdenken können) eines der auf einen lauernden Bürokratieungetüme.
RE: Innere Stimme oder Depression