„ Wir müssen gegensteuern “

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Kurzauszug aus der PDF Datei des Ciceros die Gabrielle Baring Interviewte. 

 Wir hören täglich von Islamophobie,
Homophobie, Angst vor Impfungen.
Sind wir ein ängstliches Volk? 

  • Zumindest finden wir „German
    Angst“ und „German Disease“ in angelsächsischen
    Lexika. Man diagnostiziert
    uns eine kollektive Störung. Angst, Depression
    und Mutlosigkeit seien Kennzeichen
    der sogenannten deutschen Krankheit
    – und wir müssen zugeben, dass
    diese Symptome hierzulande mittlerweile
    Massenphänomene sind.


Ist es schlimm, Angst zu haben? 

  • Nein, es ist immer das Zuviel oder
    das Zuwenig, das Sorgen bereitet. Ängste
    können auf seelische Krankheiten deuten,
    Ängste können sich zu Neurosen verfestigen.
    Dann wird es Zeit gegenzusteuern.  

Politiker wollen die Ängste der Menschen
ernst nehmen. Ist das sinnvoll? 

  • Ich befürchte, es handelt sich um einen
    hohlen Spruch. Politiker sehen oft
    nur einen Schatten jener Menschen, die
    sie ernst nehmen wollen, der Wähler und
    Wählerinnen. Diesen Eindruck gewann
    ich auch neulich, als ich im Bundestag
    die Kanzlerin zwischen ihren Ministern
    Peter Altmaier und Sigmar Gabriel sitzen
    sah: zwei Kindergesichtern auf gewaltigen
    Körpern, die uns zeigen, dass sie zur
    Welt einen gewissen Abstand halten.

Woher kommt die Gereiztheit im politischen
Meinungskampf?

  •  Es gibt ein großes Bedürfnis, auf der
    richtigen Seite zu stehen. Der gute Deutsche
    möchte richtig sein. Und er geht von
    der fatalen Annahme aus, dass seine Vorfahren
    allesamt falsch waren, dass eine
    ganze Nation ein Tätervolk war. Dabei
    sind in jeder Gesellschaft rund 80 Prozent
    Mitläufer. Der Rest teilt sich auf in
    Schurken und Helden, so ist das immer.
    Der pauschale Hass der Nachgeborenen
    hat die Maßstäbe verrutschen lassen.


Also ist in der Nachkriegssozialisation
der Deutschen etwas schiefgelaufen.

  • Ich kann die Achtundsechziger-Revolte
    verstehen, doch es war eine Bewegung
    des Vaterhasses. Die wenigen Väter,
    die aus dem Krieg zurückkehrten, waren
    traumatisiert und aggressiv. Die Kinder
    hatten Angst, die Frauen kamen nicht mit
    ihnen zurecht, das Familienleben war oft
    zerstört. Es konnte meist nicht getrauert
    werden, weshalb ich vom Trauerstau
    spreche. So erging es meinen Eltern,
    Christian Wulffs oder Sigmar Gabriels
    Eltern. Diese Figuren können sie nur erklären
    aus den Kindheitserlebnissen. In
    vaterlosen Familien wurden die abwesenden
    Väter idealisiert, während die Frauen
    sich zur „kalten Mutter“ entwickelten.
    Das wirkt nach bis heute.


In Ihrem Buch sprechen Sie vom „seelischen
Erbe“ der Vergangenheit.

  • Wir müssen uns als Einzelne und
    als Nation unserem Familiengewissen
    stellen. Wir müssen uns das Recht auf
    Trauer eingestehen. Unerledigte Themen
    im Familiensystem belasten immer
    die Jüngsten. ....   http://gabriele-baring.de/files/files/veroeffentlichungen/2016/16-05-01%20Gabriele%20Baring%20Cicero.pdf

http://gabriele-baring.de/aktuelles.php