Von einer Nyckelharpa (Schlüsselharfe) aus dem Schlaf gewogen und wieder zurück
Manchmal schalte ich ab, ich fahre mich runter, so weit es eben geht. Das kann mitten am Tag passieren, aber nicht überall. Dann liege ich an meinem favorit place inmitten von nichts, außer Landwirtschaft und den dazugehörigen Wegen.
Dort wo nichts ist, geht es am weitesten runter.
Ich lag also prokrastinierend horizontal auf einer Holzbank, den raschelnden Blättern die sich am Ahorn festhielten zuhörend, als plötzlich....
... ein Monster anrannte!
1.5 bis 2 Tonnen Stahl, Kunststoff, Chrom, Lack verschmolzen mit einem summenden gut ab-gefetteten Motor der sich mir aus Süd-Südwest glänzend näherte.
Es kommt schon mal vor (selten) das solcherlei Kutschen hier vorbei kommen, aber sie bleiben nicht stehen, diese schon. Mehr noch, zögerliches abbremsen, anfahren, wieder stehen bleiben, lies mich schon glauben das mich ein Sex-Prädator aus-checkt. Er/Sie bog auf meinen Ruheplatz ein, ich scheine ihm/ihr zu gefallen.
Natürlich, alles nur Wunschdenken im Halbschlaf, aber hey, das ist übersinnliche Abwechslung, oder? Vielleicht auch einfach der Tatsache geschuldet das ich in den letzten Tagen, jede freie Minute damit verbracht habe einen prominenten aber in diesem Zusammenhang unbekannten Sex-Prädator im Internet zu stalken. However, Hobbys eben :)))
Jemand im Anzug stieg aus und hatte mich wohl genauso misstrauisch im Blick wie ich ihn. Er rauchte und lief auf und ab!
Ich hatte mein Fahrrad, Rucksack und Pullover über den Platz verteilt, ich selbst lag auf einer anderen Bank einige Meter entfernt. Theoretisch ein sehr abschreckendes Verhalten meinerseits. Hat aber bei diesem Medium offensichtlich nicht gewirkt.
Ich saß mich auf, da es doch etwas leichter ist jemanden zu beäugen im Aufrechten anstatt liegend. Die Gestalt war gepflegt, etwas älter als ich, selbstbewusst wirkend und er stand frontal zu mir gedreht. Jede Sekunde konnte das erste Wort fallen und so kam es auch. Schöner Platz, ruhig, Natur, die zu erwartenden Small Talk Themen. Plötzlich das Thema Musik, scheint ein forciertes Thema zu sein.
Dann geht der Mann zu seinem Wagen und packt eine Menge Zeug aus. Ein großen Kasten trägt er zum Tisch wo mein Rucksack ruht. Ich werde nervös und laufe herum, krieg ich vielleicht doch noch eine BDSM Einweisung?
Ich werde gefragt was ich glaube was da gleich aus dem Kasten heraus kommt. Ich kenne das schon, der Kasten sieht nach Musikinstrument aus und heraus kommt dann ein Endlosgurt für Yachten, oder so. Ich passe, und erkläre das ich keine Ahnung habe.
Ganz ruhig, als wäre es das normalste in der Welt einen großen Kasten auf einem einsamen Picknick-platz für einen Fremden zu öffnen standen wir da. Die Truhe ging auf und siehe, nix mehr mit Bondage.
QuelleEine Geige die eine historisch anmutende Melodica angepappt hat nennt sich Nyckelharpa
Man soll es nicht glauben, ein Musiker und sein Instrument auf meinem so abseitigen Ruheplatz. Zugegeben, die sogenannte Nyckelharpa die da lag machte einen sehr wertigen Eindruck. Das konnte sogar jemand wie ich dem dieses Instrument das erste mal unterkam erkennen.
Ich bekam selbstverständlich auch gleich eine Kostprobe auf dieser historischen Fidel. Als nicht Musiker bin ich allerdings nicht der erste Ansprechpartner um hier detailierd mein Hörerlebnis darzulegen. Nur so viel, man merkt schnell das sie einen ganz eigenen Klang hat, ungleich einer Geige und doch nicht weit weg.
Man hat manchmal das Gefühl einem ganzen Streicherensemble zuzuhören, gleichzeitig gefällt mir (bei ca. 3 Meter Abstand) das man den Workflow hören kann. Die Tasten oder auch Schlüssel genannt geben einen weichen holzigen Ton wenn sie gespielt werden. Musiker Handwerkskunst.
Ich habe zwar nicht auf die Uhr geschaut, aber ich hatte das Gefühl einem vollständigen Konzert beigewohnt zu haben mit den entsprechenden Erklärungen zur Musik und immer wieder Information zur Nyckelharpa. Während er spielte sind Spaziergänger, Jogger und ich glaube auch Vögel anerkennend stehen geblieben und haben eine Weile gelauscht bevor sie weiter sind.
Als wir uns verabschiedet haben, gab er mir noch seine Visitenkarte und ich versprach ihm die Nyckelharpa würdigend in meinem Blog einzuflechten, nicht ohne zu erwähnen das es eine humorgeschwängerte Version werden könnte.
Seine ausgesprochene Hoffnung war es das ich darüber positiv berichte, ich denke das habe ich geschafft, geradezu eine Werbung für die Realität.