RE: RE: Weiterentwicklung der Gesellschaft durch Regelverletzung?
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RE: Weiterentwicklung der Gesellschaft durch Regelverletzung?

w74(73)
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#deutsch
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Ich bin zwar reichlich spät dran mit meiner Meinungsäußerung, doch (so glaube ich zumindest) hat der zivile Ungehorsam keine festen Öffnungszeiten.
Was bleibt anzumerken?
Für mich faszinierend die Anzahl der Wörter, die sich bereit erklären, mit dir einen kompletten Satz zu bilden. Da gibt aus Beispiele, bei denen nach fünf Zulieferungen aus der Wort-Fraktion die Notbremse gezogen wurde. Die direkte Konkurrenz zu Günter Grass ist unverkennbar. Ich verneige mich!

So, nun zum eigentlichen Thema. Warum hast du es so breit gefächert? Der Ungehorsam im positiven Sinn beginnt in dem Moment, in dem du dich als Kind weigerst einen Nachbarn zu grüßen, den du am liebsten auf dem Abstellgleis sehen würdest, obwohl er es (dank der Machtbefugnisse der Eltern) auf die Liste der Grüßungswürdigen geschafft hat.
Somit ist der zivile Ungehorsam aus dem Spiel, da das Zivile immer wieder mit der Demokratie in Verbindung gebracht werden kann. Doch existiert keine Demokratie zwischen Kind und Eltern. Eltern geben höchstens mal genervt nach – ändert jedoch nichts an ihren Prinzipien.
Der bürgerliche Ungehorsam wäre mir daher naheliegender, da die Autonomie nicht ausgeschlossen scheint. Und kein Blick über Grenzen jeglicher Art, da wir selbst so viel Müll mit uns herumschleppen, mit dessen Aufarbeitung wir größte Schwierigkeiten haben. Daher würde ich nie den Account bei «DIE ZEIT» löschen, sondern Giovanni di Lorenzo dermaßen mit Nachfragen nerven, bis er auf deine Meinung (knapp außerhalb des Themas) reagiert.
Der bürgerliche Ungehorsam hat eine unauslöschliche und langanhaltende Tradition in meinem Leben. Nie das erfüllen zu wollen, was an Erwartungen in mich »investiert« wurde und den sturen Kopf auf der Schulter zu halten, war möglicherweise nie mein Wunsch, doch entpuppte sich mehr und mehr zur Lebensphilosophie.
Gegen Mohammad Reza Schah Pahlavi auf die Straße und den Mullahs damit ins Amt verholfen. Kein Ruhmesblatt und der Tatsache geschuldet, einfach gegen alles zu sein, was das Establishment für sich beansprucht. Gegen die Notstandgesetze, die Rasterfahndung und den NATO-Doppelbeschluss.
Wir vergessen zu oft und zu schnell, wie lange der Widerstand bereits existiert.
Wir sollten uns einfach noch einmal einig darüber sein, welchen Weg wir einzuschlagen gedenken.

Dies ist übrigens nicht das Ende im Dialog über den Ungehorsam. Ich wünsche dir viele konstruktive Eingaben, die einem Austausch der Meinungen gut zu Gesicht stehen.
Übrigens: Klasse Beitrag!

@w74: Ich bin zwar | Ecency