Liebe Hive-Gemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,
vor zwei Jahren war ich auf dem zwanzigjährigen Klassentreffen unseres Abiturjahrgangs.
Eine der damaligen Überfliegerinnen unseres Jahrgangs ist bald nach ihrem Vordiplom (Studienfach war irgendwas mit Wirtschaft und Chinesisch) nach China gegangen, wurde dort beruflich sehr erfolgreich und hat auch einen Chinesen geheiratet.
Als ich sie damals fragte, wie das in China so ist mit Diktatur, Zensur, Social-Credit-System, usw.
War ihre Antwort in etwa:
Alles Quatsch! Solange Du nicht öffentlich zur Revolution aufrufst, lebst Du in China wesentlich freier als in Deutschland.
Klingt eigentlich gar nicht so schlecht.
Hört man sich auf alternativen Medien um, wird dort von libertärer und konservativer Seite eigentlich immer vor dem Social-Credit-System Chinas gewarnt.
Wer hat nun recht?
Da ich wegen meines Achillessehnenrisses wieder gehen lernen muss und deshalb momentan einen großen Teil meiner Zeit mit Rückwärtsgehen verbringe, habe ich unglaublich viel Zeit Podcasts zu hören.
https://twitter.com/SteHaller/status/1401126216908804100?s=20
- SteHaller
Rückwärts (bergauf) zu gehen ist übrigens eine der besten Rehamaßnahmen bei Knie- oder Achillessehnenverletzungen, aber das nur nebenbei.
Einer meiner Lieblings-Podcasts ist Free Man Beyond the Wall von Pete Quinones der auch Teil des Libertarian Institute ist.
Pete ist ein Anarchist/Agorist, der zwar von Geld keine Ahnung hat, aber ansonsten ganz sympathisch ist.
Zu Gast in der Aktuellen Folge von Free Man Beyond the Wall war dieses Mal Scott Freeman, ein in Atlanta, GA geborener Unternehmer, der seit über 20 Jahren in China lebt.
Die Folge gibt es auf Apple-Podcast, Spotify oder Youtube:
Nachfolgend die wichtigsten Punkte:
- Es gibt zwar viele Regeln, aber die Behörden sind viel zu faul sie umzusetzen.
- Polizisten sind unbewaffnet
- Nur 1% der arbeitenden Bevölkerung zahlt Lohnsteuer.
- Kleinere Unternehmen sind nicht bilanzpflichtig und werden nach Bürofläche bzw. Ladenfläche sehr gering besteuert.
- Das Internet wird zwar teilweise zensiert, aber für $2 bekommt man einen VPN-Zugang, der die Herkunft verschleiert und schon hat man zu allem Zugang. Den Behörden ists egal.
- Gerichte drängen meist auf eine außergerichtliche Einigung, also Geldzahlung vom Täter an den Geschädigten.
- Demonstrationen sind verboten, ansonsten kann man sich politisch äußern wie man will (auch im Internet). Man darf nur nicht so groß werden, dass man eine Gefahr für die Regierung wird.
- Wenn es um das internationale Ansehen chinesischen Regierung geht, wird gerne mit Kanonen auf Spatzen geschossen (siehe die Maßnahmen in Wuhan).
- Social-Credit-System existiert nicht.
Wenn man seine Schulden nicht bezahlt, die Gerichte aber der Meinung sind, man könnte seine Schulden bezahlen und hat nur keine Lust, wird man in seiner Reisefreiheit eingeschränkt. Man darf z.B. nicht mehr fliegen, keine Hochgeschwindigkeitszüge mehr benutzen, usw., so lange bis man seine Schulden bezahlt hat.
Was aber bei uns immer erzählt wird, dass man z.B. bestimmte Sachen nicht mehr tun darf, wenn man das Falsche sagt, das Falsche kauft oder die falschen Internetseiten besucht, ist scheinbar ein Märchen. - Die Geschichten von den Uiguren, die man in Arbeitslager steckt, stammen seiner Aussage nach alle von einem Facebook-Account aus GB.
Wirkliche Beweise dafür scheint es aber nicht zu geben.
Fazit
Bisher eine der interessantesten Folgen dieses Podcasts.
P.S. Ich hatte heute eine sehr lange Zoom-Konferenz mit dem führenden diplomatischen/wirtschaftlichen Vertreter des Jemen beim IWF.
Könnte noch lustig werden...
Bald dazu mehr...