Hierbei handelt es sich um den zweiten Teil einer Beitragsserie zum Thema Kälte, die ich mit dieser eher poetisch angehauchten Skizze (Auch auf Steemit) begonnen hatte.
Nun möchte ich kurz aufzeigen, dass und warum das Umarmen der Kälte, besonders des kalten Wassers, fernab einer romantischen Betrachtung einen Nutzen haben kann.
Wenn wir die Kälte als "antagonistische Kraft" begreifen (ähnlich der Dunkelheit), so können wir die "protagonistische Kraft" (Die Wärme, ähnlich des Lichts) besser in Kontext eines Wandels setzen und sie als Teil der Gesamtheit (Yin und Yang) verstehen.
Das Gesetz von Yin und Yang besagt, dass die gegensätzlichen Aspekte einer Energie immer gleichzeitig in einer Sache existieren. In uns ist Licht und Dunkelheit ebenso wie Kälte und Wärme und der Wert auf dieser binären Skala muss sich im Rhythmus einer Schwingung verändern (z.B. Sommer - Winter), da der Stillstand den Tod bedeutet (Auch wenn aus biologischer Sicht scheinbar ein immerwährendes Gleichgewicht angestrebt wird).
Dieses Wechselspiel zu akzeptieren und zu bejahen, kann unsere ganze Einstellung ändern: Genauso wie das Fasten einen vollkommen neuen Blick auf die Praxis der Nahrungsaufnahme (z.B. in Bezug auf gesellschaftliche Aspekte) liefern kann, so kann dies bestimmt auch passieren, wenn wir uns der Kälte aussetzen, sie bewusst fühlen und uns über die Konvention (Frieren ist schlecht und gefährlich) hinwegsetzen.
Dieses Hinwegsetzen kann einen zusätzlichen positiven Effekt auf unser Freiheitsempfinden haben: wenn wir merken, dass selbst die ach so gefürchtete Kälte (wie eben z.B. auch der gefürchtete Hunger) in erster Linie aufgrund evolutionärer Ängste ein Problem darstellt, kann uns das mutiger und freier machen.
Dass wir uns diese Freiheit nehmen können, ist natürlich ein großes Privileg - niemand von uns wird sich beim Experimentieren mit Kälte einer echten Gefahr aussetzen. Sollten wir in eine zu unangenehme Situation kommen, ist die nächste Heizung und das nächste warme Wasser vermutlich nur einige Schritte entfernt. Aber auch genau deswegen sind wir verweichlicht. Ein Privileg zu nutzen soll hier in keinster Weise abwertend gegenüber derjenigen dargestellt werden, die diese Möglichkeiten nicht haben und z.B. jeden Tag mit der Kälte um ihr Überleben kämpfen.
Sich der Kälte auszusetzen (Exposition) hat eine lange medizinische Tradition, beispielsweise in der Gestalt des Kneippens. Kneipp schwor im 19. Jhd. auf eine regelrechte Allheilwirkung seiner Kaltwasser-Therapie.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Untersuchungen und Erkenntnisse, die dafür sprechen, dass die Kälteexposition einen positiven Einfluss auf folgende Aspekte haben kann:
Um diese positiven Effekte für sich zu nutzen, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Hier eine kleine Auswahl:
Wenn man all diese Punkte gemeinsam betrachtet, so muten die Möglichkeiten der Kälteexposition durchaus ein wenig übertrieben an. Die Quellen der wissenschaftlichen Aspekte zeigen jedoch, dass die meisten Effekte eine gemeinsame Ursache haben. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass die gemeinsame Ursache im oben angerissenen spirituellen Aspekt zu finden sein könnte, doch handelt es sich dabei natürlich (der Natur der Sache geschuldet) um eine unbelegte Behauptung meinerseits.
Ich selbst befinde mich in einem Anfangsstadium die Umarmung der Kälte für mich zu nutzen und habe vor, diesen Winter (2017/2018) ein ausgedehnteres Selbstexperiment dahingehend durchzuführen. Ich habe zwar immer schon gern mal im Winter in einem Fluss "gebadet" und auch sonst kältere Erfahrungen nicht unbedingt gescheut, doch waren das bisher meistens Ausnahmen.
Sollte mir dieses Experiment gelingen und ich womöglich sogar einige der oben beschriebenen Effekte konkret nachweisen können, so wird dieses Serie mit einer Retrospektive und/oder einem Zwischenergebnis abgerundet werden.