Bitte nicht den Wohlfahrtsstaat für Großunternehmen vergessen.
Das war immer das Problem der modernen angeblich marktwirtschaftlichen Parteien.
Man schimpft wie Guido Westerwelle über spätrömische Dekadenz und meint damit den Hartz 4 Empfänger, vergisst dabei aber die ganzen Subventionen und den Patentschutz für die Großunternehmen.
Man kürzt den Wohlfahrtsstaat auf der Arbeitnehmerseite und lässt den Großunternehmen ihre Privilegien.
Hinterher wundert man sich, wenn die Arbeiter von Kapitalismus nichts mehr wissen wollen.
Das dringendere Problem ist unser Sozialismus für Reiche.
Man wird die kleinen Leute niemals für Marktwirtschaft begeistern können, wenn sie sehen, dass sie immer die gearschten sind.
Man braucht sich nicht wundern, wenn die Geringverdiener lieber auf Hartz 4 machen.
Die Frage ist auch, ist eine arbeitsteilige Wirtschaft, wie wir sie heute haben, ohne eine Form von Sozialsystem denkbar?
Die freiwillige Wohltätigkeit von Früher war geprägt vom starken Glauben und von gesellschaftlichen Zwängen.
In Landshut wurde im Mittelalter von reichen Familien erwartet, dass sie ihr Untergeschoß kostenlos armen Familien zur Verfügung stellen und diese versorgen.
Wer dies nicht getan hat, konnte sich nirgends mehr blicken lassen.
Handwerksmeister mussten ihren Gesellen nicht nur Geld zahlen, sondern auch für Unterkunft, Speisen und Getränke sorgen.
Dies wurde von den Zünften vorgeschrieben und die Versorgung war sehr üppig.
Zusätzlich waren 90 Feiertage im Jahr festgelegt.
Auch hier kann man von einem Zwang sprechen.
Es gab Städte, da waren die Bettler so wohlhabend, dass sie der Stadt einen Brunnen gestiftet haben.
Das damalige Betteln konnte man durchaus als Dienstleistung sehen.
Sie ermöglichten es den Bürgern ihrer Pflicht zur Nächstenliebe nachzukommen.
Die Versuche der Obrigkeit, die Bettler zu vertreiben, wurden auch von den wohlhabenden Bürgern bekämpft.
Die Frage ist, können wir das Rad zurückdrehen.
Zurück zur Produktion in der Nachbarschaft, wo jeder jeden kennt und man sich um seine Mitmenschen kümmert?
Wie schafft man es, die Fabrikarbeiter in Großunternehmen, die nichts anderes sind als Roboter, wieder zu Menschen zu machen, für die sich die Besitzer der Unternehmen verantwortlich fühlen?
Auch im heutigen Sozialstaat ist man ja nur eine Nummer.
Im Prinzip geht es immer um das selbe Prinzip:
Diejenigen, die produzieren können, müssen weniger konsumieren, als sie produzieren, damit diejenigen, die nicht mehr oder noch nicht produzieren, auch konsumieren können.
Dies gilt für eine Familie, wie auch für jede Gesellschaft.
Mit Geld hat das überhaupt nichts zu tun, sondern mit der Produktion von Waren und Dienstleistungen.
Das Sparparadoxon darf dabei auch nicht vergessen werden.
Dies gilt für eine Familie, wie auch für jede Gesellschaft.
Die Kunst ist, so eine System ohne große Reibungsverluste zu organisieren.
Ich arbeite gerade daran, so ein freiwilliges System in ein Mutual Credit System zu integrieren.
Sparen wir lieber alle für die Rente oder investieren wir in zukünftige Produktion?
Sparen alle heute einen Großteil ihres Geldes für irgendwelche Notlagen oder die Rente, dann gehen heute die Unternehmen pleite und es gibt in der Zukunft keine Produzenten.
All diese Gedanke und Fragen vermisse ich bei den meisten Ökonomen.
Die eine Seite denkt nur ans Individuum (und gehen dabei meist von sich aus) und die andere Seite will einfach alles umverteilen. Aber beide Seiten denken nur ans Geld.
Das Geld ist aber bei all den Fragen völlig bedeutungslos.
RE: Eine Anthropologie des Wohlfahrtsstaates