Ich definiere Bullshit in meinem eigenen Sprachgebrauch etwas anders, und ich glaube das ist ok, weil es für das Wort keine allgemein gültige Definition gibt.
Aber ich weiß sehr gut, welche Problematik du ansprichst.
Zu deiner Frage
Gibt es daher so etwas wie „gesunden Bullshit“?
In der Wissenschaft ist nie alles perfekt. Jede noch so gut durchgeführte Studie hat noch kleine Lücken. An irgendeinem Punkt muss man einen Punkt machen, und das Ding trotz seiner Unvollkommenheit niederschreiben und veröffentlichen, sonst kommt man nicht weiter und steht still. Und dafür wird man die Lücken mit schönen Worten zudecken müssen, denn sonst bekommt man das Paper nicht publiziert.
Und ich denke das Prinzip kann man auf fast jeden Lebensbereich ausdehnen. Perfektionismus führt zu Stillstand.
Umgekehrt darf man das Bullshitten nicht übertreiben. Erfindet man z.B. Daten, verdreht man die Wahrheit wider besseres Wissen (laut deiner Def. dann eine Lüge, und nicht mehr Bullshit) oder publiziert man mehr Löcher als Substanz, ruiniert man sich sehr schnell - und völlig zu Recht - seinen Ruf und das kann existenzbedrohlich werden. Und man kann sich vielleicht nicht mehr in den Spiegel schauen. Würde ich also niemals machen. Und ich denke auch das kannst du auf andere Lebensbereiche ausdehnen.
Und btw.: Es macht mMn absolut keinen Unterschied, ob man das akademische oder das industrielle Setting betrachtet: Es läuft am Ende des Tages überall gleich.
Das Ganze hat sicher ein bisschen mit unserer Zeit und dem aufgebauten Druck zu tun, war aber wie du siehst schon Leuten wie Edison nicht fremd. Vielleicht sieht das Fazit so aus: zum Erfolg führt hochqualitative (aber nicht perfektionistische) Arbeit, die man dann aber auch gut verkaufen muss, was ein gewisses Maß an Bullshit notwendig macht.
Weißt du, was ich meine?
P.S.: Danke für die interessante Denkanregung.
RE: Bullshit: Fluch oder Segen in einer schnelllebigen Zeit?