Der viel zu frühe Verlust eines Elternteils installiert im Kopf des Kindes zwangsläufig den, von der Wehmut gesteuerten Türöffner für die immer wieder gleiche Reflexion: Hättest du das doch bloß nur miterleben dürfen.
Dies bietet automatisch einen unermesslichen Raum für Gedanken, die von der Fantasie beflügelt, ihren Weg auf das Papier finden. Letztlich ist es nämlich deine Autobiografie, die du der Person widmest, mit der du liebend gerne erheblich mehr Zeit verbracht hättest.
Doch sollte die andere Seite der Medaille nicht unberücksichtigt bleiben. Auf der ist die Frage eingraviert: Wie wäre mein Leben überhaupt verlaufen, wenn Mama und Papa konstant einen prägenden Einfluss auf mich gehabt hätten? So könnte der Blick in den Rückspiegel ein gänzlich anderes Bild offenbaren.
Was das Niedergeschriebene betrifft, kann ich nur meinen Erfahrungsschatz entrümpeln. Eine Geschichte findet stets ein Ende (und sei es mit der Aufforderung an den Leser, ab sofort die eigene Vorstellungskraft in Gang zu setzen). Eingelgte, lange Pausen sind in der Regel so scharf wie ein Skalpel zur Amputation. Plötzlich liebäugelst du mit einer komplett anderen Herangehensweise an den Erzählstoff oder manche Passagen sind dir emotional entglitten. Dann ist es wahrlich an der Zeit, dem Pferd einen anderen Sattel aufzulegen.
Aber, wie ich deinem Text entnehme, bist du eher an der Nähmaschine unterwegs und ziehst vielleicht schon morgen den neuen Faden auf die Nadel.
Beste Grüße
RE: Du weißt gar nicht, was du verpasst hast, Vater.