Liebe Leser und Naturfreunde,
letztens war ich wieder in Tirol, an meinem Lieblingsort, zum Wandern und Geniessen der Natur. Hier ein paar Eindrücke.
Eine Hängebrücke über die Gurgler Ache.
Auf dem Weg zum Ramolhaus (auf 3002m) gab es diesmal keinen Schnee und die Sicht auf die umliegenden Dreitausender war wie immer phantastisch! Es hatte sogar 10 °C. (letztes Jahr, als wir dort waren, nur 0 ).
Mit dem Wetter hatte ich überhaupt Glück. Meist war es sonnig oder leicht bewölkt bei ca. 14-16 °C. - ideal zum Wandern. Nur ab und zu gab es Regen, und das vor allem in den Nachtstunden.
Regentropfen am nächsten Morgen an einem Blatt...
... und den jungen Trieben einer Europäischen Lärche. Die Lärche ist übrigens eines der wenigen Nadelhölzer, das jedes Jahr seine Nadeln abwirft. Vorteil: Weniger Verdunstung und weniger Schneelast auf den Ästen - eine Anpassung an kalte, gebirgige Regionen.
Die örtlichen Kühe haben sich auch nicht geändert, gerne versperren sie einem den Weg.
Diesmal waren sie gleich zu viert. Leider kann ich ihren Blick nicht deuten, daher nehme ich immer das Schlimmste an. Die hinten hat mich so seltsam angesehen, als ob sie sagen wolle, "Du traust Dich doch sicher nicht an uns vorbei", während die vordere so tat, als grase sie nur. Wie auch immer, ich nahm einen Umweg - besser, falsch zu liegen als aufgehörnt von einem Wiederkäuer (ja, die Kühe tragen hier noch Hörner).
Schmetterlinge gab es sehr viele, hier ein Braunauge, der im Gebirge häufiger vorkommt als in tiefen Lagen.
Noch seltener, aber sehr hübsch mit leicht schillernden Flügeln, ist der Helle Alpenbläuling.
In der Roten Liste der gefährdeten Arten ist auch der Schillernde Mohrenfalter.
Aber die wenigsten hielten lange genug still für ein Foto. Da lobe ich mir die Pflanzen, die da schon wesentlich geduldiger beim Fotografiertwerden sind :), nur der Wind ist manchmal einer scharfen Aufnahme im Weg.
Eine Spinnweb-Hauswurz, die genügsam sogar aus der kleinsten Felsritze wachsen kann, ist immer wieder ein schöner Anblick.
Rosetten der Berg-Hauswurz, die auch zu den Dickblattgewächsen gehört. Deutlich sieht man die vielen kurzen Drüsenhaare.
Sie haben drei Funktionen: Fraßschutz durch Absonderung von Stoffen, die abschreckend wirken, Schutz vor Austrocknung, indem sie den Windzug direkt an der Blattoberfläche reduzieren und Wasseraufnahme, indem die feinen Härchen Tau und Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und direkt in die Blätter leiten.
Haare sind ein typisches Anpassungsmerkmal alpiner Pflanzen, wie auch hier bei einem Habichtskraut (unklar, ob es das Wollköpfige oder das Zottige ist).
Eventuell ein Silbermoos?
Zum ersten Mal konnte ich ein Alpenmurmeltier ablichten - ein großer Glücksfall, denn im Gegensatz zu zahmen Artgenossen anderswo sind diese Nager in ihrem natürlichen Habitat äußerst scheu und bei Annäherung flüchten sie flink in ihre unterirdischen Behausungen. Das Einzige, was man von ihnen merkt, sind meist nur die Warnrufe, die sie von sich geben, um sich gegenseitig zu warnen (sie sind sehr soziale Tiere, die in Rudeln bzw. Familienverbänden leben). Sie gelten als Eiszeitrelikte mit geringer genetischer Variabilität, sodass sie nur mehr in Gebirgshöhenlagen überleben können, weil sie sonst in Hitzestreß geraten.
Auch der Zirbenwald ist ein besonderes Juwel der Gegend und daher natürlich wieder auf meiner "To do"-Liste.
Die Wurzelkonstruktion dieser Bäume wirkt sehr waghalsig, ist aber offenbar stabil.
Blick auf den Hangerer (3020m). Wenn man genau schaut, sieht man, dass die Spitze zuerst etwas flacher ist, dann steiler. Das liegt daran, dass eben diese Spitze (die obersten 100m) während der letzten Eiszeit nicht von Eis bedeckt war, der Rest schon. Das führte dazu, dass die Tonnen an Eis, die auf das Geröll drückten, den Berg über die Jahrtausende regelrecht abgeschliffen haben.
Hier eine andere Ansicht dieses Bergs, mit einem namenlosen kleinen See davor (dessen Wasser benutzt wird, um im Winter die Schneekanonen zu speisen). Links im Hintergrund der Rotmoosferner.
Ein Gruppe Pferde am Ufer der Rotmoosache.
Ein Sandschnurfüßer.
"Am Beilstein" ist eine Stelle auf ca. 2300m Höhe, an der schon vor fast 10000 Jahren Menschen gelagert und gejagt hatten (das weiß man aufgrund von Holzkohle und Feuerstein (Silex), die man dort gefunden hat)!
Die Mauerreste stammen aus dem 12.Jhd., vermutlich von Hirten angelegt und durch eine Lawine zerstört, während die einzelnen Steine links der Mauer an die 8000 Jahre alt sind (also älter werden sie schon sein, aber zu dieser Zeit wurden sie für eine Feuerstelle benutzt).
Von dort ging es direkt zum Soomsee (über den hatte ich schon hier berichtet) auf ca. 2600m - eine doch recht lange Wanderung, aber am Ziel angekommen war eine entsprechende Rast angesagt.
Man sieht auch, dass der See zu ca. 1/3 ausgetrocknet ist, was aber normal ist. Der Füllungszustand schwankt jahreszeitlich stark.
Diesmal gab es dort nur wenige Menschen. Ich war komplett allein, abgesehen von den Schafen, die einen neugierig anschauen.
Apropos Schafe, an einem anderen Tag wanderte ich auf die Hohe Mut (2650m), die mit ihrer sehr flachen grünen Kuppe immer viele davon anlockt. Die Gipfel der Berge im Hintergrund bilden übrigens die Grenze zu Italien.
Etliche Hütten hatten leider geschlossen, so auch die an der Spitze der Hohen Mut, aber spätestens im Tal kann sich das gastronomische Niveau durchaus sehen lassen, die Preise zwar auch, sind aber angemessener als woanders.
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