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In den letzten Tagen habe ich viel über Hive nachgedacht. Eigentlich mehr, als ich ursprünglich vorhatte. Dabei bin ich immer wieder bei einer Frage gelandet, die ich mir bisher gar nicht so bewusst gestellt hatte:
Gibt es hier noch genügend Freiraum, dass ich etwas Eigenes beitragen kann, ohne mich einer bestehenden Struktur unterordnen zu müssen?
Ich meine das nicht als Kritik an Hive. Im Gegenteil. Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, was mir diese Plattform gegeben hat. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Frage inzwischen stelle. Ich versuche gerade herauszufinden, was mir Hive heute noch gibt – und was ich selbst noch geben möchte.
Für mich war Hive lange mehr als eine Plattform, auf der ich Beiträge veröffentliche. Es war ein Ort, an dem ich Gedanken formulieren, andere Sichtweisen kennenlernen und mich mit Dingen beschäftigen konnte, die mich interessieren. Schreiben und Reflektieren gehörten für mich lange zusammen. Auch die Interaktion mit anderen war wichtig. Nicht jeder Beitrag muss eine große Diskussion auslösen. Manchmal reicht ein kleiner Gedanke, ein Kommentar oder sogar ein bisschen Humor, damit zwischen Menschen etwas entsteht.
Aber ich frage mich inzwischen auch, ob das noch ausreicht. Denn viel Content bedeutet nicht automatisch viel Austausch. Und vielleicht ist genau das eine der Fragen, über die wir einmal nachdenken sollten.
Ich habe mich in letzter Zeit auch häufiger gefragt, warum ich bestimmte Beiträge kuratiere. Manchmal ist es ganz einfach: Der Beitrag ist gut und ich möchte ihn unterstützen. Manchmal ist es aber auch etwas anderes. Ein Beitrag ist vielleicht nicht besonders spektakulär, aber ich bekomme durch ihn einen kleinen Einblick in den Menschen dahinter. Oder ich freue mich einfach, dass jemand deutschsprachigen Content veröffentlicht und hier aktiv ist. Dann ist der Beitrag für mich nicht unbedingt „minderwertig“. Er hat nur einen anderen Wert.
Das bringt mich zu einer weiteren Frage:
Wie viel persönlicher Wert steckt eigentlich in Kuration, der sich gar nicht objektiv messen lässt?
Ich glaube, wir sollten auch darüber ehrlich sprechen. Früher konnte ein guter Beitrag auf Hive durchaus einen spürbaren finanziellen Wert erreichen. Heute sieht das bei vielen Beiträgen ganz anders aus. Der Aufwand für einen guten Reisebericht, Fotos, Recherche oder einen ausführlichen Beitrag ist aber nicht automatisch kleiner geworden.
Wenn der finanzielle Anreiz sinkt, stellt sich deshalb irgendwann die Frage:
Was hält Menschen trotzdem hier?
Geld ist sicher nicht alles. Aber so zu tun, als wäre es unwichtig, halte ich ebenfalls für unrealistisch. Und vielleicht muss der wirtschaftliche Nutzen auch gar nicht ausschließlich aus dem Rewardpool kommen.
Genau hier wird Hive für mich wieder interessant.
Ich frage mich inzwischen weniger:
Welche neue Anwendung brauchen wir auf Hive?
Sondern eher:
Welches Problem außerhalb von Hive könnte durch die Eigenschaften von Hive tatsächlich sinnvoller gelöst werden?
Hive bringt einige Eigenschaften mit, die interessant sein können:
Aber natürlich gilt auch:
Nicht jedes Problem braucht eine Blockchain.
Vielleicht liegt die interessante Anwendung also gar nicht dort, wo wir bisher danach gesucht haben. Vielleicht müsste zuerst das Problem gefunden werden – und erst danach die Frage kommen, ob Hive dafür überhaupt das passende Werkzeug ist.
Denn ein Ökosystem muss nicht nur Anwendungen hervorbringen können. Es muss ihnen auch Raum geben, sich zu entwickeln.
Ich bin dabei über ältere Projekte und Gemeinschaften gestolpert, die irgendwann sehr viel Interaktion erzeugt haben und später wieder verschwanden. Eine wöchentliche „Kneipe“ zum Beispiel, in der Menschen sich vorstellen, diskutieren, über Hive sprechen oder einfach Unsinn machen konnten. Zeitweise entstanden dort hunderte Kommentare. Das ist für mich interessant, weil es zeigt, dass Interaktion durchaus entstehen kann, wenn es einen passenden Ort und einen Anlass dafür gibt.
Gleichzeitig stellt sich aber die Frage:
Wie viel Freiraum hat ein solches Ökosystem für eigene Experimente?
Technische Dezentralität bedeutet schließlich nicht automatisch, dass auch wirtschaftliche oder soziale Macht gleichmäßig verteilt ist. Große Stakeholder haben Einfluss. Das ist nicht automatisch schlecht und auch nicht grundsätzlich vermeidbar. Aber es bedeutet, dass wir vielleicht genauer hinschauen müssen, wenn wir über ein dezentrales Ökosystem sprechen. Denn ein System kann technisch dezentral sein und trotzdem Bereiche haben, in denen wenige Akteure sehr viel Einfluss besitzen.
Das ist für mich eine der schwierigsten Fragen. Zu wenig finanzieller Anreiz kann dazu führen, dass Menschen irgendwann sagen:
„Warum soll ich noch Stunden in diesen Beitrag investieren?“
Zu starke oder falsch gesetzte Anreize können aber ebenfalls Probleme verursachen. Dann wird irgendwann nicht mehr unbedingt der eigentliche Nutzen optimiert, sondern das System selbst. Voting, Rewards, Delegationen, gegenseitige Unterstützung – all das kann Menschen motivieren. Aber es kann auch dazu führen, dass sich Gruppen bilden, die vor allem versuchen, möglichst viel aus dem bestehenden System herauszuholen.
Wo liegt also die richtige Mitte?
Wie schafft man Anreize, ohne dass der Anreiz selbst zum eigentlichen Zweck wird?
Vielleicht ist das der eigentliche Grund für diesen Post. Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass ich manchmal gar keine große Lust mehr habe, etwas auf Hive zu veröffentlichen. Nicht, weil ich Hive schlecht finde. Ich glaube vielmehr, dass ich das System inzwischen einigermaßen einschätzen kann. Ich sehe seine Möglichkeiten. Ich sehe aber auch seine Grenzen. Und wenn ich ehrlich bin, lautet mein derzeitiges Urteil ziemlich unspektakulär:
Für mich ist Hive okay. Aber ist „okay“ noch genug, um weiterhin Energie hineinzustecken?
Das weiß ich selbst noch nicht. Vielleicht brauche ich einfach einen anderen Zugang dazu. Vielleicht gibt es Anwendungen oder Möglichkeiten, die ich bisher übersehen habe. Vielleicht ist Hive für mich auch weiterhin vor allem ein Ort zum Schreiben, Reflektieren und für interessante Begegnungen. Oder vielleicht verändert sich meine Nutzung irgendwann ganz.
Deshalb möchte ich diesmal gar nicht nach der großen Lösung fragen. Mich interessiert etwas viel Einfacheres:
Was bringt dir Hive persönlich?
Was hält dich hier?
Was würdest du gerne tun, findest dafür aber keinen richtigen Raum?
Welche Möglichkeit siehst du, die bisher kaum jemand nutzt?
Wo stößt du an Grenzen?
Und gibt es etwas, das du über Hive denkst, aber bisher selten ausgesprochen hast?
Du musst diese Fragen nicht alle beantworten. Ein Gedanke reicht.
❗ Eine kleine Bitte habe ich diesmal allerdings:
Antworte nicht nur mir. Such dir einen Kommentar aus und geh auf den Gedanken eines anderen ein. Wenn noch niemand kommentiert hat, fang einfach an – und schau später noch einmal vorbei, ob du auf jemanden reagieren kannst. Denn vielleicht entsteht ein gutes Gespräch nicht aus einer besonders klugen Aussage, sondern aus einem kleinen Gedanken, den jemand einfach in den Raum stellt.
Vielleicht ist „zu banal“ deshalb manchmal nur eine Ausrede.