Meine Historie als Gamer begann an Weihnachten 1999/2000 mit einem Pentium 3, einer ATI 3D Grafikkarte (Ohne 3D Funktion) und Caesar III. Aus diesem Erstkontakt wurde eine Passion die mich bis heute fasziniert und fesselt, in schwankender Konzentration. Über die Jahre gab es einige Spiele die ich, wie man so schön in der Szene sagt, „gesuchtet“ habe. AoE2, Cossacks (1 !!!), oder dann etwas später Dawn of War, Unreal Tournament (Classic, 2004) oder die ersten Teile von Call of Duty (die ersten Beiden um genau zu sein) natürlich durfte Return to Castle Wolfenstein nicht fehlen. Auf LAN – Partys waren natürlich Battlefield (auch der erste Teil) und Counterstrike 1.6 am Start. Neben diesen Teilen hatte ich noch einen Narren an Rune (Das Wikingerspiel mit den viel zulangen Ladezeiten) und MDK gefressen. Klar das jemand, der auf MDK steht, auch n Borderlands Fan wird usw. Mit vielen neuen Spielen kann ich nix anfangen. Spellforce 3, ein scheiß Alptraum, wer ist auf die Idee gekommen, Warcraft 3, Anno und Baldurs Gate zu Kreuzen?
Jetzt habe ich schon einen Titel vor weggenommen, Warcraft 3 mit Add On The Frozen Throne (Kurz WC3 TFT) war das erste Spiel von Blizzard, das ich wirklich ausschweifend gespielt habe. Die Kampagnen mindestens 3 mal, natürlich Online und in einem Clan. Das Spiel hat mich so Faszinierd das ich mir sogar nachträglich Warcraft 1 und 2 geholt hatte, nur wegen der Story. Ich habe mich in diesem Universum schier verloren. Es hatte alles worauf ich zu dieser Zeit stand, ein Fantasy Szenario, es war nicht zu groß als Community (im Vergleich zu anderen Spielen), es war n bisschen Undergroundig.
Dann kam WoW, glaubt es oder nicht, aber für mich hat sich WoW damals wie ein Verrat angefühlt. Diese eingeschworene Gemeinschaft von Strategie-Nerds wurde aufgebrochen und man ließ einen MMORPG-Tumor aus dem Kadaver wachsen. Auf einmal erzählte irgend ein kleiner Spack einem was von der voll komplexen Story mit Arthas und dem Lich König. Das hat meinem, damals sehr engstirnigen und elitären Ego überhaupt nicht gefallen und so wurde auch das Interesse an WC3 TFT kleiner und kleiner. Dazu kam das ich an meinem PC kein Internet hatte, somit musste ich mir die Online-Zeit am Familien PC erkämpfen und es kam die Zeit der Abschlüsse, der Ausbildung. Der einst picklige Nerd mit Spange, entdeckte das Frauen mehr zu bieten haben als beim Zocken stören; kurzum, Orks, Elfen, Menschen und Untote rückten in den Hintergrund. Was blieb war eine gewisse Verachtung gegenüber WoW-Spielern.
Es wurde also still um Blizzard, zumindest für mich. Am Rande bekam ich mit, dass es immer Neues für WoW gab, das war es dann aber auch schon.
Naja, und dann brachte Blizzard Starcraft 2 Wings of Liberty heraus, ich kannte Starcraft, aber nach dem ich zu der Zeit mehr an Fantasy interessiert war, hatte es mich nie besonders fasziniert. Als jedoch der zweite Teil erschien, hatte ich richtig Bock drauf. Die Kampagne war grandios, ich war sofort wieder im selben Sog wie zu Zeiten von WC3 TFT. Der Multiplayer auch ein wahres Gedicht, dafür ist Blizzard ja bekannt, man trieb schnell Leute auf diversen Plattformen auf und man fand sich täglich zum abendlichen Zocken ein. Für meine jetzigen Erinnerungen war ich auch gar nicht so schlecht darin, man begann die erste Saison gleich in der 1 vs 1 Gold Liga, 2 vs 2 war dann Silber. Ich war begeistert, fuchste mich in die Steuerung, schaute Videos an, schlug mir Nächte um die Ohren, alles war nur noch Starcraft 2.
Meine damalige Freundin machte mich darauf aufmerksam und ich muss ihr zugutehalten, dass sie wirklich sehr lange nichts gesagt hat, dass ich wirklich zu nix anderem mehr zu gebrauchen war. Alles drehte sich um das Spiel, es gab kein anderes Thema mehr, bis hin zu einer gewissen Aggression, wenn ich es am Wochenende nicht spielen konnte. Es hat mir wirklich richtig gestunken, aber sie hatte recht. Aus einem Zocker mit vielen Interessen der auch mal über was anderes Reden kann wurde binnen eines Monats ein sabbernder Depp, der nur noch in APN und DPS dachte. Es war schwer, wirklich richtig schwer, aber ich ließ los. Von einem Tag auf den anderen hab ich das Spiel nicht mehr angefasst. Im Nachhinein betrachtet, ist es erstaunlich, ich hatte richtige Entzugserscheinungen (Als Ex-Raucher weiß ich wovon ich rede) über Wochen hab ich nach einer Ersatzdroge gesucht, fast schon panisch probiert in etwas anderem eine „Bestimmung“ zu finden. Das legte sich zum Glück, man zockte Dead Island, Saints Row, und Borderlands im Koop mit der Freundin, ansonsten mal hier, mal da aber nie wieder mit einer krankhaften Hingabe wie für SC2.
Nun wie das so ist, Beziehungen gehen auseinander. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich gemerkt habe: Shit, ich bin ja Single! Ich kann wieder Starcraft 2 spielen!
In der zwischen Zeit hatte sich die Trilogie komplettiert, und ich hatte einiges nach zu holen. Ein Urlaub ging dafür drauf, dann hatte ich die Story durch und vllt lag es am Alter, aber die Story, die mich damals so fesselte wurde in den anderen beiden Teilen eher schwächer, um nicht zu sagen „meh“. Dann folgte ein kurzer Abstecher in den Multiplayer …, aber wenn man lange aussteigt, merkt man erst so richtig wie sich die Community destilliert und nur noch die Hardcore-Typen übrig bleiben, was jetzt Bronze Liga war, wäre damals Diamant oder sogar Grand- Master gewesen, man kann sich vorstellen, ich verlor das Interesse. Ein Arbeitskollege, auch ein Gamer, hatte noch Interesse also zockte man mit ihm noch eine Weile und dann hatte sich das Thema wieder erledigt.
Das bringt mich zum eigentlichen Anlass dieses Textes, vor etwa einer Woche, dachte ich mir, Hey Overwatch (ebenfalls von Blizzard) wäre doch mal ganz nett. Es gab ein Wochenende, an dem man es testen konnte, danach kostete es etwas weniger, also wieso nicht? Besagter Kollege und ich hatten also das Wochenende schon verplant, am Freitagmorgen wurde runtergeladen und dann hatte sich das erledigt mit dem „mal raus gehen“. Das ging genau eine Woche so, jeden Abend, Skype an und losging die wilde Fahrt, es hat auch genau eine Woche gedauert, bis ich gemerkt habe, wie hart mir Overwatch zwischen die Synapsen scheißt. Schlafstörungen, man träumt vom Spiel und ist unruhig. Auch die Aggression war wieder da. Das hat mich so erschreckt das ich es diesen Montag wieder deinstalliert habe, zur großen Enttäuschung meines Kollegens.
Es wäre leicht jetzt die Schuld an Blizzard ab zuschmieren, aber was will ich ihnen vorwerfen? Dass sie gute Spiele machen, die bei mir einen Nerv treffen? Man könnte auch argumentieren das Overwatch jetzt, rein Shooter-technisch halt Scheiße ist, und ein Unreal Tournament, ein Battlefield oder sogar ein Killing Floor es besser machen. Das würde es natürlich auch leichter machen. Aber wieso hat es dann so eine riesen Fan-Gemeinde? Wieso häng ich nach einer Woche Overwatch schon da wie ein Junky auf Entzug und bei Unreal Tournament nicht?
In meiner trockenen Phase, zwischen der ersten Starcraft-Eskalation und dem zweiten Anlauf, hat sich mir ein Bild von Blizzard gezeichnet, das ich als Mischung zwischen Apple und Scientology ansiedeln würde. Der Vergleich mit Apple drängt sich mir auf weil egal, was von Blizzard kommt, es ist proprietär, Blizzard bleibt in seinem Universum, klar kann man in Overwatch Sachen für WoW oder Hearthstone freischalten usw. aber es bleibt alles bei Blizzard. Wenn sie eines können dann „Welten erschaffen“ (Damit werben sie selbst) aber womit halten sie die Leute in diesen Welten? Und das bringt mich zu Scientology, eigentlich ist das Prinzip einfach, Abhängigkeit durch Level-Up, in WoW/Diablo will man das höchste Level haben in Overwatch/SC2 möchte man neue Levels haben, in der Besten Liga sein, evtl sogar davon leben können, naja und als Scientologe möchte man ein Level-Up zum Thetan. Das Gerüst ist also simpel, man zeigt den Leuten, wo sie hinkommen könnten, und macht die Stufen am Anfag bequem und klein und lässt sie immer größer werden.
So Simpel wie die Stufen ist das Grundkonzept eines jeden Spieles von Blizzard, aber die Komplexität erscheint im Hintergrund, Metas, Daten, Werte, Konter, Kombos, Techniken und die Verbesserung der persönlichen Fähigkeiten all das entfaltet einen Sog, einen Sog der am besten mit „einfach zu lernen und schwer zu meistern“ umschrieben werden kann. Ähnlich wie bei Scientology das Prinzip „Mensch → Thetan(also übermächtiges Geistwesen)“ ist simpel, wer aber mal versucht hat zu verstehen was diese Leute glauben … fast unmöglich ...
Auch wenn der Vergleich nun etwas gemein wird, neben dem oben beschriebenen Prinzip haben Blizzard und Scientology noch etwas gemeinsam, sie haben überall ihre Finger mit drin. Sei es E-Sport, sei es Events für Fans, eigene Messen, soweit ich weiß waren Blizzard die ersten die eine eigene Messe (BlizzCon) hatten. Und Sie Ziehen ihren Fans das Geld aus der Tasche, überdecken es mit einer riesen Zuckergusskruste und verkaufen es auch noch als Service, klar das machen sie alle, aber gerade bei Blizzard finde ich es ekelhaft. Waren sie doch früher die Entwickler die einfach mal so noch eine Minicampagne in einen Patch gepackt haben, als sie gemerkt haben das die kleine Kampagne gut ankam, gab es sogar noch 2 Teile, kostenlos!
Mache ich Blizzard nun Vorwüfe? Kritisiere ich ihre Spiele oder den Kult den sie um sich aufbauen?… Nein! Genauso wenig wie ich Scientologen und Apple-User kritisiere, sollen sie machen. Solange sie mich nicht tangieren. Ich für meinen Teil werde es wieder halten wie früher, ich meide Blizzard wie der Teufel das Weihwasser.
Die ganze Loot-Box- und Microtransaktionen- Thematik etc. spar ich mir, ich bin im allgemeinen kein Fan von solchen Dingen.