Mir ist eben eine alte Deutschklausur in die Hände gefallen, die ich damals, in Verbindung mit Friedrich Schillers “Tell”, geschrieben habe.
Die genaue Fragestellung lautete
“Steht Tell’s Tat mit Recht und Moral im Einklang?” aber Walker hat die Frage in seinem Kopf auf das wesentlichste herunter gebrochen und die Frage folgendermaßen interpretiert “Ist Mord okay?”.
Wichtig zu wissen ist hierbei, dass Tell, meiner Meinung nach, ein ganz furchtbar geschriebenes Buch ist und ich niemanden wünsche es lesen zu müssen, auch wenn es allgemein als Klassiker betitelt wird.
Eine Neuauflage wäre wünschenswert, denn der Inhalt ist nicht schlecht.
Das wichtigste fasse ich kurz zusammen:
Da ist ein Typ (Tell) und ein anderer Typ (Der Landvogt [mächtiger Mensch]).
Der Vogt missbraucht seine Machtposition und unterdrückt seine Mitmenschen.
Außerdem vergewaltigt er (unter anderm) Tells Frau (weil er es kann und wahrscheinlich auch wollte) und nötigt Tell dazu, nachdem er nicht vor des Vogts Fahne knien will, einen Apfel von dem Sohn seines Kopfes zu schießen, womit Tell, auch wenn Tell ein hervorragender Armbrustschütze ist, riskiert seinen eigenen Sohn zu töten.
Er trifft den Apfel übrigens, aber kommt trotzdem auf all die Erlebnisse nicht klar.
Am Ende lauert Tell dem Vogt auf und erschiesst ihn mit der Armbrust (das war’s).
Der Vogt war nunmal auch nur ein Mensch, das vergessen Menschen mit Machteinfluss gerne mal.
Ich saß im Unterricht und fand die (bzw meine interpretierte) Fragestellung ziemlich heftig.
Der kann uns doch nicht fragen ob wir Mord vertretbar finden, dachte ich mir :D
Also hat Walker versucht das ganze wieder in seine Bestandteile zu zerlegen und mit diesen Teilen zu antworten (Spoilerwarnung, es kam nicht gut an^^).
Walker antwortete folgendes:
Ich denke diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, weil viele verschiedene Aspekte eine Rolle spielen zb. der rechtliche Aspekt.
Wäre ich beruflicher Richter und Mord wäre illegal, so hätte ich Tell wegsperren lassen, unabhängig davon, was er gesagt oder empfunden hätte, um meinen Job richtig zu machen.
Würde dieser Aspekt keine Rolle spielen, wäre es trotzdem nicht so einfach, da sich die Frage stellen würde, ob ich eine persönliche Verbindung zu Tell und seiner Familie oder dem Vogt und deren jeweiligen Lebensstilen (Familie und Macht) gehabt hätte.
Je nachdem wäre auch meine Überzeugung gewesen.
Selbst wenn wir davon ausgehen, dass ich von diesen Aspekten unabhängig wäre, ist die Frage nicht einfach so zu beantworten, denn einerseits habe ich Verständnis für seine Tat, auch wenn ich glaube, das er sich damit nicht unbedingt einen Gefallen getan hat, auch wenn er den Vogt und dessen (zukünftige) Taten aus der Welt geschafft hat, andererseits bin ich mir nicht sicher, ob ich deshalb auch behaupten könnte, das es notwendig gewesen wäre.
Wenn also rechtliche und persönlich verbindene Aspekte wegfallen würden, wäre ich wahrscheinlich unentschlossen, tendiere allerdings eher dazu dass er mich überzeugt hätte, da ich mich wahrscheinlich in seine Lage versetzt und es ansatzweise nachempfunden hätte.
Der Lehrer schrieb darunter:
Eine klare Aussage, ob Tells Tat mit Recht und Moral im Einklang steht (unabhängig von edlen oder nachvollziehbaren Motiven), sollte doch möglich sein!!!
Diese Klausur ist schon viele Jahre alt und Walker muss zugeben, dass es sich bei seiner Antwort um ein grundlegendes Missverständnis, bezüglich der Fragestellung, gehandelt hat, aber Walker war, selbst nachdem er, in seinem Philosophiesemester, über Kant und Moral zugeschwallt wurde, nicht überzeugt von diesem Konzept.
Bei besagtem Lehrer handelte es sich übrigens um den Lehrer, während meiner Abendrealschule, den ich auch in meinem Introduceyourself erwähnt habe:
https://steemit.com/introduceyourself/@theonlywalker/mein-bild-von-der-schule
Das introduceyourself verrät ja schon sehr viel über Walker...
Er hat es nicht so mit imaginären Grenzen, ist von Emotionen geprägt und dennoch sehr rational verkopft.
Was bist du für ein Mensch?
Siehst du Recht und Moral als, nicht real existente, Erfindung des Menschen oder bist du fest davon überzeugt, dass das Wohl aller Menschen über dem Wohl eines einzelnen (wenn auch negativ auslebenden) Menschen steht?
Was spricht gegen genug Phantasie um sich eine Welt vorzustellen, die nicht der gegenwärtigen entspricht?
Als ob die gegenwärtige ein Optimum darstellt.
Was würdest du tun, wenn ein Mensch in dein Haus kommt, die Frau die du liebst vergewaltigt und dich dazu nötigt dein eigenes Kind (eventuell) zu töten?
Damit wir uns nicht falsch verstehen...
Walker ist kein Freund von Gewalt und wenn es nach ihm gehen würde, wäre die Welt, in der wir leben, eine friedliche, dennoch stellt er kein Gesetz und keine Regel vor seine eigenen Bedürfnisse und Emotionen.
Es tut mir leid, dass es mir nicht leid tut.
Macht ihn das zu einem guten Menschen, oder zu einem schlechten Menschen?
Und sind Gut und Schlecht nicht subjektiv?
Ist es nicht ziemlich anmaßend, seine Wertung über die Wertung anderer Menschen zu stellen?
Walker hat gehört es gibt 2 Arten des Gutseins:
Aber die Menschen reden ja viel wenn der Tag lang ist.
Apropo, jetzt ist ja ne Menge Material um zu philosophieren und zu diskutieren zustande gekommen, also geizt nicht mit Kommentaren! :)