Ein Gegenstand erzählt:
Ich bin so alt, dass ich nicht einmal mehr an meinem Platz bin. Weggegeben wurde ich. Bis in den Altstoffhandel. Aber auch ich hatte meine Glanzzeiten, da kannte mich meine letzte Besitzerin noch nicht. Sie hat mich von einer Nachbarin bekommen, die ausgezogen ist. Ich war ihr Lieblingsfahrrad, aber der Vater mochte mich nicht. Er sagte: „Was für ein merkwürdiges Aussehen“ und er lachte über mich.
Nun war ich in einem Keller. Dort standen alte Geräte für die Küche, abgenutzte Möbel.
Meine neue Besitzerin holte mich hervor, sie fuhr mit mir herum. Oh, wie war das wunderbar. An einen See kamen wir, sie lehnte mich an einen Baum und hielt die Beine ins Wasser. Da wurde sie das erste Mal nach mir gefragt: „Ist das Ihr Fahrrad?“, ein Mann und eine Frau besahen interessiert meinen Rahmen. Dort stand „Olympia“, golden auf schwarz-abblätterndem Grund. Meinen Lenker, klein und geschwungen, untersuchte der Mann und erwies sich als Kenner. Ich musste wohl über 50 Jahre alt sein oder so.
Meine Eigentümerin fuhr voller Gedanken nach Hause. Sah sie das Besondere in mir? Am Supermarkt wurde sie erneut über mich befragt. Ich war ein guter „Eisbrecher“, nur ging ich langsam zugrunde. Die Zeit spielte mir übel mit. In Fahrradläden war ich nicht gern gesehen. Niemand hatte Ersatzteile für mich. Und Licht ging auch nicht mehr.
Einen Winter überstand ich im Hof zwischen anderen Zweirädern. Sie sahen lächerlich aus. Wie Kinderspielzeug oder hatten seltsam breite Reifen.
Auch wenn ich nicht funktionstüchtig bin, ich mache mir Gedanken um die Welt. Diese will nichts von ihrer Vergänglichkeit wissen. Alles soll so sein, wie man es gewohnt ist. Würden wir von der Vergangenheit lernen, wüssten wir von der Zukunft.
Auch Gegenstände können sprechen! Lasst sie einfach erzählen und wir erfahren etwas über uns selbst. Kennt ihr den Moment, wenn man sich von kaputten Sachen trennen muss, die einen so lange begleitet haben?
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